Ärzte Zeitung, 17.06.2014

Kohortenstudie

Wächst sich Neurodermitis doch nicht aus?

Viele Eltern Neurodermitis-kranker Kinder klammern sich an die gängige Lehrmeinung, die Symptome würden langsam von selbst wieder verschwinden.

PHILADELPHIA. Neurodermitis gilt als unheilbar, doch sollen die Symptome bis zum zwölften Lebensjahr meist merklich nachlassen oder gar völlig verschwinden. Dem widerspricht nun eine Kohortenstudie aus den USA mit mehr als 7000 Kindern.

Ausgewertet hatten die Dermatologen die Daten von 7157 Patienten, die an der landesweiten Pediatric Eczema Elective Registry-Studie teilgenommen hatten. Alle Kinder hatten ein mild bis moderat ausgeprägtes atopisches Ekzem.

Ihre Eltern oder sie selbst wurden zwei (n = 4248) bzw. fünf Jahre (n = 2416) lang alle sechs Monate zu Therapie und Hautzustand befragt. Das Alter der Kinder lag bei Studienbeginn zwischen zwei und 17 Jahren (im Mittel 7,4 Jahre). Erkrankt waren sie im Mittel mit 1,7 Jahren.

Jedes Kind war mindestens sechs Monate vor Studienaufnahme auf topische Medikamente angewiesen. Pimecrolimus verwendeten alle, Tacrolimus 13 Prozent und topische Steroide 61 Prozent (JAMA Dermatol. 2014; 150(6): 593-600).

Über alle Altersstufen hinweg litten bei jeder Erhebung über 80 Prozent der Probanden an Neurodermitis-Symptomen und/oder nutzten Medikamente. Von den Teilnehmern, die über fünf Jahre lang begleitet worden waren, war der Hautzustand bei mehr als der Hälfte (64 Prozent) niemals so stabil, dass auch ohne Therapie ein halbes Jahr keine Symptome mehr aufgetreten wären.

Zwar stieg mit dem Alter die Wahrscheinlichkeit, für eine therapie- und beschwerdefreie Phase, doch der Erfolg war nicht von Dauer und machte sich frühestens im Laufe der zweiten Lebensdekade bemerkbar. Von den 20-Jährigen konnte jeder Zweite über eine solche Phase berichten.

Die Symptome einer atopischen Dermatitis bleiben, so das Resümee der Studienautoren, offenbar weitaus länger bestehen als bislang angenommen. Während sich laut gängiger Lehrmeinung bei den meisten Kindern das atopische Ekzem bis zum zwölften Lebensjahr ausgewachsen haben soll, persistierten die Symptome in dieser Untersuchung bis zum 20. Lebensjahr und darüber hinaus.

Der Dermatologe Jacob Margolis von der Universität in Pennsylvania und seine Kollegen gehen davon aus, dass die meisten Kinder eher lebenslang mit Neurodermitis konfrontiert sein werden. Sie empfehlen daher, Patienten und ihre Eltern entsprechend aufzuklären und auf den schubweisen Verlauf des atopischen Ekzems hinzuweisen. (dk)

|

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Top-Meldungen

Gassen will den Gatekeeper vor Krankenhäusern

Ausschließlich ambulante Einrichtungen an Kliniken sollen nach dem Willen von KBV-Chef Andreas Gassen Patienten abfangen, die keiner stationären Behandlung bedürfen. mehr »

Wie gehen Ärzte mit vorinformierten Patienten richtig um?

Viele Mediziner reagieren ablehnend, wenn die Patienten nach Internetrecherchen mit Fragen zu ihnen kommen. Das ist der falsche Weg, so ein Praxisberater. Denn dies könne einer guten Compliance dienen. mehr »

Wie halten es die Deutschen mit dem Sonnenschutz?

Eine repräsentative Studie lässt aufhorchen: 7 von 10 jungen Deutschen haben mindestens einen Sonnenbrand pro Jahr. mehr »