Ärzte Zeitung, 13.01.2015

Keloide

Kälte-Behandlung von innen bietet Vorteile

Keloide, die per Nadel von innen heraus tiefgekühlt werden, schrumpfen schneller und besser als bei Kontaktvereisung. Auch treten seltener Nebenwirkungen auf, fanden Forscher heraus.

Kälte-Behandlung von innen bietet Vorteile

Nicht immer läuft die Wundheilung nach Op perfekt. Bilden sich Keloide, können Betroffene von intraläsionaler Kryotherapie profitieren.

© Arkady Chubykin / fotolia.com

KAIRO. Die Überlegenheit der intraläsionalen Kryotherapie gegenüber der Kontakt-Methode bei der Behandlung von Keloiden konnte jetzt in einer Studie erneut unter Beweis gestellt werden.

Die Ergebnisse legen zudem nahe, dass die Gewebeschrumpfung zumindest teilweise durch eine verringerte Expression von VEGF und Tenascin C bedingt ist.

Die Kryotherapie zur Behandlung hypertropher Narben ist eine sichere und effektive Methode. Bei hartnäckigen Keloiden setzt man mehr und mehr auf die intraläsionale Behandlung. Dabei wird mit einer tiefgekühlten Nadel das Keloidgewebe von innen nach außen vereist.

Im Vergleich zur Oberflächenvereisung verspricht die Methode höhere Erfolgsquoten und weniger Pigmentstörungen. Forscher um Dr. Azza Abdel-Meguid von der Assiut-Universität in Ägypten haben jetzt die etablierte Kontaktmethode mit der intraläsionalen Kältebehandlung in einer Studie verglichen.

Analysiert wurden Ergebnisse von 23 Patienten mit 66 Keloiden, die mindestens ein Jahr lang bestanden hatten (Intern J Dermatol 2014; online28 November).

Wachstumsfaktoren analysiert

Die Dermatologen untersuchten die therapeutischen Erfolge der beiden Kältetherapien unter anderem anhand histopathologischer und immunhistochemischer Veränderungen.

Hierzu wurden vor der ersten und drei Wochen nach der zweiten Sitzung Stanzbiopsien entnommen und die Expression des Endothelwachstumsfaktors (Vascular Endothelial Growth Factor, VEGF) sowie von Tenascin C (TN-C) untersucht.

Bereits in früheren Studien war in Keloiden eine verstärkte Expression des VEGF und dessen Rolle bei der Keloidbildung nachgewiesen worden. In immunhistochemischen Analysen hatte sich zudem eine deutliche Expressionssteigerung des extrazellulären Matrixproteins TN-C gezeigt.

Im direkten Vergleich war die intraläsionale Kryotherapie der Kontaktmethode überlegen. Als ausgezeichneter Erfolg wurde eine Abflachung des Keloids um mehr als 75 Prozent gewertet.

Dieses optimale Ergebnis wurde bei 87 Prozent der Patienten mit intraläsionaler und 60 Prozent der Probanden mit Kontakt-Kryotherapie nach maximal sechs Therapiesitzungen erreicht.

Die Überlegenheit der intraläsionalen Methode wurde allerdings bereits nach den ersten beiden Behandlungen deutlich (ausgezeichnetes Ergebnis nach zwei Behandlungen: 61 vs. 23 Prozent).

Während die Therapieerfolge mit der Kontaktmethode mit der Keloidgröße nachließen, wurden diese mit der intraläsionalen Methode auch bei größeren Keloiden erreicht.

Ihre Vorteile bewies die intraläsionale Behandlung auch in Sachen Nebenwirkungen. Nach der Nadeltherapie klagten die Patienten über signifikant weniger Schmerzen und es kam seltener zu Blasenbildungen (100 vs. 16 Prozent).

Kontaktmethode für kleine Läsionen

Hypopigmentierungen breiteten sich nach kompletter Heilung mit der Kontaktkryotherapie über die ganze Auflagefläche aus, während sie sich nach Anwendung der intraläsionalen Methode vorwiegend auf die Ein- und Austrittsstellen der Nadel beschränkten.

Verglichen mit der VEGF- und Tenascin-C-Expression in normaler Haut waren diese Parameter vor der Behandlung im Keloidgewebe erhöht. Nach der zweiten Sitzung ließ sich eine signifikante Verringerung der Expression gegenüber dem Ausgangswert erkennen, nennenswerte Unterschiede zwischen den beiden Verfahren zeigten sich nicht.

Die Ergebnisse der Studie bestätigten erneut, so Abdel-Meguid und Kollegen, dass die Kontaktmethode nur bei kleineren Läsionen angewendet werden sollte, da der Tiefkühleffekt lediglich bis in eine Tiefe von 1-2 cm reiche. Größere Keloide dagegen könnten erfolgreich und sicher mit der intraläsionalen Kryotherapie behandelt werden. (St)

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