Ärzte Zeitung, 16.12.2011

Marathon - Gift für den rechten Ventrikel?

Intensive Ausdauerbelastung kann zu - meist passageren - Veränderungen am Herzen führen. Schwerstarbeit scheint dabei der rechte Ventrikel leisten zu müssen, der bislang wenig beachtet wurde. Hier fanden sich in einer Studie bei Extremsportlern auch Hinweise auf eine mögliche Entwicklung von dauerhaften Herzschäden.

Marathon - Gift für den rechten Ventrikel?

Marathonlaufen wird immer beliebter, aber welche Auswirkung hat eine extreme Ausdauerbelastung auf das Herzgewebe?

© Mikael Damkier / Fotolia.com

LEUVEN (ob). Birgt intensiver Ausdauersport wie das stetig an Beliebtheit gewinnende Marathonlaufen kardiale Risiken? Sportmedizinische Forscherteams widmen sich inzwischen mit Hingabe der Suche nach Antworten darauf.

Die derzeitige Bilanz: Erschöpfende Ausdauerbelastungen können zwar Veränderungen wie eine Einschränkung funktioneller Parameter oder einen Anstieg kardialer Markerproteine (Troponin, BNP) zur Folge haben - diese Veränderungen verschwinden aber zumindest bei herzgesunden Sportlern nach einer gewissen Erholungszeit in aller Regel folgenlos.

Als völlig unbedenklich will eine australisch-belgische Forschergruppe um Dr. André La Gerche die extreme Ausdauerbelastung des Körpers angesichts ihrer Studienergebnisse dennoch nicht verstanden wissen.

Die Gruppe hat 40 bestens trainierte Ausdauerathleten, die zum wiederholten Mal an einem Marathon, Triathlon oder Ultra-Triathlon teilnehmen wollten, in eine Studie aufgenommen (Eur Heart J 2011, online).

Marker nach dem Sport erhöht

Vor und unmittelbar nach dem Wettbewerb sowie nochmals eine Woche später wurden bei ihnen eine echokardiografische Herzuntersuchung vorgenommen sowie die kardialen Marker BNP und Troponin I bestimmt.

Das Interesse der Forscher galt dabei vor allem dem rechten Ventrikel, der nach ihrer Ansicht größerem "hämodynamischem Stress" ausgesetzt ist als der linke Ventrikel.

Ergebnis: Unmittelbar nach dem Wettbewerb waren bei den Athleten eine Abnahme der rechtsventrikulären Ejektionsfraktion und eine Zunahme des Ventrikelvolumens als Zeichen einer Rechtsherzbelastung echokardiografisch nachweisbar.

Gleichzeitig waren die Spiegel beider kardialen Marker erhöht, wobei deren Anstieg mit der Reduktion der rechtsventrikulären Auswurffraktion, nicht aber mit der linksventrikulären Auswurffraktion korrelierte. Nach einer Woche zeigte sich die rechtsventrikuläre Funktion wieder weitgehend erholt.

Keine abschließende Beurteilung

So weit, so gut. Zu denken geben den Forschern allerdings Ergebnisse einer bei den Teilnehmern vorgenommenen Kernspintomografie.

Hier wurde bei fünf Athleten eine myokardiale Kontrastmittelanreicherung (late enhancement) als Zeichen einer abgelaufenen, im interventrikulären Septum lokalisierten Fibrose beobachtet.

Und diese fünf zählten zu jenen Teilnehmern, die mit die höchste Zahl an absolvierten Wettbewerben und dementsprechend die höchste summierte Ausdauerbelastung vorzuweisen hatten.

Noch ist unklar, wie diese Veränderungen zu beurteilen sind. Darin ein Substrat für die Entwicklung von kardialen Arrhythmien zu sehen, wäre nach Ansicht der Autoren verfrüht.

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