Ärzte Zeitung, 14.12.2004

Niedermolekulares Heparin kann kurzfristig Warfarin ersetzen

Studie belegt Nutzen bei Patienten mit Herzklappen-Ersatz, bei denen orale Antikoagulation während einer Operation abgesetzt werden muß

HAMILTON (ner). Niedermolekulares Heparin (NMH) eignet sich zur Überbrückung, wenn die permanente orale Antikoagulation mit Cumarinen unterbrochen werden muß. Das kann etwa bei Patienten mit künstlichen Herzklappen der Fall sein, die sich einer Operation unterziehen müssen.

Die weitverbreitete Praxis, unfraktioniertes Heparin zur Überbrückung intravenös zu infundieren, wenn die orale Antikoagulation abgesetzt werden muß, sei umständlich, zumal viele invasive Eingriffe zunehmend ambulant vorgenommen werden könnten, so Dr. James D. Douketis von der McMaster University in Hamilton in Kanada (Arch Intern Med 164, 2004, 1319).

Douketis und seine Kollegen haben daher bei 650 Patienten mit künstlichen Herzklappen, chronischem Vorhofflimmern oder vorangegangenem Schlaganfall, die sich einer invasiven Untersuchung oder Operation unterziehen mußten, Dalteparin in einer Dosis von 100 IE/kg Körpergewicht zweimal täglich angewendet.

Dazu setzten sie das orale Antikoagulanz (Warfarin) je nach INR fünf bis sechs Tage vor der Intervention ab. Bei einem INR von 2,5 wurde die NMH-Therapie gestartet. Die letzte NMH-Dosis erhielten die Patienten zwölf Stunden vor dem Eingriff. Das postoperative Management war davon abhängig, ob der Eingriff mit einem hohen oder niedrigen Blutungsrisiko verbunden war.

Die Behandlung mit Warfarin wurde jeweils am Abend nach dem Eingriff wieder aufgenommen. Bei Patienten mit niedrigem Blutungsrisiko wurde zudem das NMH meist ab 24 Stunden nach dem Eingriff solange weiter verabreicht, bis der INR-Wert mindestens 2,0 betrug. Bestand ein hohes Blutungsrisiko, wurde postoperativ auf das NMH verzichtet.

Die Ergebnisse: Bei den 542 Patienten mit niedrigem Blutungsrisiko kam es unter der Therapie zu zwei Thrombembolien (0,4 Prozent), vier großen Blutungen (0,7 Prozent) und 32 starken Wundblutungen (5,9 Prozent). Bei den 108 Patienten mit hohem Blutungsrisiko starben zwei Patienten (1,8 Prozent) - wahrscheinlich aufgrund thrombembolischer Zwischenfälle - und es traten zwei starke Blutungen auf (1,8 Prozent).

Douketis und seine Mitarbeiter folgern aus diesen Studiendaten, daß mit NMH die Unterbrechung der oralen Antikoagulation gut überbrückt werden kann, da es selten zu Thrombembolien oder starken Blutungen komme.

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