Direkt zum Inhaltsbereich

Kommentar

Eine gesalzene Kontroverse

Peter OverbeckVon Peter Overbeck Veröffentlicht:

Kochsalz gilt Gesundheitsexperten als Übeltäter. Zuviel davon im Essen erhöhe den Blutdruck und die Gefahr kardiovaskulärer Erkrankungen. Die WHO hat sich zum Ziel gesetzt, den Salzkonsum global zu verringern.

Diese Bemühungen werden jetzt durch eine Studie konterkariert, die überraschenderweise nicht hohen, sondern geringen Salzkonsum als kardiovaskulär bedenklich erscheinen lässt. Das wird die Verfechter einer Salzrestriktion auf die Barrikaden treiben. Schon werden erste wütende Stimmen laut, die die provokanten Studiendaten als Machwerk voreingenommener Wissenschaftler disqualifizieren.

Allerdings sollten diese Kritiker selbst besser nicht nach dem Motto verfahren, dass nicht sein kann, was nicht sein darf. Gewiss hat auch die neue Studie ihre Limitierungen. Die im Schnitt 40 Jahre alten Teilnehmer waren relativ jung, die Zahl der kardiovaskulären Todesfälle relativ niedrig.

Eine Studie, deren Evidenzstärke eine sofortige Kurskorrektur im Denken zwingend nötig macht, sieht anders aus. Dennoch sollte ihren Ergebnissen nicht mit Empörung oder Ignoranz begegnet werden: Vielleicht haben die Autoren ja Recht, dass nicht jeder beim Griff zum Salzstreuer gleich von Gewissensbissen geplagt sein muss.

Lesen Sie dazu auch den Hintergrund: Salz als Risiko: Provokante Studie stellt bisherige Sichtweise auf den Kopf

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Fettleibigkeit beginnt im Gehirn

Adipositas: Wechselspiel zwischen Genetik, Hirn und Mikrobiom

Sekundärprophylaxe nach Herzinfarkt

Therapie der kardiovaskulären Inflammation senkt das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: APONTIS PHARMA Deutschland GmbH & Co. KG
Das könnte Sie auch interessieren
Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

© Aleksandr | colourbox.de

Fatal verkannt

Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

© polkadot - stock.adobe.com

Vitamin-B12-Mangel

Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
B12-Mangel durch PPI & Metformin

© Pixel-Shot - stock.adobe.com

Achtung Vitamin-Falle

B12-Mangel durch PPI & Metformin

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
50 Jahre Jung-Preis

© Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung

50 Jahre Jung-Preis

Freiheit als Voraussetzung für medizinischen Fortschritt

Anzeige | Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung
Kommentare
Prof. Dr. Dieter Klaus 22.05.201111:34 Uhr

Zur Kochsalzkontroverse

Die Ergebnisse dieser relativ kleinen Bevölkerungsstudie sind sehr überraschend und widersprechen allen bisherigen, zum Teil wesentlich umfangreicheren und zeitlich längeren Studien. Auf methodische Mängel der Arbeit wie das niedrige Urinvolumen in der Niedrig-Kochsalzgruppe (was auf ein unvollständiges Sammeln des 24-Stunden-Urins hinweist) und die Auswahl relativ junger Patienten, bei denen nur geringe Sterberaten zu erwarten sind, lassen an der Wertigkeit der Studie zweifeln. Auch ist es paradox, dass in der Gruppe mit hoher Kochsalzaufnahme wie erwartet der Blutdruck innerhalb der folgenden 7 Jahre ansteigt, die kardiovaskuläre Mortalität aber niedriger ist als in der Gruppe mit niedriger Kochsalzaufnahme. Erfolge einer generellen Kochsalzrestriktion zeigen sich, wie Studien in den USA und Finnland zeigen, erst nach 10 und mehr Jahren. Die Erklärung der Autoren, dass die von Ihnen beobachtete Zunahme der kardiovaskulären Mortalität in der Gruppe mit niedriger Kochsalzaufnahme von 6 g/Tag durch eine Aktivierung des Sympathikus und des Renin-Angiotensin-Systems bedingt ist, kann nicht zutreffen, da diese in relevanten Ausmaß nur bei extrem niedriger Kochsalzaufnahme von 1g/Tag nachweisbar ist. Diuretika führen ebenfalls zu einem leichten Anstieg dieser Parameter, senken aber bei Hochdruckkranken in allen Studien die kardiovaskuläre Mortalität sehr deutlich. Ich halte nach wie vor eine generelle Senkung der Kochsalzaufnahme auf 6g/Tag durch Reduzierung des Kochsalzgehaltes von Lebensmitteln für eine einfache und kostensparende Maßnahme zur Prävention kardiovaskulärer Erkrankungen in der Gesamtbevölkerung. Wer sich näher mit dieser Frage befassen will, sei auf die Übersichtsarbeit im Deutschen Ärzteblatt (2010¸107 457-462) hingewiesen.
Prof.Dr.D.Klaus, Stuttgart. E-Mail:

Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Signalkaskade der kardiovaskulären Inflammation

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [9]

Sekundärprophylaxe nach Herzinfarkt

Therapie der kardiovaskulären Inflammation senkt das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: APONTIS PHARMA Deutschland GmbH & Co. KG

T2D-Therapie jetzt auch mit Semaglutid 2 mg

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novo Nordisk Pharma Gmbh, Mainz
Abb. 1: Empagliflozin reduzierte auch bei niedriger Ausgangs-eGFR die Progression der chronischen Nierenkrankheit (Test für Heterogenität/Trend: a) 12=0,06, p=0.81; b) 12=6,31, p=0,012)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [6]

Chronische Nierenkrankheit

SGLT2-Inhibition: Nephroprotektiv auch bei stark erniedrigter eGFR

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Ko KG, Ingelheim am Rhein
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Achtung vor RLS-Mimics

Restless-Legs-Syndrom: Mit 5 Kriterien zur Diagnose

Lesetipps
Eine auswahl frischer, unverarbeiteter Lebensmittel mit antioxidativen Wirkungen.

© bit24 - stock.adobe.com

Medizin aus dem Kochtopf

Wie Ernährung die altersbedingte Makuladegeneration beeinflusst

Cristiano Ronaldo schießt auf das Tor von Manuel Neuer.

© picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Matthias Hangst

Fußball-Weltmeisterschaft

WM-Kolumne: Spitzensport schützt – und hinterlässt Spuren