Direkt zum Inhaltsbereich

Hautabszesse

Umdenken beim Wundverschluss?

Der Primärverschluss infizierter Wunden gilt allgemein als kontraindiziert. US-Mediziner wollten es genauer wissen - und haben sich die Heilungsraten primär verschlossener Hautabszesse genau angesehen.

Veröffentlicht:
Drück' mich.

Drück' mich.

© jeridu / iStockphoto

STONY BROOK. Der Primärverschluss infizierter Wunden gilt allgemein als kontraindiziert. US-Mediziner haben deswegen getestet, wie die Heilungsraten bei primär verschlossenen Hautabszessen ausfallen. Ein Unterschied zu sekundär heilenden Wunden war nicht zu erkennen.

56 Patienten, die sich mit lokalisierten Hautabszessen in den Ambulanzen je einer Klinik in Stony Brook, New York und in Washington, D. C., vorstellten, wurden randomisiert zwei Gruppen zugeordnet (Acad Emerg Med 2013; 20: 27).

29 erhielten nach Lokalanästhesie, Stichinzision, stumpfer Dissektion von Abszesstaschen und Spülung mit Kochsalzlösung einen primären Wundverschluss mit vertikalen Rückstichnähten.

Die Abszesse von 27 weiteren Patienten wurden gemäß den Prinzipien sekundärer Intention versorgt: Die Wunden wurden offen belassen und locker mit einem kurzen Mulldocht aus Jodoformgaze tamponiert.

69,6 Prozent der primär verschlossenen und 59,3 Prozent der Wunden mit Sekundärverschluss waren nach sieben Tagen abgeheilt, also vollständig geschlossen und reepithelialisiert.

In 30,4 Prozent hatte die primäre, in 28,6 Prozent die sekundäre Intention nicht zum Ziel geführt: Die Wundsituation hatte sich verschlechtert und weitere Interventionen erforderlich gemacht.

Zu beachten ist freilich, dass die Chirurgen sich die Studienteilnehmer sorgfältig ausgesucht hatten. Patienten, die Zeichen einer systemischen Infektion zeigten, wurden ebenso ausgeschlossen wie solche, die einen mehr als fünf Zentimeter breiten phlegmonösen Hof um den Abszess aufwiesen.

Diabetiker oder Patienten mit eingeschränkter Immunabwehr wurden ebenfalls ausgemustert. Die behandelten kutanen Abszesse waren überdies klein, mit einer medianen Fläche von fünf cm2.

"Unsere Studie zeigt, dass unter Ambulanzbedingungen die Heilungs- und Versagensraten nach Inzision und Drainage simpler Abszesse bei primärem und sekundärem Verschluss ähnlich ausfallen", schreiben die Autoren der Studie um Adam Singer von der Stony Brook University.

Beides komme infrage, je nach den Präferenzen von Patienten und Ärzten. Allerdings müssten künftige Studien mit größeren Fallzahlen und bei ausgedehnteren Abszessen weiter klären, welche Verschlussmethode überlegen ist. (rb)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Kasuistik

Lebensgefahr! Tattoo mit schockierenden Folgen

Das könnte Sie auch interessieren
Welche Rolle spielen Biofilme bei Therapieversagen und Rückfällen?

© robertprzybysz | iStock

Persistierende Onychomykosen

Welche Rolle spielen Biofilme bei Therapieversagen und Rückfällen?

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Chronisch rezidivierende Vulvovaginalmykosen

© Domepitipat | iStock

Lebensqualität zurückgewinnen

Chronisch rezidivierende Vulvovaginalmykosen

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Pityriasis versicolor

© iStock / C5C

Kleienpilzflechte im Sommer

Pityriasis versicolor sicher erkennen und gezielt behandeln

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Stirn

© Pedrojperez | iStock

Risiko Aktinische Keratose:

„Es ist nicht so, wie wir es jahrelang geglaubt haben.“

Anzeige | Biofrontera Pharma GmbH
Ärztin mit Patient

© FatCamera | iStock

Aktinische Keratose:

Die Therapieadhärenz ist entscheidend für den Behandlungserfolg

Anzeige | Biofrontera Pharma GmbH
Wange und Nase mit Akne

© Yuliya Shauerman | iStock

Ein Fall für zwei:

Monosubstanz gegen Akne vulgaris und Rosazea

Anzeige | Biofrontera Pharma GmbH
Kommentare
Dr. Thomas Georg Schätzler 30.01.201313:20 Uhr

„Sie haben Ihr Ziel erreicht!“ – Oder etwa nicht?

