Ärzte Zeitung, 10.04.2012

Hämoglobin-Spray fördert Wundheilung

Mit einem Hämoglobin-Spray werden mehr als 90 Prozent der chronischen Wunden komplett geheilt. Das hat eine Studie bei Patienten mit Unterschenkelwunden ergeben.

BERLIN (eb). Bei fast allen chronischen Wunden liegt eine Hypoxie vor. Verbessert man jedoch den Sauerstoffgehalt in der Wunde mit Hilfe einer Hämoglobin-Lösung, kommt es zu einer deutlich verbesserten Wundheilung.

Mit einem hämoglobinhaltigen Wundspray kann die Heilung von chronischen Wunden gefördert werden, wie eine aktuelle Studie ergeben hat.

Professor Peter Arenberger von der Dermatologischen Klinik an der Karls-Universität in Prag und seine Kollegen haben ärztliche Einzelanwendungen und klinische Beobachtungen in Deutschland, Tschechien und Mexiko ausgewertet (GMS Krankenhaushyg Interdiszip 2011; 6: Doc05).

Dabei kamen die Forscher zu folgendem Ergebnis: Erste Zeichen der Stimulation der Wundheilung können bereits nach wenigen Tagen einer Anwendung des Hämoglobinsprays sichtbar werden.

Eine der für Deutschland zulassungsrelevanten Studien wurde bei insgesamt 42 erwachsenen Patienten mit chronischen Unterschenkelwunden vorgenommen. Die Wundfläche betrug mehr als 5 cm2, und die Wunde reichte nicht tiefer als bis in die Subcutis Grad 2 oder 3.

Erfolgsquote von 93 Prozent

Durch Behandlung mit einem Hämoglobin-Spray konnte bei 39 der 42 Patienten eine komplette Abheilung der behandelten Wunden erreicht werden. Von den drei Patienten, deren Wunden auf diese Weise nicht geheilt wurden, wiesen zwei eine Vaskulitis und einer eine Osteomyelitis auf.

Somit betrug die Erfolgsquote aller Patienten nach Ende der Behandlung 93 Prozent.

"Auch in weiteren Therapiebeobachtungen konnten über 90 Prozent aller Wunden mit Hämoglobin-Spray zur Abheilung gebracht werden", schreiben die Autoren.

Ebenso hätten individuelle Heilversuche in Witten und Prag die Ergebnisse bestätigt. Unerwünschte Wirkungen seien nicht beobachtet worden.

Das Spray basiert auf dem natürlichen Hämoglobin, das als wasserlösliches Molekül auch außerhalb der Erythrozyten Sauerstoff transportieren kann.

Diese Sauerstoff-Transporter werden in einer wässrigen Lösung auf den Wundgrund aufgebracht. Damit kommt es zu einer verbesserten Diffusion von Sauerstoff.

Das Behandlungskonzept wurde an der Universität Witten/Herdecke entwickelt. Das Hämoglobin-Spray soll demnächst in Deutschland zugelassen werden.

