Ärzte Zeitung, 10.11.2008

Vorhofflimmern stellt Ärzte vor Probleme

Vorhofflimmern ist bei Gefäßerkrankungen häufiger als erwartet. Zugleich ist selbst bei hohem Schlaganfallrisiko ein Schutz durch Antikoagulation bei vielen Patienten nicht gegeben.

Besteht Vorhofflimmern? Mit Hilfe eines Langzeit-EKGs lässt sich das klären.

Foto: Klaro

Von Peter Overbeck

Zu diesem Ergebnis kommt eine internationale Forschergruppe in einer neuen Analyse von Daten des globalen REACH-Registers. In dieses von den Unternehmen Sanofi-Aventis und Bristol-Myers Squibb unterstützte Register sind weltweit mehr als 68 200 Personen mit manifester Gefäßerkrankung (koronar, zerebrovaskulär oder peripher) oder mindestens drei kardiovaskulären Risikofaktoren aufgenommen worden.

In der aktuellen Analyse, die Professor Shinya Goto beim Kongress der American Heart Association (AHA) in New Orleans vorgestellt hat, geht es speziell um die Prävalenz und prognostische Bedeutung von Vorhofflimmern bei dieser Risikopopulation. Mit 11,7 Prozent war die Prävalenz von Vorhofflimmern in der Gruppe der Patienten mit symptomatischer Gefäßerkrankung überraschend hoch, berichtete Goto. Auch in der kleineren Subgruppe mit bestehenden Risikofaktoren war die Rate mit 6,2 Prozent nicht gerade niedrig.

Eine Auswertung der Ein-Jahres-Daten ergab, dass die Inzidenz von kardiovaskulären Ereignissen in der Gruppe der 6814 Patienten mit Vorhofflimmern im Vergleich zu Patienten ohne Arrhythmie deutlich erhöht war: Das gilt für nicht-tödliche Schlaganfälle (2,4 versus 1,6 Prozent) und instabile Angina pectoris (6,0 versus 4,0 Prozent) wie auch für kardiovaskuläre Todesfälle (3,2 versus 1,4 Prozent).

Ein relativ hoher Anteil der Patienten wurde wegen der atherothrombotischen Gefäßerkrankung mit Plättchenhemmern behandelt. Dagegen war die Verordnungsquote für die bei Vorhofflimmern indizierte orale Antikoagulation eher niedrig: Selbst dann, wenn laut Risikoscore (CHADS2) ein hohes Schlaganfallrisiko bestand, erhielten maximal 60 Prozent eine entsprechende Prophylaxe mit einem Vitamin-K-Antagonisten.

Hier scheint ein Dilemma zu bestehen: Möglicherweise fürchten viele Ärzte das erhöhte Blutungsrisiko bei Kombination von Plättchenhemmern und Antikoagulation - und verzichten lieber auf die Antikoagulation. Andererseits belegen Studiendaten, dass Plättchenhemmung allein - selbst bei Kombination von ASS plus Clopidogrel - nicht so wirksam Schlaganfällen vorbeugt wie orale Antikoagulation. Zu Gunsten der Sicherheit also Abstriche an der Wirksamkeit? Die Frage, was bei vaskulär erkrankten Patienten mit Vorhofflimmern die optimale antithrombotische Therapie ist, muss möglichst bald in Studien geklärt werden, konstatierte Goto.

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