Ärzte Zeitung, 13.10.2016

Neurodermitis

Erfolg mit Dupilumab

Ein Forscherteam hat den neuen Wirkstoff Dupilumab erfolgreich gegen Neurodermitis getestet.

MÜNCHEN. Unter anderem Hautärzte des Klinikums der Universität München um Professor Andreas Wollenberg haben ein neues Medikament gegen Neurodermitis getestet, teilt die Universitätsklinik mit. "Der neue Wirkstoff namens Dupilumab zeigt sehr schöne Effekte und verbessert auch die Lebensqualität der Patienten erheblich", wird Wollenberg in der Mitteilung zitiert.

Bei Neurodermitis-Patienten ist ein bestimmter Teil des Immunsystems überaktiviert – nämlich der TH2-Arm, der Infektionen mit Parasiten bekämpft.

Der TH-2-Arm unterliegt einem Fehlalarm und löst damit eine Dauer-Entzündung in der Haut aus. "Klassische" entzündungsbekämpfende Medikamente gegen Neurodermitis wie Kortison blockieren nicht nur den TH2-Arm, sondern alle Arme des Immunsystems – auch jene gegen Viren, Bakterien oder Krebszellen.

"Dupilumab hemmt ausschließlich den TH2-Arm, und genau so wollen wir es auch haben", so Wollenberg. Denn je selektiver ein Medikament wirkt, umso weniger Nebenwirkungen sind zu erwarten und desto besser verträglich ist eine Arznei.

An der neuen Studie nahmen fast 1400 Frauen und Männer mit mittelschwerer bis schwerer Neurodermitis teil (NEJM 2016; online 1. Oktober). Zwei Drittel der Patienten erhielt vier Monate lang Dupilumab in Form von Spritzen in den Bauch, die wöchentlich oder alle zwei Wochen gegeben wurden. Die restlichen Patienten erhielten Spritzen mit Placebo.

Dann hieß es für alle: Warten. Denn Dupilumab braucht vier bis sechs Wochen, ehe es seinen vollen Effekt entfaltet, heißt es in der Mitteilung. Mit der Zeit aber verschwanden zuerst die Hautekzeme, etwas später auch der Juckreiz bei einem Drittel der mit dem Wirkstoff behandelten Patienten völlig.

"Ein großer Erfolg", so Wollenberg. Der Effekt hält etwa drei Monate lang an. Auch bei den restlichen Patienten besserten sich die Symptome deutlich. Dabei zeigten sich in der Studie keine schweren Nebenwirkungen. Vereinzelt kam es zu leichten Infektionen.

"Wir werden höchstwahrscheinlich eine neue Alternative für die Behandlung unserer Patienten bekommen", sagt der Münchner Hautspezialist – auch wenn es in Deutschland noch eine weitere Studie braucht, bevor Dupilumab auf den Markt kommen kann. (eb)

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