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Ruf nach flexibler Schwangerenvorsorge

Frauen können von Fortschritten bei der Früherkennung von Risikoschwangerschaften sowie der angemessenen Überwachung und Therapie stark profitieren. Dies erfordert aber oft ein angepasstes Schema der Vorsorge.

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BERLIN (gvg). Für eine stärkere Individualisierung der Schwangerenvorsorge haben Gynäkologen beim 25. Deutschen Kongress für Perinatale Medizin plädiert. Mit Hilfe von Anamnese, Ultraschall und Labordiagnostik können nämlich mittlerweile recht präzise Risikovorhersagen getroffen werden.

Bisher ist die Schwangerenvorsorge in Deutschland relativ eindimensional: Frauen kommen zunächst alle vier, ab der 32. SSW dann alle zwei Wochen zu Routineuntersuchungen.

Bei einer Reihe von Parametern muss ein erhöhtes Komplikationsrisiko in Betracht gezogen werden. Liegt einer dieser Parameter vor, gilt eine Schwangerschaft als Risikoschwangerschaft.

Scores berücksichtigen

"Mittlerweile wissen wir, dass dieses Konzept überdacht werden sollte", sagte Privatdozent Karl Kagan von der Frauenklinik der Universität Tübingen bei dem Kongress.

So gebe es zunehmend Daten, die zeigten, dass das individuelle Risiko etwa für eine Präeklampsie oder auch einen Gestationsdiabetes, eine Muttermundschwäche oder eine intrauterine Wachstumsretardierung teilweise schon in der 12. bis 14. SSW mithilfe multidimensionaler Scores zumindest abgeschätzt werden könne.

Anhand solcher Scores, die Blutwerte, Ultraschallparameter und die Eigen- beziehungsweise Familienanamnese berücksichtigen, könnte im Prinzip schon im ersten Trimenon ein individualisiertes Vorsorgeschema festgelegt werden.

Es würde der jeweiligen Schwangeren unter Umständen gerechter werden als ein pauschales Vorgehen. Wie das konkret aussehen kann, machte Kagan bei dem Kongress anhand des Beispiels Präeklampsie deutlich.

Vorhersage von Präeklampsien

Dabei sei eine relativ präzise Risikoabschätzung durch eine Kombination bekannter und neuer Biomarker möglich. Dazu zählen BMI und Familienanamnese, Blutdruck der Schwangeren, die im Ultraschall darstellbare Durchblutung der uterinen Gefäße sowie der Serumparameter PAP A und der Placenta-Wachstumsfaktor PLGF.

In ersten Studien zu solchen Kombinationsscores konnte gezeigt werden, dass sich schwer verlaufende Präeklampsien schon in der 12. bis 13. SSW mit einer Sicherheit von 85 bis 90 Prozent vorhersagen lassen, wenn fünf Prozent falsch-positive Vorhersagen akzeptiert würden, betonte Kagan.

Im Falle der Präeklampsie könnte eine frühe Risikoabschätzung sogar therapeutische Konsequenzen haben: "Eine niedrig dosierte ASS-Therapie kann die Häufigkeit schwerer Präeklampsien deutlich senken", so der Experte.

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