Ärzte Zeitung, 09.05.2008

Herzfehler bei 6000 Kindern pro Jahr diagnostiziert

Nur wenige Fehlbildungen des Herzens werden vererbt

FRANKFURT AM MAIN (ars). Im Jahr 2006 wurden in hessischen Kliniken 587 Menschen wegen eines angeborenen Herzfehlers operiert. 40 Prozent der Patienten waren unter 15 Jahre alt.

Darauf hat die Techniker Krankenkasse in Frankfurt zum Tag des herzkranken Kindes am 5. Mai hingewiesen. Nochmals etwa die gleiche Zahl von Eingriffen wurde mit Herzkatheter vorgenommen. Allein im Kinderherzzentrum Gießen habe es im Jahr 2006 über 300 Kathetereingriffe gegeben, bei 166 davon wäre früher noch eine Herz-Lungen-Maschine notwendig gewesen, berichtete Professor Dietmar Schranz, Leiter des Kinder-Herz-Zentrums der Universität Gießen.

Herzfehler sind die häufigsten aller angeborenen Erkrankungen: Jährlich kommen in Deutschland etwa 6000 Kinder mit dieser Diagnose zur Welt. Zwei Drittel von ihnen müssen mindestens einmal am offenen Herzen operiert werden. Kinder, deren Herzfehler erfolgreich korrigiert wurde, könnten meistens ohne große Einschränkungen leben, sagte Schranz. 85 bis 90 Prozent dieser Patienten erreichen das Erwachsenenalter.

Fehlbildungen am Herzen bedeuten nicht unbedingt krank zu sein.

Angeborene Herzfehler betreffen häufig die Herzwände oder -klappen oder eines der großen Blutgefäße. Manchmal ist sogar nur eine Herzhälfte vorhanden. "Ein angeborener Herzfehler ist jedoch nicht prinzipiell mit herzkrank gleichzusetzen", sagte Schranz. Bei rechtzeitiger Diagnose und, falls notwendig, vorbeugender Behandlung lasse sich eine Folgeerkrankung meist verhindern.

Die häufigsten Herz- und Gefäßfehlbildungen entstehen bereits in den ersten Schwangerschaftswochen. Eine genaue Ursache ist aber meist nicht zuzuordnen, nur wenige der Fehlbildungen werden vererbt.

"Je früher ein Herzleiden diagnostiziert wird, desto besser stehen die Heilungschancen", so der Kinderkardiologe. Aber längst nicht alle Herzfehler werden vor der Geburt erkannt. Auch sind die Symptome bei Säuglingen meist nicht spezifisch für einen Herzfehler.

Für Eltern seien viele der mit dem Herz verbundenen Auffälligkeiten, wie vermehrtes Schwitzen und Trinkschwäche bei Säuglingen oder das Vermeiden von Belastung bei Kleinkindern, nicht leicht erkenn- und interpretierbar. Deswegen sei es unerlässlich, dass ein Arzt in regelmäßigen Abständen die Körperfunktionen des Kindes untersucht und dass zumindest einmal in der Kindheit der Blutdruck an Armen und Beinen verlässlich gemessen werde.

Die Techniker Krankenkasse rät deshalb, die regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen für Kinder (U 1 bis U 10) wahrzunehmen.

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