Ärzte Zeitung, 03.06.2015

Bei Kindern

Muss die Warze unbedingt weg?

Zwei Drittel aller Warzen bei Kindern verschwinden innerhalb von zwei Jahren - unabhängig davon, ob behandelt wird oder nicht. Forscher haben jetzt untersucht, ob man den Warzen also überhaupt zu Leibe rücken soll.

Von Christine Starostzik

BALTIMORE. Warzen bei Kindern sind häufig. Die Prävalenz liegt bei 5-10 Prozent. Bei immunkompetenten jungen Patienten gelten die kleinen benignen Hauttumoren allgemein als harmlos. Zudem neigen sie dazu, auch ohne Therapie innerhalb von Monaten oder Jahren wieder zu verschwinden.

Da Warzen dennoch zuweilen stören, begegnet man ihnen mit verschiedenen topischen Behandlungen und anderen lokalen Maßnahmen. Beweise über deren Wirksamkeit sind allerdings rar.

In einer retrospektiven Analyse haben Anne Kuwabara und Kollegen von der John Hopkins University in Baltimore jetzt an 214 Kindern zwischen 0 und 17 Jahren den Verlauf nach einer "Warzendiagnose" verfolgt und untersucht, welche Einflussfaktoren möglicherweise eine Rolle bei der Heilung gespielt hatten (Pediatric Dermatology 2015; online: 15. April). Dabei wurden die Eltern mehrfach per Telefon befragt.

Nebenwirkungen häufig

Bei rund 54 Prozent der Kinder waren die Warzen an den Händen, bei 28 Prozent im Kopf- und Halsbereich lokalisiert (insgesamt meist weniger als fünf Läsionen und jeweils nur in einer Körperregion). 95 Prozent der Patienten erhielten eine Therapie, am häufigsten wurden Salizylsäure, eine Kryotherapie oder eine Klebebandokklusion eingesetzt.

Nebenwirkungen wie Irritation, Schmerz und Narbenbildung waren dabei keine seltenen Ereignisse (13,6 Prozent).

Dass die jeweiligen Behandlungsmaßnahmen für das Verschwinden der Warzen verantwortlich waren, ist aus den Ergebnissen der Studie nicht erkennbar.

Bei 16 Prozent der behandelten Kinder waren die Warzen nach einem halben Jahr komplett abgeheilt, aber auch bei 36 Prozent der unbehandelten. Nach zwölf Monaten zeichnete sich ein Verhältnis von 39 Prozent versus 46 Prozent ab.

Insgesamt waren 65 Prozent der Kinder, unabhängig von einer Behandlung, spätestens nach zwei Jahren warzenfrei, 80 Prozent innerhalb von vier Jahren.

Bei der Analyse der Begleitumstände fiel auf, dass Warzen bei Kindern mit Infektionen in der Vorgeschichte (Odds Ratio, OR 1,8) oder mehreren befallenen Körperbereichen (OR 1,3) signifikant häufiger länger als zwei Jahre präsent waren.

Individuelle Entscheidung

In die Entscheidung für oder gegen eine Warzenbehandlung müssten Aspekte wie das Immunsystem des Patienten, die Harmlosigkeit der Erkrankung, der fragliche Erfolg einer Behandlung, mögliche Nebenwirkungen sowie die anfallenden Kosten einbezogen werden, so Kuwabara und Kollegen.

Aus den Ergebnissen ihrer Studie ziehen sie jedenfalls den Schluss, dass es sinnvoll sei, bei den meisten Kindern auf aggressive Maßnahmen zur Entfernung von Warzen zu verzichten und diese lieber zu beobachten.

Allerdings werde die Aussagekraft ihrer Studie, so die Autoren, unter anderem durch die kleine Patientenzahl ohne Behandlung sowie das gewählte Studiendesign in Form von Telefoninterviews limitiert.

In größeren kontrollierten Langzeitstudien sollten ihrer Meinung nach jetzt vor allem die Einflussfaktoren auf die Abheilung besser untersucht werden, um Kinder mit höherem Risiko für besonders lange Prozesse früh zu erkennen und gegebenenfalls zu behandeln.

Auch sollten Wirksamkeit und Sicherheit verschiedener Warzentherapien direkt miteinander verglichen werden.

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