Ärzte Zeitung, 15.03.2006

Jeder achte Gefäßkranke muß einmal pro Jahr in die Klinik

Hohe Rate an kardiovaskulären Ereignissen trotz guter Medikation / Erste Auswertung des REACH-Registers beim Herzkongreß vorgestellt

ATLANTA (gvg). Jeder achte Patient mit Atherosklerose oder mehr als zwei kardiovaskulären Risikofaktoren bekommt innerhalb eines Jahres ein kardiovaskuläres Ereignis. Je mehr Gefäßregionen betroffen sind, umso größer ist die Infarktgefahr.

Das sind die wichtigsten Ergebnisse der ersten Auswertung des REACH-Registers (Reduction of Atherothrombosis for continued health).

Die Daten wurden jetzt bei der Jahrestagung des American College of Cardiology (ACC) vorgestellt. An dem Register, das von den Unternehmen Sanofi-Aventis und Bristol Myers-Squibb unterstützt wird, nehmen, wie berichtet, etwa 68 000 ambulant betreute, zu Studienbeginn klinisch stabile Gefäßpatienten aus fast allen Teilen der Welt teil.

Um berücksichtigt zu werden, mußten die Patienten mindestens 45 Jahre alt sein. Sie mußten entweder eine bekannte Gefäßerkrankung (pAVK, koronare Herzerkrankung oder zerebrovaskuläre Erkrankung) haben oder aber mehr als zwei kardiovaskuläre Risikofaktoren.

Von diesen Personen starben innerhalb von zwölf Monaten 1,5 Prozent an einem kardiovaskulären Ereignis. 1,2 Prozent erlitten einen nicht-tödlichen Myokardinfarkt, 1,6 Prozent einen nicht-tödlichen Schlaganfall.

Wurden die Klinikeinweisungen wegen kardiovaskulärer Probleme mitgezählt, hatte insgesamt jeder achte Registerpatient im Beobachtungszeitraum ein schweres kardiovaskuläres Ereignis. "Die Ereignisrate korreliert dabei eng mit der Zahl der betroffenen Gefäßregionen", sagte Dr. Gabriel Steg vom Hôpital Bichat in Paris auf einer Veranstaltung beim ACC.

Von den Patienten, bei denen sowohl eine KHK als auch eine pAVK als auch eine zerebrovaskuläre Erkrankung bekannt war, hatten sogar 27 Prozent ein kardiovaskuläres Ereignis innerhalb von zwölf Monaten, sagte Steg.

Die Ergebnisse seien auch deswegen so beunruhigend, weil die medikamentöse Therapie bei den Patienten so schlecht nicht war, wie Steg betonte. Etwa die Hälfte nahm Betablocker, drei von vieren bekamen einen Hemmstoff des Renin-Angiotensin-Systems. Ähnlich viele nahmen Statine und Hemmstoffe der Thrombozytenaggregation, weit überwiegend ASS.

"Wir müssen aufhören, die Arteriosklerose nur aus der Perspektive einzelner Organe heraus zu betrachten", so Stegs Folgerung aus den Daten. Vor allem für Patienten, bei denen mehrere Gefäßregionen betroffen sind, seien verstärkte Anstrengungen in der Sekundärprävention nötig, sagte Steg.

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