Donnerstag, 28. August 2014
Ärzte Zeitung, 13.12.2012

Wundheilung

Rauchstopp vor der Op?

Bringt es Vorteile für die Wundheilung, wenn Patienten im Vorfeld einer Op mit dem Rauchen aufhören? Und wenn ja, wie lange und wie viel? US-Kollegen haben jetzt die Literatur durchforstet - und präsentieren neue Empfehlungen.

Von Christine Starostzik

kippe-noe-A.jpg

Zwei Wochen vor und eine Woche nach einer Operation möglichst die Finger weg von den Zigaretten.

© Doruk Sikman / fotolia.com

SAN FRANCISCO. Obwohl zahlreiche Studien ein erhöhtes Risiko für postoperative Komplikationen und Wundheilungsstörungen bei Rauchern belegt haben, existieren bislang keine evidenzbasierten Empfehlungen zu einem Rauchstopp vor dermatologischen Eingriffen.

Wissenschaftler der Universität of California haben sich vor Kurzem einen Überblick über die Studienlage verschafft (J Am Acad Dermatol 2012; online 25. Oktober).

Ihr abschließendes Resümee: Möglichst zwei Wochen vor und eine Woche nach der Operation pausieren oder drosseln.

Verschiedene Effekte des Rauchens auf die Wundheilung konnten in Tierversuchen demonstriert werden: So kommt es in experimentellen Studien innerhalb von Minuten nach der Inhalation zu einer Vasokonstriktion, die den peripheren Blutfluss um 30 bis 40 Prozent verringert.

Über die Inhibierung von Prostacyclin steigert das Nikotin die Thrombozyten-Adhäsivität, was zu mikrovaskulären thrombotischen Verschlüssen und Ischämien im Gewebe führt.

Die Funktion von Endothelzellen und Fibroblasten, die Aktivität der NO-Synthase und die Synthese des vaskulären endothelialen Wachstumsfaktors (VEGF) werden gehemmt.

Zudem hat sich gezeigt, dass bei Rauchern zur Heilung notwendige Entzündungsprozesse, Wundkontraktion, Fibroblastenproliferation, Kollagensynthese und Vitamin-C-Spiegel verringert sind.

In Tierstudien war ein normaler Heilungsprozess der Haut möglich, wenn die Nikotinzufuhr mindestens zehn Tage vor einem geplanten Eingriff abgesetzt wurde.

Wundkomplikationen

Essentiell für eine gute Wundheilung in der ersten Woche nach dem Eingriff ist die adäquate Blutversorgung. Auch beim Anwachsen eines Transplantats sollten der Revaskularisierungsprozess und die Angiogenese ungestört verlaufen können.

Raucht der Patient gleich nach dem Eingriff wieder, sinkt die Sauerstoffspannung im Gewebe und der Epithelisierungsprozess der Wunde wird gestört. Die Folge können Dehiszenz und Nekrose sein, die Wundheilung verzögert sich und die Gefahr von Infektionen wächst.

Studien zeigen, dass Nichtraucher gegenüber Rauchern klare Vorteile haben, wenn sie sich einer diagnostischen Inzision, einer Stanz- oder einer Shave-Biopsie unterziehen.

Wundkomplikationen ergaben sich nur bei 12 Prozent der Nichtraucher, dagegen bei 63 Prozent der Raucher. Bei der Übertragung von Hautlappen und Vollhauttransplantaten fand sich zudem eine dosisabhängige Nekroseneigung.

Während eine Packung Zigaretten pro Tag das Risiko einer Nekrotisierung verdoppelte, stieg es bei Patienten, die zwei Packungen pro Tag rauchten, gegenüber Nichtrauchern auf das Sechsfache. Exraucher und Patienten, die weniger als eine Packung pro Tag rauchten, hatten dagegen ein ähnliches Risiko wie Nichtraucher.

Raucher über Risiken aufklären

Weniger als 2 Prozent aller Komplikationen, die bei ambulanten Operationen auftreten, entfallen auf dermatologische Eingriffe. Dennoch müssen Raucher über diese Risiken aufgeklärt werden.

Bisherige Empfehlungen für einen Rauchverzicht im Umfeld einer Operation reichen von einem Tag bis zu vier Wochen vor dem Eingriff und von fünf Tagen bis vier Wochen postoperativ. Die meisten plastischen Chirurgen empfehlen einen Rauchstopp drei bis vier Wochen vor der Operation.

Auf der Basis experimenteller Studien und klinischer Beobachtungsdaten scheint sich herauszukristallisieren, dass eine Rauchpause zwei Wochen vor und eine Woche nach einer Operation das Risiko einer Wundkomplikation verringert. Allerdings müssen die Empfehlungen an die Praxis angepasst werden.

Eine Untersuchung hat ergeben, dass die allermeisten Raucher ohnehin bis zur Operation nicht von ihrem Laster lassen können und mehr als die Hälfte bereits unmittelbar nach dem Eingriff schon wieder den ersten Glimmstengel ansteckt.

So ist es nach Ansicht der Autoren realistischer, starken Rauchern nicht den absoluten Rauchstopp zu verordnen, sondern eine Dosisreduktion auf weniger als eine Packung pro Tag oder eine Nikotinersatztherapie in diesem Zeitraum.

Für starke Raucher empfehlen die Autoren darüber hinaus eine Anpassung der Operationsmethode, um die ausreichende Blutversorgung zu gewährleisten.

|

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Top-Meldungen

Honorar-Einigung: 800 Millionen Euro mehr für Ärzte

Der Honorarpoker ist beendet: KBV und Kassen haben sich darauf geeinigt, dass Ärzte 2015 800 Millionen Euro mehr erhalten. Dieses Ergebnis schmeckt nicht jedem. mehr »

Infizierter WHO-Mitarbeiter: Ebola-Patient wird in Hamburg behandelt

Zum ersten Mal ist ein Ebola-Patient nach Deutschland gebracht worden. Ärzte des Hamburger UKE versuchen, das Leben des senegalesischen WHO-Mitarbeiters zu retten. mehr »

Hörschaden: Blauer Dunst schlägt auf die Ohren

Rauchen und auch Passivrauchen erhöhen anscheinend das Risiko für Hörschäden. Britische Forscher haben herausgefunden: Je mehr gequalmt wird, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich das Gehör verschlechtert. mehr »