Ärzte Zeitung online, 19.12.2013

Verbrennungen

Kinder vor heißen Gefahren schützen

Für kleine Kinder können Lichter, Glühwein und Tee schnell gefährlich werden, wenn sie unbedacht danach greifen. Bei Säuglingen und Kleinkindern entstehen bereits bei Temperaturen von 45 Grad Celsius Verletzungen, die von Hautrötungen bis hin zu Verbrennungen zweiten Grades reichen.

LEIPZIG. Die größte Gefahr geht von leicht erreichbaren, heißen Flüssigkeiten aus, wird Dr. Margit Weißer in einer Mitteilung des Universitätsklinikums Leipzig zitiert. Sie arbeitet als Oberärztin in der dortigen Kinderchirurgie.

Bei Säuglingen und Kleinkindern entstehen bereits bei Temperaturen von 45 Grad Celsius Verletzungen, die von Hautrötungen bis hin zu Verbrennungen zweiten Grades reichen.

Am Universitätsklinikum Leipzig werden jedes Jahr etwa 150 Fälle von thermischen Verletzungen behandelt. 2013 mussten bislang 30 Kinder aufgrund der Schwere ihrer Verletzungen stationär aufgenommen werden - ein leichter Anstieg im Vergleich zu den Vorjahren.

Am häufigsten sind dabei Verbrühungen zweiten Grades, die beispielsweise durch heiße Flüssigkeiten verursacht wurden, seltener Grillunfälle, die Verbrennungen zweiten bis dritten Grades zur Folge haben.

Eltern über den Umgang mit Verbrennungen aufklären

Sind zwischen zehn und 20 Prozent der Körperoberfläche oder sogar noch mehr betroffen, das Gesicht oder die Hände verbrannt, ist ein Krankenhausaufenthalt meist unumgänglich, teilt die Uniklinik Leipzig mit. Deshalb sei vorausschauendes Handeln bei Erwachsenen so wichtig, damit es gar nicht erst zu schweren Unfällen dieser Art kommt.

Unabhängig von der Schwere gilt für alle thermischen Verletzungen: Zuerst wenige Minuten kühlen, anschließend mit körperwarmer Spülung (35 bis 37 Grad) isotherm halten. Auf gar keinen Fall sollte die Brandblase geöffnet oder die verbrannten Flächen mit fettiger Creme oder anderen "Hausmittelchen" bedeckt werden, da dies Infektionen begünstigen kann.

"Die Wunde sollte steril abgedeckt werden. Wer keine entsprechende Auflage zu Hause hat, kann ein frisch gebügeltes Taschentuch verwenden", erklärt Dr. Weißer. Bei schlimmeren Verletzungen sorgt ein Anruf beim Notdienst für schnelle Hilfe. "Bei nässenden oder blasenbildenden sowie bei großflächigen Verbrennungen sollte immer ein Arzt aufgesucht werden", so die Kindermedizinerin.

Gefahrenquellen absichern

Die meisten thermischen Verletzungen lassen sich vermeiden, weil sie fast immer vorhersehbar sind, sagt die Oberärztin. Da besonders Säuglinge und Kleinkinder gefährdet sind, sollte stets darauf geachtet werden, dass sie an Flammen oder heiße Flüssigkeiten nicht heranreichen können.

"Beispielsweise ist auch das Stromkabel eines Wasserkochers eine Gefahrenquelle, da das Gerät daran heruntergerissen werden kann. Vorsicht ist auch beim Kochen angebracht. Heißes Nudelwasser oder ähnliches kann ebenfalls schwere Verbrühungen verursachen, wenn Kinder nach dem Topf greifen", macht Dr. Weißer auf weitere Gefahrenquellen aufmerksam. (eb)

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