Ärzte Zeitung, 18.05.2012

Aktinische Keratose: Lokaltherapie angesagt

Die Zahl der Patienten mit aktinischen Keratosen steigt steil an. Viele dieser Patienten müssen allerdings nicht zum Dermatologen - im frühen Stadium können auch Hausärzte helfen.

Von Philipp Grätzel von Grätz

Aktinische Keratose: Lokaltherapie angesagt

Die aktinische Keratose tritt vor allem im Gesicht, an der Kopfhaut und an anderen stark sonnenexponierten Hautarealen auf.

© Arteria Photography

BERLIN. Die aktinische Keratose tritt vor allem im Gesicht, an der Kopfhaut, an den Handrücken und an anderen stark sonnenexponierten Hautarealen auf. Sie ist eine Präkanzerose für Spinaliome und Basaliome.

Dieser Übergang geschehe aber nicht von heute auf morgen, sagte die Dermatologin Professor Christiane Bayerl von den Dr. Horst Schmidt Kliniken in Wiesbaden. "Die aktinischen Keratosen brauchen etwa zwei Jahre, bevor sie umkippen", erläuterte Bayerl.

Dies gebe Hausärzten genug Zeit, Patienten mit frühen und weniger ausgeprägten Formen der aktinischen Keratose mit neueren Lokaltherapien selbst zu behandeln. An den Dermatologen überwiesen werde sollte allerdings dann, wenn der Patient berichtet, die Hautveränderungen schon zwei Jahre zu haben, riet Bayerl.

Ebenfalls eine Überweisungsindikation liege vor, wenn sich bereits ein Tumor aus dem Hautniveau erhebt. Beim Dermatologen erfolgt in dieser Konstellation dann unter dem Verdacht auf ein Spinaliom oder Basaliom eine histologische Abklärung.

Normale aktinische Keratose erfordert keine Histologie

Bei der normalen aktinischen Keratose sei dagegen zunächst keine Histologie nötig. Erst wenn sich der Befund nach zwei bis drei Monaten Lokaltherapie nicht bessere, sollte der Dermatologe konsultiert werden, der dann eine histologische Diagnostik veranlasse, sagte Bayerl beim Praxis Update 2012 in Berlin.

Wie aber sollte ein Hausarzt seine Patienten mit aktinischer Keratose konkret behandeln? Bayerl empfahl, die Therapieauswahl davon abhängig zu machen, wie ausgeprägt der Befund ist.

Bei einer flächigen aktinischen Keratose, einer sogenannten Feldkanzerisierung, empfiehlt die Expertin den Einsatz von 3 Prozent Diclofenac in Hyaluronsäure-Gel. Diese Formulierung ist als Fertigpräparat erhältlich.

"Das Gel wird zwei bis drei Monate lang morgens und abends aufgetragen", sagte die Dermatologin. Es führe bei konsequenter Therapie bei 40 bis 71 Prozent der Patienten zur Abheilung.

"Nach etwa vier Wochen beginnt die Haut, etwas stärker zu schuppen. Das ist ganz normal, und es sollte unbedingt weiter therapiert werden." Die Verträglichkeit des Diclofenac-Hyaluronsäure-Gels sei ansonsten ausgesprochen gut.

Bei Patienten mit vereinzelten oder einigen wenigen Läsionen empfiehlt die Dermatologin statt Diclofenac eher eine topische 0,5-prozentige 5-Fluorouracil-Zubereitung mit 10 Prozent Salicylsäure.

Therapie in randomisierter Studie geprüft

Auch dieses topische Zytostatikum ist als Fertigpräparat erhältlich. Es handelt sich um eine Art Lack, der einmal täglich mit einem Pinsel aufgetragen wird. Der Film muss am nächsten Tag mit der Hand abgelöst werden, bevor wieder neu behandelt wird.

In einer randomisierten, placebokontrollierten Studie wurde diese niedrig-dosierte 5-FU-Zubereitung mit Diclofenac-Hyaluronsäure-Gel und einem Lack ohne Wirkstoff verglichen (British Journal of Dermatology 2011; 165:1101-1108).

Nach acht Wochen wurde histologisch überprüft, bei welchen Patienten keine aktinischen Keratosen mehr vorlagen. In der Gruppe, die mit Placebo-Lack behandelt wurde, war das bei 44,8 Prozent der Patienten der Fall.

In den beiden anderen Gruppen waren es signifikant mehr, und zwar lediglich 59,1 Prozent bei Diclofenac-Therapie und 72 Prozent mit 5-FU. Im direkten Vergleich war die Anwendung von 5-FU/Salicylsäure der Behandlung mit Diclofenac/Hyaluronsäure signifikant überlegen.

Trotzdem sollten nicht alle Patienten von vornherein mit 5-FU behandelt werden, riet Bayerl. Bei ausgedehnten Feldkanzerisierungen sei die lokale Verträglichkeit von Diclofenac deutlich besser.

Dazu kommt, dass zumindest bei neu aufgetretenen aktinischen Keratosen kein Zeitdruck besteht, ein Wechsel auf das potentere Medikament also immer noch erfolgen kann.

Weitere konservative Behandlungsoptionen wie die topische photodynamische Therapie und die Applikation des TLR-7-Antagonisten Imiquimod seien Sache der Dermatologen, betonte Bayerl.

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