Das Autorenteam hatte sich ein Ziel gesetzt: Die Heilungsraten der konkurrierenden Therapiemethoden sollten um 40 Prozent differieren ["a 40% difference in wound healing was sought"]. Dass nach 7 Tagen vergleichbare Abheilungsraten sich nur um 10,3 Prozent unterschieden, ist umso erstaunlicher, weil eine Sekundärheilung bis zum Verschluss der Wundoberfläche oft länger dauert, als nach einer erfolgreichen Wundnaht ["Healing rates at 7 days were similar between the primary and secondary closure groups (69.6%, 95% confidence interval [CI] = 49.1% to 84.4% vs. 59.3%, 95% CI = 40.7% to 75.5%; difference 10.3%, 95% CI = -15.8% to 34.1%"].

Die Rate fehlgeschlagener Behandlungen mit Komplikationen war mit 30,4% vs. 28,6% bei beiden Therapieverfahren relativ hoch, bei einer marginalen Differenz von 1,8 Prozent ["Overall failure rates at 7 days were also similar between the primary and secondary closure groups (30.4%, 95% CI = 15.6% to 50.9% vs. 28.6%, 95% CI = 15.2% to 47.1%; difference 1.8%, 95% CI = -24.2% to 28.8%"].

Es handelte sich auch um selektionierte Patienten mit relativ kleinen Hautabszessen, und keines der beiden Behandlungsverfahren konnte im direkten Vergleich wirklich überzeugen ["Conclusions - The rates of wound healing and treatment failure following I&D of simple abscesses in the ED are similar after primary or secondary closure. The authors did not detect a difference of at least 40% in healing rates between primary and secondary closure"].

Die Behandlung mit Jodoformgaze (Wirkstoff Triiodomethan) ist in Deutschland wg. Jodallergieinduktion, Haut- und Wundreizung u. a. Risiken obsolet. Stattdessen werden prioritär Octenidin (Octenisept®), Polyhexanid (Lavasept®) und PVP-Jod empfohlen. Übrigens, Stony Brook University, New York, heißt nicht "Steinbruch-Universität", sondern "Universität am Steinigen Bachlauf".

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

Sonderberichte zum Thema
Esteban Roman Garcia hat einen modernen OP eingerichtet, mit allen erforderlichen Geräten, um effizientes Arbeiten zu ermöglichen.

© privat

Praxismanagement

Arzt und Unternehmer: Chirurg in Ostwestfalen auf Expansionskurs

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: dem Finanzdienstleister MLP SE, Wiesloch
 Abb. 1: Anwendung von Ruxolitinib-Creme bei mittelschwerer AD

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [1,8]

Ruxolitinib-Creme bei mittelschwerer AD

Topische steroidfreie Behandlungsoption bei atopischer Dermatitis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Incyte Biosciences Germany GmbH, München
Abb. 1: Pharmakokinetik von Rezafungin bei einer Dosierung von 400mg, gefolgt von 200mg einmal wöchentlich

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [10]

Invasive Candida-Infektionen

Modernes Echinocandin – optimierte Eigenschaften und klinische Vorteile

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Mundipharma Deutschland GmbH & Co. KG, Frankfurt/Main
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Spurenelemente

Zink und Testosteron: Wann ist eine Substitution sinnvoll?

Early-onset-Diabetes

Jeder zweite junge Erwachsene erreicht Diabetesremission

Lesetipps
Hände hallten Tablette in linker Hand und Glas Wasser in rechter Hand

© IQ-Photography / Generated with AI / Stock.adobe.com

Medikamentöse Adipositastherapie

Faktenckeck orales Semaglutid: Was es kann und wo der Haken ist