Ärzte Zeitung, 30.04.2012

Rauchen belastet Op-Wunden

Rauchen verschlechtert bekanntlich die Wundheilung nach einem chirurgischen Eingriff. Die meisten Daten dazu gibt es von Brustoperationen.

Von Peter Leiner

Nach Op haben Raucher häufig mit Nekrosen zu kämpfen

Wunden von Nichtrauchern heilen meist besser als solche von Rauchern.

© Max Tactic/fotolia.com

KOPENHAGEN. Raucher, die unters Messer müssen, haben im Vergleich zu Nichtrauchern bekanntlich schlechtere Karten, weil die Wunde schlechter heilt und es leichter zu Infektionen kommt.

Einer Metaanalyse mit den Daten von mehr als 180 Studien zufolge ist das Risiko für Nekrosen dabei am größten.

Im Vergleich zu Rauchern oder Patienten, die früher geraucht haben, haben Nichtraucher die wenigsten Wundkomplikationen nach einem chirurgischen Eingriff.

In vielen Patienteninformationen werden die Patienten deshalb aufgefordert, bereits einige Zeit vor sowie nach der Operation nicht mehr zu rauchen - wie lange der Zeitraum sein sollte, dazu gibt es keine einheitlichen Empfehlungen. Das reicht von wenigen Stunden bis mehrere Wochen vor und nach dem Eingriff.

Der Chirurg Dr. Lars Tue S¢rensen von der Universität Kopenhagen hat jetzt die Ergebnisse vieler Kohortenstudien und randomisierter Kontrollstudien ausgewertet, in denen es um den Zusammenhang zwischen Rauchen und postoperativer Wundheilung sowie Wundinfektion ging (Arch Surg. 2012; 147 (4): 373-383).

Mit 140 Studien und insgesamt fast 480.000 Patienten handelte es sich bei den meisten um Kohortenstudien, in denen die Gruppe der Raucher mit der der Nichtraucher verglichen wurden.

Die Auswertung ergab, dass Raucher ein um das 3,6-Fache erhöhtes Risiko für Nekrosen hatten. Das Risiko für eine verzögerte Wundheilung und eine Wunddehiszenz war um das 2-Fache erhöht, jenes für Wundheilungskomplikationen um das 2,27-Fache.

Selbst in den 20 anderen Studien der Metaanalyse mit knapp 41.000 Teilnehmern, in denen ehemalige Raucher mit Nichtrauchern verglichen wurden, war die Wahrscheinlichkeit für Wundheilungsstörungen nach der Op bei den ehemaligen Rauchern um das 1,3-Fache erhöht.

Rauchen kein isolierter Risikofaktor

Wie S¢rensen berichtet, ging es in den meisten Studien um Brustoperationen, etwa um Brustverkleinerungen oder um Brustaufbau nach einer Mastektomie. Im Vergleich zu Nichtraucherinnen hatten die Raucherinnen ein um das 4-Fache erhöhtes Risiko für Wundnekrosen.

Nur vier randomisierte kontrollierte Studien konnte S¢rensen in die Auswertung mit einbeziehen. Allerdings brachten sie im Vergleich zu einer anderen Metaanalyse widersprüchliche Ergebnisse, wenn es darum ging, den Effekt eines Rauchstopps in der Zeit vor und nach der Op zu analysieren.

Denn die Inzidenz von Heilungskomplikationen ließ sich in der aktuellen Metaanalyse dadurch nicht verringern. Sie erbrachte aber Hinweise, dass sich zumindest die Rate an Infektionen an der Stelle des chirurgischen Eingriffs reduzieren lässt, wenn Patienten mindestens vier Wochen vor der Op mit dem Rauchen aufhören.

In einem Kommentar meint der Ire Dr. Desmond C. Winter von der Universitätsklinik in Dublin, dass ihn die Ergebnisse der Metaanalyse nicht überraschten (Arch Surg. 2012; 147(4): 383).

Er stellte aber die Frage, ob Rauchen in der Metaanalyse eigentlich als isolierter Risikofaktor betrachtet werden könne. Und erinnerte daran, dass Raucher im Vergleich zu Nichtrauchern einen niedrigeren sozioökonomischen Status haben, eher Alkohol trinken und mehr Komorbiditäten haben.

Auch die ungenauen Angaben der Studienteilnehmer über ihre Rauchgewohnheiten würden das Ergebnis vieler Studien verfälschen. Pragmatischer sei es wohl, generell stärker als bisher Raucher dafür zu gewinnen, zu Nichtrauchern zu werden - nicht erst vor einer Operation.

Quelle: www.springermedizin.de

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