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Ärzte Zeitung online, 09.11.2012

Herztod-Prophylaxe

Nutzen von ICD unterschätzt

Mit implantierbaren Defibrillatoren lassen sich anscheinend weitaus mehr Todesfälle verhindern, als bisher schon möglich. Dazu bedarf es keiner Entwicklung neuer Super-ICDs - eine einfache Umprogrammierung der Geräte reicht schon aus.

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ICD: Noch mehr Nutzen möglich.

© BVMed-Bilderpool

LOS ANGELES. ICDs sind Lebensretter. Diese implantierten Geräte sind in der Lage, lebensbedrohliche ventrikuläre Tachyarrhythmien wahrzunehmen und durch eine therapeutische ICD-Aktivierung - antitachykardes Pacing (ATP) oder Abgabe von Schocks hoher Energie - zu terminieren.

Eine Reduktion der Mortalität durch ICD-Therapie ist in mehreren Studien dokumentiert worden.

Ein Problem ist allerdings nach wie vor die sogenannte unangemessene ICD-Aktivierung, die für Patienten sehr belastend sein kann.

Trotz ausgeklügelter Detektionsalgorithmen zur Differenzierung von Arrhythmien sind es vor allem auftretende supraventrikuläre Tachyarrhythmien, die häufig unnötigerweise die ATP- oder Schockfunktion des ICD aktivieren.

Eine Arbeitsgruppe um den ICD-Experten Professor Arthur Moss aus Rochester hat deshalb in einer großen Studie den Versuch unternommen, dem Problem der unangemessenen ICD-Therapie durch eine modifizierte ICD-Programmierung beizukommen.

Zwei neue Programmier-Algorithmen wurden mit der konventionellen ICD-Programmierung verglichen.

Moss hat die Ergebnisse der MADIT-RIT benannten Studie jetzt beim AHA-Kongress in Los Angeles vorgestellt. Sie sind zeitgleich vom "New England Journal of Medicine" online publiziert worden (NEJM 2012; online 6. November).

Neue Programmierung macht ICD toleranter

Im Vergleich zur klassischen Programmierung erlaubten es die neuen Algorithmen dem ICD, bestimmte ventrikuläre Tachyarrhythmien zu ignorieren.

Zum einen wurde die Schwelle für die Tachyarrhythmie-Frequenz, ab der eine therapeutische ICD-Aktivierung erfolgen sollte, auf 200 Schläge pro Minute hochgesetzt (statt bisher 170 Schläge) .

Zum anderen wurde die Dauer der Verzögerung bis zur ICD-Aktivierung von bisher 2,5 auf 60 Sekunden verlängert (bei Tachsarrhythmien von 170 -199 Schlägen pro Minute). Der potenzielle Vorteil: Spontan terminierende Arrhythmien würden dann zu keiner Therapieaktivierung mehr führen.

An der Studie nahmen 1500 Patienten teil, bei denen aus primärprophylaktischen Gründen ein ICD oder ein CRT-Gerät mit ICD-Funktion implantiert worden war.

Sie wurden auf drei Gruppen mit jeweils unterschiedlicher ICD-Programmierung aufgeteilt. Die Beobachtungsdauer betrug im Schnitt 1,4 Jahre.

Im Vergleich zu konventionellen ICDs führten beide mit den neuen Algorithmen programmierten ICDs zu einer drastischen Reduktion von nicht adäquaten ICD-Aktivierungen, wobei vor allem die Zahl unangemessener ATP-Aktivierung verringert wurde.

Bei den ICDs mit höherer Frequenzschwelle betrug die Reduktion knapp 79 Prozent, bei den ICDs mit verzögerter Aktivierung waren es 76 Prozent.

Mortalitätsrate wurde halbiert

Möglicherweise steht diese Reduktion in Zusammenhang mit einem weiteren, für Patienten nicht weniger relevanten Ergebnis.

Auch die Mortalitätsrate wurde durch die modifizierte Programmierung deutlich reduziert. So war in der ICD-Gruppe mit erhöhter Frequenzschwelle eine relative Reduktion um 55 Prozent zu verzeichnen, die im Vergleich zur Mortalität in der Gruppe mit konventionell programmierten ICDs signifikant war (16 versus 34 Todesfälle).

Ausgehend von den bisherigen Studien taxierte man die von der ICD-Therapie zu erwartende Mortalitätssenkung auf etwa 30 Prozent. Damit ist aber, wie die neuen Daten zeigen, das Potenzial an lebensrettender Wirkung offensichtlich unterschätzt worden.

Addiert man den in MADIT-RIT durch bloße Umprogrammierung erzielten Zusatznutzen hinzu, dürfte die wirklich erreichbare Mortalitätsreduktion wohl bei über 50 Prozent liegen. (ob)

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