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Tinte für Tätowierungen: eine Gefahr für Haut und Leben?

Eine halbe Million Menschen hat nach einer Studie tattoobedingte Hautprobleme. Die Tinte enthält teratogene, karzinogene und genotoxische Substanzen.

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Tätowiertinte kann toxische Substanzen enthalten.

Tätowiertinte kann toxische Substanzen enthalten.

© Jens Hilberger / fotolia.com

REGENSBURG (MUC/eb). Seit am 1. Mai 2009 die Tätowiermittelverordnung in Kraft getreten ist, sind bestimmte Inhaltsstoffe in Tätowiertinte verboten, wie Azofarbstoffe und Paraphenylendiamin. Doch das hat die Produkte keineswegs entschärft. Sie enthalten nach wie vor genügend andere schädliche Substanzen.

Wer sich tätowieren lässt, bekommt nicht nur einen Hautschmuck fürs Leben verpasst, sondern obendrein eine Menge giftiger Substanzen. Dibutylphthalat, Methenamin, Dibenzofuran, Benzophenon oder 9-Fluorenon lauten die Namen der Verbindungen, die Karin Lehner von der Universität Regensburg und ihre Kollegen in schwarzer Tattoo-Tinte nachgewiesen haben (Contact Dermatitis 2011; online 3. Juli).

Die Wissenschaftler untersuchten gaschromatografisch 14 Produkte, die in Europa, den USA und Asien vertrieben werden, auf die Substanzen Hexachloro-1,3-Butadien, Dibenzofuran, Methenamin, Benzophenon, 9-Fluorenon und Dibutylphthalat. In allen Produkten war mindestens eine der Chemikalien nachweisbar, in den meisten mehrere und in einigen sogar alle vier.

Dibutylphthalat enthielten alle Produkte in unterschiedlichen Konzentrationen (0,12 bis 691,2 µg/g). Auch die Konzentrationen der anderen Stoffe waren teils beträchtlich: Hexachloro-1,3-Butadien bis 4,52 µg/g, Metheneamin bis 21,64 µg/g, Dibenzofuran bis 1,62 µg/g, Benzophenon bis 556,66  µg/g und 9-Fluorenon bis 3,04 µg/g. Sie alle stehen in dem Verdacht, karzinogen, teratogen oder genotoxisch zu sein.

Forscher befragten Tätowierte in deutschsprachigen Ländern

Zusätzlich zur Tintenanalyse machten die Forscher eine Erhebung in den deutschsprachigen Ländern, um festzustellen, wie häufig gesundheitliche Beschwerden in Zusammenhang mit einer Tätowierung auftreten. Rund zwei Drittel der Teilnehmer berichteten über Hautreaktionen wie Jucken, Brennen, Papeln oder Ekzeme an der tätowierten Stelle und 7 Prozent über systemische Reaktionen direkt nach dem Tattoo-Stechen. Bei 7 Prozent blieben die Hautprobleme auf Dauer bestehen.

Die meisten hatten mehrere Tätowierungen, 28 Prozent hatten vier Tattoos. Und bei vielen waren die Areale auch großflächig: Sie erstreckten sich zum Beispiel bei 36 Prozent über 900 cm2. So kommen schnell mehrere Gramm Tinte zusammen, die in die Haut eingebracht werden, sich im ganzen Körper verteilen und teils lebenslang in Organe einlagern.

Nach Schätzungen haben 500.000 Menschen Hautprobleme durch Tattoos

Die Forscher gehen davon aus, dass in Deutschland eine halbe Million Menschen tattoobedingte Hautprobleme haben. Sie fordern daher eine strengere Reglementierung und klare Deklaration der Inhaltsstoffe, so dass Produkte mit derart gesundheitsschädlichen Substanzen in Deutschland nicht mehr vertrieben werden: "Der erste Schritt in die richtige Richtung wäre es, sich an den Richtlinien für Kosmetika zu orientieren. Alle Substanzen, die nicht auf die Haut dürften, hätten in der Haut schon gar nichts verloren."

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Kommentare
Wolfgang Ebinger 14.09.201108:32 Uhr

Entsorgung vs. Bestattung?

Wenn man sich das EG-Sicherheitsdatenblatt zu der im Tätowierungsverfahren verwendeten Chemikalie "Benzophenon" anschaut, muss man sich unweigerlich fragen, ob denn das bisher übliche klassische Bestattungsverfahren in Deutschland auch für verstorbene tätowierte Personen weiterhin angewendet werden darf. Immerhin lauten die Hinweise zur Entsorgung für Benzophenon: "Das Produkt muss unter Beachtung der Sondermüllvorschriften einer Sondermüllentsorgung zugeführt werden."
Es wäre also denkbar, dass man irgendwann in näherer Zukunft gelegentlich an einer "Entsorgung" statt an einer "Bestattung" eines verstorbenen geliebten Menschen teilnehmen muss.

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