Ärzte Zeitung online, 03.01.2012

Homografts als Hoffnungsträger

Homografts sind menschliche Herzklappen, die so aufbereitet werden, dass nur das Kollagengerüst bleibt. Vieles spricht dafür, dass sie nach einer Transplantation mitwachsen. Eine Studie zu Homografts startet jetzt in Hannover.

HANNOVER (eb). Eine Herzklappe zu transplantieren, die nicht abgestoßen wird, ein Leben lang hält und bei Kindern sogar mitwächst: Diesem Ziel widmet sich die Studie "European clinical study for the application of regenerative heart valves", kurz ESPOIR.

Sie wurde pünktlich zum Jahresbeginn am 1. Januar 2012 unter Leitung der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) gestartet, teilt die MHH mit. Die Europäische Union (EU) unterstützt das Vorhaben mit 5,2 Millionen Euro für vier Jahre.

Derzeit transplantieren Mediziner bei bestimmten Herzleiden mechanische oder biologische Herzklappen. Mechanische Klappen erfordern eine dauerhafte Blutverdünnung, was vor allem bei Kindern und Schwangeren gefährlich ist.

Reoperationen werden von Mal zu Mal gefährlicher

Deswegen verwenden Ärzte bei ihnen menschliche oder tierische Herzklappen. Diese degenerieren jedoch nach etwa acht bis zehn Jahren und machen eine erneute Transplantation erforderlich.

Solche Reoperationen werden von Mal zu Mal gefährlicher, und das Risiko zu sterben erhöht sich proportional zu der Zahl wiederholter Eingriffe, erinnert die MHH in der Mitteilung.

Um diesem Problem zu begegnen, verwende das Team um Professor Axel Haverich, Leiter der MHH-Klinik für Herz-, Thorax-, Transplantations- und Gefäßchirurgie und Koordinator von ESPOIR, bei dieser neuen Studie sogenannte dezellularisierte Homografts.

Dies sind menschliche Spender-Herzklappen, deren Zellen in Speziallabors entfernt werden, so dass nur noch das Gerüst aus der Stützsubstanz Kollagen bleibt.

"Bisher wurde keine Klappe abgestoßen"

Solche Homografts haben die Chirurgen im Laufe der vergangenen drei Jahre bereits erfolgreich 47 Kindern und Jugendlichen an der MHH implantiert.

"Bisher wurde keine Klappe abgestoßen und es musste noch kein Patient reoperiert werden", wird Haverich in der Mitteilung der MHH zitiert.

Und weiter: "Es spricht vieles dafür, dass diese Herzklappen wesentlich länger halten als bisherige Klappen, die nicht dezellularisiert wurden - und dafür, dass sie sogar mitwachsen. Das lässt uns optimistisch in die Zukunft schauen." Das will sein Team in dieser Studie belegen.

In der Studie werden Pulmonalklappen ersetzt

Die Studie bezieht sich zunächst auf die Pulmonalklappe. In Deutschland benötigen jedes Jahr 300 bis 400 Kinder, Jugendliche und Erwachsene eine neue Pulmonalklappe.

An der Studie nehmen außer der MHH sieben große europäische Kinderherzzentren teil. Insgesamt werden 200 Patienten behandelt. Die menschlichen Spenderklappen erhalten sie nach Angaben der MHH aus Gewebespenden im Rahmen dieser klinischen Studie von zwei gemeinnützigen Einrichtungen: der Deutschen Gesellschaft für Gewebetransplantation und der European Homograft Bank.

Corlife, eine MHH-Ausgründung, prozessiert die Spenderklappen. Die Leibniz Universität Hannover kümmert sich um Administration und Organisation der Studie.

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