[10.04.2012, 23:37:14]
Heike Heuer 
Eisen aus Hämoglobin: mal gut mal schlecht für chronische Wunden
Das Universitätsklinikum Ulm berichtet 2011 vom "Durchbruch in der Erforschung chronischer Wunden" (http://www.idw-online.de/pages/de/news440796). Frau Prof. Scharffetter-Kochanek und Frau Dr. Sindrilaru berichten von ihren Ergebnissen bei der Wundheilung. Sie fanden, dass ZITAT "Erythrozyten sehr viel Eisen enthalten. Sie sterben im Gewebe ab und das Eisen setzt sich dort fest. Im schlimmsten Fall entwickelt sich aus einer CVI dann ein „offenes Bein“, sei es spontan oder durch kleine Verletzungen."„Auch bei der CVI sind Makrophagen im Spiel. Sie ‚fressen‘ die abgestorbenen eisenhaltigen Erythrozyten. Wir [Scharffetter-Kochanek, Sindrilaru] haben uns gefragt, welche Rolle das Eisen in der Krankheitsgeschichte von therapieresistenten ‚offenen Beinen‘ spielt“, berichtet Dr. Anca Sindrilaru. „Dazu haben wir in einem einfachen Experiment untersucht, ob wir im Rand solcher Wunden Fresszellen mit Eisen entdecken können. Das Ergebnis war erstaunlich. Sie enthielten alle Eisen.“ Bei näherer Untersuchung der Fresszellen fiel zudem auf, dass diese nicht nur vorübergehend, sondern dauerhaft aktiviert bleiben. Dazu Dr. Sindrilaru weiter: „Die Makrophagen speichern das Eisen aus dem Wundgewebe. Es kommt zu einer vollkommenen Eisenüberladung. Die Fresszellen sind hyperaktiv und ‚fressen‘ immer weiter.“
„Mit diesen durch Eisenüberladung aktivierten und dadurch uneingeschränkt entzündungsfördernden Makrophagen entdeckte Dr. Anca Sindrilaru einen bis dahin völlig unbekannten Makrophagen-Typ, den sie nun erstmals im Detail charakterisieren konnte. Dazu Prof. Karin Scharffetter-Kochanek: „Nachdem die Arbeit von Frau Dr. Sindrilaru im anerkannten ‚Journal of Clinical Investigation‘ (doi: 10.1172/JCI44490) veröffentlicht wurde, hat die renommierte Zeitschrift ‚Nature Reviews Immunology‘ diese Ergebnisse hervorragend besprochen – und den von uns entdeckten Makrophagen-Typ ‚Iron Macrophages‘ getauft. Wir sprechen jetzt von ‚eisenspeichernden Makrophagen‘.“ ZITAT-Ende
Professor Arenberger von der Dermatologischen Klinik an der Karls-Universität in Prag sowie Kollegen aus Mexiko sowie Untersuchungen der Universität Witten/Herdecke berichten nun (http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/haut-krankheiten/article/810065/haemoglobin-spray-foerdert-wundheilung.html?ticket=ST-5962-5mE6fjPhWEzR5FmvXSAKR5vzbXZVJHLat10-20) über ZITAT „ein Produkt in Entwicklung enthält als Sauerstoff-Binder Hämoglobin vom Hausschwein (Hämoglobin-Spray). Klinische Untersuchungen (eine klinische Studie, Therapiebeobachtungen und individuelle Heilversuche) werden präsentiert, aus denen sich klinische Daten zur Wirksamkeit und Unbedenklichkeit ergeben. Alle durchgeführten Anwendungen des Hämoglobin-Spray ergaben, dass die Wundheilung gefördert wurde. In einer klinischen Studie und einer unmittelbar nachfolgenden Serie von Therapiebeobachtungen konnten bei 39 von 42 Patienten (93%) die behandelten Wunden komplett geheilt werden.“ ZITAT-Ende

Da die Trockenmasse von Erythrozyten weit überwiegend aus Hämoglobin besteht und dieses bekanntermaßen das Eisen enthält, stellt sich nun die Frage, warum sehr Ähnliches einmal effizient die Wundheilung chronischer Wunden unterbindet (Universität Ulm), ein anderes Mal zu 93% die chronischen Wunden komplett und ohne unerwünschte Nebenwirkungen geheilt werden können (Universitäten Prag, Mexiko und Witten/Herdecke).
Es scheint, dass eine Therapie zur Wundheilung chronischen Wunden aufgrund der vielfältigen Einflussparameter mit kleinen Beobachtungsstudien nicht gut bewertet werden kann, was auch dazu führt, dass es eine sehr große Anzahl von Präparaten auf dem Markt gibt, die Heilung versprechen, diese aber nie unter den Bedingungen einer RCT (geplant, doppeltblind, randomisiert) klinischen Studie bewiesen haben. Weiterhin gilt, dass eine chronische Wunde, wenn die zumeist zugrundeliegende Durchblutungsstörung verschiedener Genese behoben wurde – oft „von allein“ heilt.
Da das neue Präparat durch seine pharmakologischen, ggf. immunologischen und ggf. sogar metabolischen Wirkungen zweifelfrei als Arzneimittel anzusehen ist, werden die Wirksamkeitsnachweise als RCT vor einer Zulassung noch folgen. Eine Einstufung als Medizinprodukt, wie das bei der Wundbehandlung häufig der Fall ist, scheidet aufgrund der beanspruchten pharmakologischen Wirkung (Sauerstofftransport) jedenfalls aus.
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