Direkt zum Inhaltsbereich

Kohortenstudie

Wächst sich Neurodermitis doch nicht aus?

Viele Eltern Neurodermitis-kranker Kinder klammern sich an die gängige Lehrmeinung, die Symptome würden langsam von selbst wieder verschwinden.

Veröffentlicht:

PHILADELPHIA. Neurodermitis gilt als unheilbar, doch sollen die Symptome bis zum zwölften Lebensjahr meist merklich nachlassen oder gar völlig verschwinden. Dem widerspricht nun eine Kohortenstudie aus den USA mit mehr als 7000 Kindern.

Ausgewertet hatten die Dermatologen die Daten von 7157 Patienten, die an der landesweiten Pediatric Eczema Elective Registry-Studie teilgenommen hatten. Alle Kinder hatten ein mild bis moderat ausgeprägtes atopisches Ekzem.

Ihre Eltern oder sie selbst wurden zwei (n = 4248) bzw. fünf Jahre (n = 2416) lang alle sechs Monate zu Therapie und Hautzustand befragt. Das Alter der Kinder lag bei Studienbeginn zwischen zwei und 17 Jahren (im Mittel 7,4 Jahre). Erkrankt waren sie im Mittel mit 1,7 Jahren.

Jedes Kind war mindestens sechs Monate vor Studienaufnahme auf topische Medikamente angewiesen. Pimecrolimus verwendeten alle, Tacrolimus 13 Prozent und topische Steroide 61 Prozent (JAMA Dermatol. 2014; 150(6): 593-600).

Über alle Altersstufen hinweg litten bei jeder Erhebung über 80 Prozent der Probanden an Neurodermitis-Symptomen und/oder nutzten Medikamente. Von den Teilnehmern, die über fünf Jahre lang begleitet worden waren, war der Hautzustand bei mehr als der Hälfte (64 Prozent) niemals so stabil, dass auch ohne Therapie ein halbes Jahr keine Symptome mehr aufgetreten wären.

Zwar stieg mit dem Alter die Wahrscheinlichkeit, für eine therapie- und beschwerdefreie Phase, doch der Erfolg war nicht von Dauer und machte sich frühestens im Laufe der zweiten Lebensdekade bemerkbar. Von den 20-Jährigen konnte jeder Zweite über eine solche Phase berichten.

Die Symptome einer atopischen Dermatitis bleiben, so das Resümee der Studienautoren, offenbar weitaus länger bestehen als bislang angenommen. Während sich laut gängiger Lehrmeinung bei den meisten Kindern das atopische Ekzem bis zum zwölften Lebensjahr ausgewachsen haben soll, persistierten die Symptome in dieser Untersuchung bis zum 20. Lebensjahr und darüber hinaus.

Der Dermatologe Jacob Margolis von der Universität in Pennsylvania und seine Kollegen gehen davon aus, dass die meisten Kinder eher lebenslang mit Neurodermitis konfrontiert sein werden. Sie empfehlen daher, Patienten und ihre Eltern entsprechend aufzuklären und auf den schubweisen Verlauf des atopischen Ekzems hinzuweisen. (dk)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Topische oder systemische Therapie

Neue Behandlungsoptionen beim chronischen Handekzem

Expertenkonsens

Von Pemphigus bis SJS: Was tun gegen die Blasen im Mund?

Das könnte Sie auch interessieren
Vaginalmykosen neu denken: Pathogenese, Zyklus und Therapie

© piyato | iStock

Vaginalmykose im Fokus

Vaginalmykosen neu denken: Pathogenese, Zyklus und Therapie

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Intimhygiene: Was die vaginale Schleimhaut wirklich braucht

© iStock / okskukuruza

Vaginale Gesundheit

Intimhygiene: Was die vaginale Schleimhaut wirklich braucht

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Vorteile von Vamorolon

© Santhera Pharmaceuticals (Deutschland) GmbH, modifiziert nach [3−5, 6]

Duchenne-Muskeldystrophie (DMD)

Neue Perspektiven für die Versorgung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Santhera Pharmaceuticals (Deutschland) GmbH, München
Abb. 1: Verlauf des Rett-Syndroms

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Rett-Syndrom

Diagnose und Verlauf einer herausfordernden Erkrankung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Acadia Pharmaceuticals (Germany) GmbH, München
Abb. 1: Typische Körperumrisse bei Achondroplasie

© BioMarin

Achondroplasie

Gezielte Therapie: erste Lebensjahre sind entscheidend

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: BioMarin Deutschland GmbH, Frankfurt am Main
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Lukrative Vorhaltefinanzierung

Vergütung sektorenübergreifender Versorgungseinrichtungen beschlossen

Lesetipps
Viren schweben über Kot.

© Shawon / Generated with AI / Stock.adobe.com

Heimische Zoonosen

Wie Sie eine Hantavirus-Infektion erkennen