Ärzte Zeitung online, 01.08.2012

Narben

Das macht die Wulst platt

Was hilft Patienten mit hypertrophen Narben oder Keloiden? Aktuelle Leitlinien geben hier Tipps. Unter Umständen kann auch einmal die chirurgische Exzision der pathologischen Narbe angezeigt sein.

Was wulstige Narben platt macht

Narbe: Neue Leitlinien gegen Wülste.

© Kica Henk / fotolia.com

MÜNCHEN (BS). Es gibt viel zu tun: 30 bis 50 Prozent aller chirurgischen Patienten sind unzufrieden mit den Spuren, die der Eingriff auf ihrer Haut hinterlassen hat, schätzt Dr. Gerd Gauglitz aus München.

Zwar ist nicht jede unschöne Narbe eine pathologische Narbe: "In den meisten Fällen werden die Narben mit der Zeit immer unauffälliger. Eine Rötung bis zu acht Monate nach einer Operation kann physiologisch sein", sagte Gauglitz.

Aber bei einem "signifikanten Anteil" der Patienten komme es zu einer überschießenden Narbenbildung.

Die aktuellen Empfehlungen der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft zur Therapie von hypertrophen Narben und Keloiden sind dieses Jahr als S2-Leitlinie veröffentlicht worden (www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/013-030.html).

Bei der 23. Fortbildungswoche für praktische Dermatologie und Venerologie in München hat Gauglitz, der Mitautor der Leitlinien ist, die wichtigsten Aussagen zusammengefasst.

"Die besten Therapieerfolge lassen sich mit der Kombination mehrerer Verfahren erzielen", betonte Gauglitz. An erster Stelle wird in der Regel empfohlen, intraläsionale Injektionen eines Glukokortikoids, meistens Triamcinolonacetat (TAC), und eine Kryotherapie zu kombinieren.

Nach Erfahrung von Gauglitz lässt sich das Ergebnis weiter verbessern, wenn anschließend noch mit dem Farbstofflaser behandelt wird. Auch in der Leitlinie wird er als Option zur Erythemreduktion genannt.

Prophylaxe womöglich gleich postoperativ

Besonders bei großflächigen hypertrophen Narben und Keloiden wird eine Druckbehandlung empfohlen. Diese Therapie verlangt den Patienten allerdings einige Disziplin ab.

Die Kompression soll nämlich ganztägig und über einen Zeitraum von 6 bis 24 Monaten aufrechterhalten werden.

Die - streng intraläsionale - Anwendung von 5-Fluorouracil stellt in Deutschland eine Off-label-Therapie dar. Laut Leitlinie kann sie jedoch bei therapieresistenten Keloiden erwogen werden, sofern keine Kontraindikationen wie Anämie, Leukopenie, Thrombopenie oder Schwangerschaft bestehen.

Unter Umständen kann auch die chirurgische Exzision einer pathologischen Narbe angezeigt sein. Wenn die Narbe aber nicht unter Zugspannung steht oder stark entstellend ist, dann sollte dies wegen der verlängerten Reifungszeit von hypertrophen Narben nicht vor Ablauf eines Jahres passieren.

"Wichtig ist, die Patienten darüber aufzuklären, dass die Narbe etwas länger wird", so Gauglitz.

Bei Keloiden sollte eine Operation wegen des hohen Rezidivrisikos grundsätzlich nur mit einer Anschlusstherapie mit TAC, Druck, Radiatio oder Kryotherapie durchgeführt werden.

Zur Prophylaxe von überschießenden Narben kann bei prädisponierten Faktoren, etwa bei starker Hautpigmentierung oder positiver (Familien-)Anamnese, bereits postoperativ eine Druckbehandlung empfohlen werden.

Neu aufgenommen in die Leitlinie als Optionen zur postoperativen Prophylaxe sind Silikongele und Präparate mit Zwiebelextrakt.

[01.08.2012, 21:54:46]
Prof. Dr. Ludger Staib 
Technik oft entscheidend
Die genähte Hautwunde, die Sie in Ihrem Artikel abgebildet haben, ist ein Beispiel für unzureichende chirurgische Technik, mit einem Keloid hat das Bild nichts zu tun. Eine solche Hautexzisionsnarbe gehört mit feinen subkutanen Einzelknopfnähten adaptiert, um die Spannung zu reduzieren. Die Haut wird dann mit einer 4-0 oder 5-0 Intrakutannaht oder einer Rückstichnaht in Allgöwer-Technik verschlossen, nicht mit groben durchgreifenden Nähten wie im Bild.  zum Beitrag »

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