Aorten-Aneurysma

Ultraschall-Screening rettet Leben

Britische Forscher haben Männer zwischen 65 und 74 Jahren mit Ultraschall untersucht. Die Studienteilnehmer profitierten auch 13 Jahre später noch von dieser Untersuchung, lautet ihr momentanes Fazit.

Von Beate Schumacher Veröffentlicht:
Aortenaneurysma (gelb) im axialen CT.

Aortenaneurysma (gelb) im axialen CT.

© BSIP / doc-stock

CAMBRIDGE. Bei Männern zwischen 65 und 74 Jahren einmalig per Ultraschall nach einer erweiterten Bauchschlagader zu suchen, senkt die aneurysmabedingte Mortalität und auch die Gesamtmortalität.

Diese Vorteile bestehen sogar noch 13 Jahre nach der Screening-Untersuchung, wie eine britische Studie jetzt belegt. Sie widerspricht damit einer kürzlich publizierten Studie aus den USA, in der ein Screening wirkungslos war.

Für die UK Multicentre Aneurysm Screening Study (MASS) waren 67.770 Männer im Alter von 65 bis 74 Jahren randomisiert zu einem Screening eingeladen worden oder nicht (Br J Surg 2012, online 3. Oktober).

27.204 Männer (80 Prozent) waren der Einladung gefolgt, und bei 1334 war ein abdominelles Aortenaneurysma entdeckt worden. Eine elektive Aneurysmareparatur wurde in der Einladungsgruppe bei 600 Patienten vorgenommen, gut doppelt so häufig wie in der Kontrollgruppe mit 277 geplanten Eingriffen.

Dafür musste in der Screeninggruppe nur halb so oft notfallmäßig operiert werden (80 versus 166 Fälle).

Die 30-Tages-Mortalität bei elektiven Eingriffen lag zwischen 1,8 Prozent bei endovaskulärer und 4,6 Prozent bei offener Reparatur, bei Notfalleingriffen stieg sie auf 34,1 Prozent.

Weniger nicht tödliche Rupturen

Nach 13 Jahren hatten sich infolge einer Ruptur oder einer Op in der Einladungsgruppe 224 Todesfälle ereignet, 381 in der Kontrollgruppe - ein signifikanter Unterschied von 42 Prozent.

Die Rate nicht tödlicher Rupturen war ungefähr halbiert. Die Mortalität insgesamt fiel in der Gruppe mit Screeningangebot ebenfalls etwas niedriger aus, und zwar um 3 Prozent im Vergleich zur Kontrollgruppe.

Der Vorteil in Bezug die Mortalität war damit nicht mehr ganz so deutlich wie in den ersten zehn Jahren. Das lag zumindest teilweise daran, dass ab dem achten Jahr auch bei Männern mit ursprünglich unauffälligem Befund zunehmend häufig Aneurysmarupturen auftraten.

Als einzige offensichtliche Determinante für eine Ruptur trotz unauffälligem Ausgangsbefund erwies sich ein initialer Aortendurchmesser von 2,5 bis 2,9 cm.

Positives Nutzen-Risiko-Verhältnis

Die Studienautoren um Professor Simon G. Thompson von der University of Cambridge betonen das positive Nutzen-Risiko-Verhältnis eines Screenings, wie es in Großbritannien bereits eingeführt ist: "Das Risiko der aneurysmabedingten Mortalität wurde dadurch halbiert, und es gab einen kleinen, aber überzeugenden Vorteil bei der Gesamtmortalität."

Um einen Todesfall im Zusammenhang mit einem Bauchaortenaneurysma zu verhindern, müssten etwa 216 Patienten zum Screening eingeladen werden. Dies sei eine günstigere Quote als etwa beim Mammografie-Screening auf Brustkrebs.

Anders ausgedrückt: Pro 10.000 untersuchten Männern (entsprechend 12.500 eingeladenen Männern bei einer Teilnahmerate von 80 Prozent) würden 75 Rupturen, davon 58 tödliche verhindert - zum Preis von 119 zusätzlichen elektiven Eingriffe mit fünf postoperativen Todesfällen.

Um das Risiko einer Ruptur eines Bauchaortenaneurysmas bei Männern mit zunächst unauffälligem Befund zu vermindern, plädieren die Forscher dafür, Personen mit einem Aortendurchmesser von 2,5 bis 2,9 cm nach etwa fünf Jahren erneut eine Ultraschalluntersuchung anzubieten.

Die Ergebnisse der britischen Studie stehen im Widerspruch zu einer vor kurzem veröffentlichten Studie aus den USA. Nach diesen Daten hat ein entsprechendes Screening auf Bevölkerungsebene keinerlei Einfluss auf die Gesamtmortalität oder die Rupturmortalität.

Allerdings waren die zum abdominellen Ultraschall geladenen Männer mit 65 Jahren auch jünger als in der britischen Studie, zudem war nur jeder Zehnte von ihnen der Einladung nachgekommen.

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