Ärzte Zeitung, 10.04.2006

Neue Leitlinien zur Reanimation - jetzt geht es viel einfacher

Neuer Rhythmus 30 zu 2 / Bislang war nur jede zehnte Wiederbelebung erfolgreich

WÜRZBURG (cin). Seit wenigen Tagen gelten in Deutschland neue Reanimations-Leitlinien. Bei vermutetem Herzstillstand wird ohne Pulskontrolle direkt mit 30 Kompressionen zur Herzmassage begonnen, gefolgt von 2 Beatmungen. Liegt der Kreislaufstillstand länger als fünf Minuten zurück, folgt die Defibrillation erst auf die Basisreanimation.

Die Druckmassage wird jetzt ohne kompliziertes Druckpunktsuchen vom Helfer in der Mitte des Brustkorbs gemacht. Foto: imago/imagebroker/theissen

Bisher sind nur etwa zehn Prozent der Reanimationen erfolgreich verlaufen. Die neuen Maßnahmen sollen diese Quote erhöhen. Der Vorstand der Bundesärztekammer hat jetzt die neuen Eckpunkte der Reanimation - basierend auf den ERC (European Resuscitation Council)-Richtlinien - verabschiedet. Die Reanimation ist nun einfacher und leichter anwendbar.

Bei der Basisreanimation wurde die ABC-Regel (A: Atemwege freimachen, B: Beatmung, C: Herzmassage, Frühdefibrillation) verlassen. Es soll unmittelbar mit der kardiopulmonalen Reanimation begonnen werden. Denn die Pulskontrolle braucht zu viel Zeit.

Neu ist auch, daß die Beatmung jetzt erst nach der Herzmassage erfolgt. Für das Verhältnis gilt jetzt: 30 Herzmassagen zu zwei Beatmungen. Das gilt für Erwachsenen- und auch für Kinderreanimationen. Und: Statt den Druckpunkt aufwendig zu suchen, wird die Mitte des Brustkorbs komprimiert.

Ist man dabei, wenn jemand einen Kreislaufstillstand bekommt, wird sofort defibrilliert und direkt im Anschluß - ohne EKG- und Pulskontrolle - mit der Basisreanimation begonnen (fünf Zyklen à 30 zu 2).

Lesen Sie dazu auch den Hintergrund:
Bei der Reanimation gilt ab sofort: Zuerst 30mal das Herz massieren und dann zweimal beatmen

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