Ärzte Zeitung online, 31.01.2014

Männerhaut ist anders

Finger weg vom Cremetopf der Freundin!

Männer und Frauen sollten nicht die gleichen Pflegeprodukte verwenden, denn ihre Haut unterscheidet sich gravierend voneinander. Wie groß die Unterschiede zwischen den Geschlechtern auch in diesem Bereich sind, hat eine Studie der Universität Hamburg aufgedeckt.

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Nur für die Frau, nicht für den Gatten.

© thinkstock.com

HAMBURG. Im Kindesalter zeigen sich zunächst keine Unterschiede der Haut zwischen Jungen und Mädchen. Erst wenn in der Pubertät die Hormone ins Spiel kommen, machen sich geschlechtsspezifische Besonderheiten männlicher und weiblicher Haut bemerkbar. Auch die Anfälligkeit für Hauterkrankungen wie Akne, Rosacea oder seborrhoisches Ekzem kann dann unterschiedlich sein.

Diesen individuellen Bedürfnissen sollte nicht nur in der Therapie, sondern auch in der täglichen Pflege Rechnung getragen werden. Bislang ist die Studienlage zu den Geschlechtsunterschieden allerdings sehr widersprüchlich.

Um mehr Einblick in die geschlechtsspezifischen Eigenheiten der Haut zu gewinnen, untersuchten Dr. Stefanie Lübberding und Kollegen von der Universität Hamburg 300 gesunde Männer und Frauen kaukasischen Ursprungs zwischen 20 und 74 Jahren (International Journal of Cosmetic Science 2013: 1-7).

Jeweils 30 gleichgeschlechtliche Studienteilnehmer wurden einer von fünf Altersgruppen zugeordnet. Die Probanden der Hauttypen I bis IV waren frei von Hauterkrankungen und Behandlungen im Untersuchungsareal und hatten in der Vergangenheit keine häufigen Sonnenbrände. Alle Teilnehmer waren Nichtraucher und nahmen keine Hormonersatzpräparate ein.

Die Untersuchungen erfolgten mit etablierten biophysikalischen Messmethoden (Evaporimetrie, Corneometrie, Sebumetrie und Messung des Säuregrades mittels Haut-pH-Meter). Die deutlichsten Unterschiede zwischen Männer- und Frauenhaut zeigten sich beim Talggehalt sowie beim pH-Wert.

Größter Wasserverlust an der Hand

Der transepidermale Wasserverlust (Transepidermal Water Loss, TEWL) gilt als Maß für den Feuchtigkeitsgehalt und die Barrierefunktion der Haut. Die höchsten transepidermalen Wasserverluste wurden bei beiden Geschlechtern an der Hand ermittelt, die geringsten am Unterarm. Generell verliert die Haut von Frauen bis 50 offenbar signifikant mehr Feuchtigkeit als die von Männern, insbesondere im Gesicht und am Hals.

Allerdings verringern sich diese Unterschiede mit zunehmendem Alter. Möglicherweise, so die Autoren, wird diese Annäherung der Geschlechter durch hormonelle Veränderungen der Frau in der Menopause beeinflusst.

Ein hoher Feuchtigkeitsgehalt des Stratum corneum lässt die Haut zart erscheinen und schützt vor dem Eindringen schädlicher Stoffe. In der Hamburger Studie wurden auch bei der Hydratation des Stratum corneum (SC-Hydratation) Unterschiede zwischen den Geschlechtern nachgewiesen.

Entsprechend dem hohen Wasserverlust ist der Feuchtigkeitsgehalt im Stratum corneum der Hand bei beiden am niedrigsten, bei Männern aber noch ausgeprägter als bei Frauen. Die höchste SC-Hydratation dagegen fand sich an der weiblichen Wange und am Hals des Mannes. Bis zum Alter von 40 Jahren wurde bei Männern eine signifikant höhere Hydratation des SC gemessen als bei Frauen gleichen Alters.

Dieser Vorteil verändert sich aber ab den 50ern. Während der Wert bei den Frauen auch im Alter konstant bleibt oder sogar ansteigt, nimmt die Feuchtigkeit der Männerhaut mit den Jahren stark ab.

Talggehalt durch Androgene begünstigt

Die Talgproduktion der Haut wird überwiegend durch Androgene begünstigt, während Östrogene die Talgdrüsenfunktion herunterregulieren. So verwundert es nicht, dass bei den männlichen Studienteilnehmern zum Teil ein doppelt so hoher Talggehalt wie bei gleichaltrigen Frauen ermittelt wurde. Am deutlichsten war dieser Unterschied in allen Altersgruppen an der Wange und ab einem Alter von 50 Jahren auch an der Stirn erkennbar.

Während die Talgdrüsenaktivität der Männer im Alter stagniert oder weiter zunimmt, beginnt der Talggehalt von Frauenhaut ab 40 zu sinken. Offenbar leidet also nur die schützende Lipidproduktion in der weiblichen Haut unter dem Einfluss der abfallenden Geschlechtshormone im Alter.

Der saure pH-Wert der Hautoberfläche schafft nicht nur einen Säureschutzmantel etwa zur Abwehr potenzieller Infektionserreger.

Er dient unter anderem auch der Aktivierung von Enzymen zur Synthese epidermaler Lipide sowie der Normalisierung der Hornschichtbarriere nach einer chemischen oder mechanischen Schädigung. Zudem ist bei optimalem Haut-pH die Pufferkapazität gegenüber sauren oder alkalischen Einflüssen am größten.

An allen Messorten und über alle Altersgruppen hinweg lag der pH-Wert in der Hamburger Studie bei Männern unter 5. Bei den Frauen dagegen wurde an den meisten Stellen ein pH über 5 gemessen.

Dieser Umstand ist möglicherweise der vermehrten männlichen Talg- und Schweißproduktion und dem damit verbundenen stärkeren Einfluss freier Fettsäuren und Milchsäure auf die Haut zuzuschreiben.

Der höchste pH-Wert ergab sich an der Wange (Männer pH 4,78, Frauen 5,27), der niedrigste wurde bei den Frauen an der Stirn (pH 4,94) und bei den Männern an der Hand (pH 4,42) gemessen.

Mit zunehmendem Alter bewegten sich die Werte allerdings aufeinander zu. Während sich bei den Männern immer höhere Messwerte ergaben, wurde die Haut der Frau, insbesondere an Stirn, Wange und Hand immer säuerlicher. (St)

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