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Kipptisch-Therapie reduziert Synkopen

DRESDEN (tra /cin). Immer wieder sacken Menschen ohne Warnzeichen von einer Sekunde zur nächsten ohnmächtig zusammen - in der Warteschlange, beim Open-Air-Konzert oder beim Anblick von Blut. Für Patienten mit vasovagaler Synkope, denen bisher mit keiner Therapie geholfen werden konnte, ist die Kipptischbehandlung eine alternative Behandlung. Das haben Wissenschaftler der Technischen Universität in Dresden belegt.

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Die neurokardiogene (NKS) oder vasovagale Synkope ist eine orthostatische Dysregulation. Sie ist dadurch gekennzeichnet, daß es bei zunächst stabilen Kreislaufverhältnissen plötzlich zu einem Blutdruckabfall kommt. Die Herzfrequenz steigt dabei nicht kompensatorisch an, und die Patienten haben meist eine Bradykardie. NKS treten häufig nach längeren Stehphasen, emotional belastenden Ereignissen oder Schmerzen auf. Auslöser können auch Alltagssituationen, etwa Miktion oder auch das Spielen einer Trompete sein.

Kardiale Ursachen können Auslöser von Synkopen sein

"Wichtig ist, diese gutartige Ohnmacht von anderen Ohnmachten zu unterscheiden, die auch als Anzeichen lebensbedrohlicher Erkrankungen auftreten können" , erklärt Dr. Tjalf Ziemssen, Leiter des neuroendokrinologischen Labors der Uni Dresden. So können sich hinter einem Bewußtseinsverlust kardiale Ursachen wie etwa Herzrhythmusstörungen oder Herzschrittmacher-Dysfunktionen verbergen.

Auch nicht-kardiale Ursachen, zum Beispiel Hypoglykämie, Epilepsie oder Durchblutungsstörungen des Gehirns können Auslöser sein. Bei wiederholtem Auftreten von Synkopen ist daher eine differenzierte Diagnostik unerläßlich. Hierzu gehört etwa ein EKG.

Wird bei einem Patienten eine NKS diagnostiziert, sollte er zunächst über die Gutartigkeit der Erkrankung aufgeklärt werden. Schon das Vermeiden auslösender Faktoren, wie Hitze oder zu wenig Trinken, kann Synkopen verhindern. Patienten sollten zudem für Prodromalsymptome, etwa Schwindel, sensibilisiert werden. Kollegen können ihre Patienten zudem über Gegenmanöver, etwa Hinsetzen oder Stehen mit überkreuzten Beinen informieren. Medikamentös können etwa a1-Agonisten, Theophyllin, ß-Rezeptorenblocker oder Anticholinergika helfen.

Die Therapie beginnt mit einer Ruhephase von fünf Minuten

Haben Patienten mit NKS trotz der therapeutischen Maßnahmen Synkopen, kann ein Training auf dem Kipptisch helfen, sagt der Neurologe. Für die Therapie seien keine Ausschlußkriterien bekannt. Die Kipptischbehandlung beginnt mit einer Liegephase von fünf Minuten. Danach nimmt der Patient für zehn bis 20 Minuten eine stehende Position ein und wird im Anschluß zurückgelagert.

Die Abfolge wird zwei bis dreimal wiederholt. "Die Länge der Stehphase hängt davon ab, wie schnell Patienten Ohnmachtsgefühle entwickelt", sagt Ziemssen. Nach zehn Serien trete bei den meisten eine subjektive Besserung ein. Studiendaten liegen bisher noch nicht vor.

Warum die Kipptisch-Therapie wirkt ist nicht bekannt. Die Forscher vermuten, daß die Effekte auf Kreislauf- und psychologischem Training beruhen. Bis zu 400 Menschen betreut das Labor jährlich. "Etwa ein Prozent der Patienten erhalten eine Kipptisch-Therapie", sagt Ziemssen. Die Kassen übernähmen das Training allerdings nicht. "Wir bezahlen es aus unserem eigenen Budget."

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