Direkt zum Inhaltsbereich

Immer mehr Menschen mit Vorhofflimmern

Den Bürgern ein gesundes Altern zu ermöglichen ist Ziel der europäischen Gesundheitspolitik . Zum "Active and Healthy Aging" gehört auch die Prävention von Schlag anfällen. Das Europäische Parlament hat daher Ende 2011 die "Arbeitsgruppe Vorhofflimmern" ins Leben gerufen.

Von Michaela Barlach Veröffentlicht:
Bei Vorhofflimmern gilt es auch das Schlaganfallrisiko zu beachten.

Bei Vorhofflimmern gilt es auch das Schlaganfallrisiko zu beachten.

© emeraldphoto / fotolia.com

NEU-ISENBURG. Insgesamt 44 Milliarden Euro werden in der Europä ischen Union jedes Jahr für Patienten mit der Diagnose Schlaganfall aus gegeben - Tendenz steigend.

Das sind Schätzungen der britischen Patientenorganisation Atrial Fibrillation Association (AFA).

Doch ganz genaue Daten liegen derzeit nicht vor. Mindestens ein Drittel der Schlaganfälle sind bedingt durch Vorhofflimmern.

Licht ins Dunkel bringen

Eine "Arbeitsgruppe Vorhofflimmern" hat sich deshalb Ende November auf europäischer Ebene konstituiert, um Licht in dieses Dunkel zu bringen. Leiter dieser "Task Force AFib" ist der Europa parlamentarier und Arzt Christian Busoi aus Rumänien.

Weitere Gründungsmitglieder sind Professor Karl-Heinz Kuck aus Hamburg, Präsident der European Heart Rhythm Association : "Das Besondere unserer Arbeitsgruppe ist, dass sie von einem Europaparlamentarier geleitet wird.

Christian Busoi übernimmt nicht nur die Schirmherrschaft, sondern er arbeitet als Politiker aktiv mit", sagte Kuck im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung ".

Erstes Ziel dieser neuen Initiative: "Wir möchten mit einer europaweiten Umfrage Licht in die Versorgungssituation der Patienten mit Vorhofflimmern bringen."

Mit den einzelnen Fachgesellschaften wird deshalb in nächster Zeit ein Frage bogen erarbeitet, der die Versorgungssituation in Europa erfasst.

"Ein bis zwei Leute werden speziell für die Datenerhebung und -auswertung in jedem europäischen Land verantwortlich sein", erläuterte Kuck.

Es gibt kaum ein Gebiet in der Medizin, das so gute Resultate aus wissenschaftlichen Studien vorweisen kann, wie die Therapie beim Vorhof flimmern.

Nur hapert es an deren Umsetzung. Einige Beispiele hierzu: In der CRYSTAL -AF-Studie (Study of Continuous Cardiac Monitoring to Assess Atrial Fibrillation After Cryptogenic Stroke) wird derzeit weltweit in 45 neurologischen Zentren untersucht, ob auch die sogenannten kryptischen Schlaganfälle, also Schlaganfälle, für die die Neurologen bisher keine Ursache fanden, auf Vorhofflimmern zurückzuführen sind.

Jeder zweite Schlaganfall durch Vorhofflimmern?

Sollte sich diese Vermutung bestätigen, gingen weitere 20 Prozent der Schlaganfallursachen auf das Konto des Vorhofflimmerns. Das würde bedeuten, dass sogar jeder zweite Schlaganfall durch Vorhofflimmern bedingt ist.

Auch die Schwere eines Schlaganfalls hängt von dessen Ursachen ab: Eine Subanalyse der Framingham-Studie, die H. J. Lin et al. in der Zeitschrift Stroke (1996, 27: 1760-1764) publiziert haben, ergab, dass Schlaganfälle, die durch Vorhofflimmern bedingt sind, folgenschwerer sind als die, die andere Ursachen haben.

Der Grund: Thromben, die im linken Vorhofohr entstehen, sind viel größer als solche, die sich in der Carotis ausbilden.

Hier Genaueres zu wissen, ist für die Versorgung entscheidend. Beim durch Vorhofflimmern bedingten Schlaganfall sind nicht nur die Kosten ein Problem, sondern auch die Schwere der Behinderung.

Ein weiteres Problem ist die vaskuläre Demenz: Patienten mit Vorhofflimmern werden gehäuft demenzkrank, wie T. J. Bunch in der Zeitschrift Heart Rhythm 2010 (7: 433-437) darlegte - alles Gründe, Vorhofflimmern als europäisches Problem ernst zu nehmen.

Lesen Sie dazu auch das Interview: "70 Prozent der Schlaganfälle verhindern wäre kostenneutral"

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Schutzmechanismus entdeckt?

Warum Krebs im Herzen selten vorkommt

Koronare Herzkrankheit

Was es bringt, bei KHK routinemäßig auf Niereninsuffizienz zu screenen

Das könnte Sie auch interessieren
50 Jahre Jung-Preis

© Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung

50 Jahre Jung-Preis

Freiheit als Voraussetzung für medizinischen Fortschritt

Anzeige | Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Studien CLIMB THAL-111 und -131: Veränderung des Gesamt-Hb-Werts und des HbF-Werts nach Exa-cel-Infusion bei TDT-Patientinnen und -Patienten (Quelle: Locatelli F et al., European Society for Blood and Marrow Transplantation (EBMT) 2026, Madrid, Spanien, Abstract GS2-5)

© Springer Medizin Verlag

Neue Perspektiven bei Hämoglobinopathien

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Vertex Pharmaceuticals (Germany) GmbH, München
Abb. 1: WAYPOINT-Studie: schnelle und signifikante Reduktion des SNOT-22-Scores über 52 Wochen

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [6]

Schwere, unkontrollierte CRSwNP

Wirkansatz an epithelialen Alarminen

Sonderbericht | Beauftragt und finanziert durch: AstraZeneca GmbH, Hamburg
Abb. 1: Signalkaskade der kardiovaskulären Inflammation

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [9]

Sekundärprophylaxe nach Herzinfarkt

Therapie der kardiovaskulären Inflammation senkt das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: APONTIS PHARMA Deutschland GmbH & Co. KG
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Hormone, Schwangerschaft, Wechseljahre

Warum ein Diabetes Frauen anders trifft als Männer

Lesetipps
Ein Blick in die aktuelle Isolationsstudie SOLIS100, die in Zusammenarbeit mit der ESA durchgeführt wird. Sechs Personen sind für 100 Tage in einem Raum isoliert ohne Kontakt nach außen bis auf terminierte Mission-Controll-Telefonate und 30 Minuten Kontakt zu Freunden und Familie pro Woche über Telefon/Videoanruf.

© DLR

Raumfahrtmediziner im Porträt

Jens Jordan – ein Arzt für Weltall und Erde

Dreidimensionale gerenderte Darstellung der Anatomie des menschlichen Herzens.

© PIC4U / stock.adobe.com

Schutzmechanismus entdeckt?

Warum Krebs im Herzen selten vorkommt