Ärzte Zeitung, 19.02.2013

Herzinsuffizienz

"Es gibt zwei Neuerungen in den Leitlinien"

Die europäischen Leitlinien zur Herzinsuffizienz sind 2012 aktualisiert worden. Zu einigen wichtigen Änderungen nimmt der Kardiologe Professor Michael Böhm aus Homburg/Saar in einem Interview Stellung.

Das Interview führte Dirk Einecke

Ärzte Zeitung: Herr Professor Böhm, es gibt eine neue ESC-Leitlinie zum Thema Herzinsuffizienz. Was sind aus Ihrer Sicht die wesentlichen Neuerungen in der medikamentösen Therapie?

Böhm: Es gibt in den Leitlinien im Wesentlichen zwei Neuerungen. Das eine ist die Therapie mit Aldosteronantagonisten.

Wir hatten zum Aldosteronant-agonisten Eplerenon eine große Studie mit Patienten nach Herzinfarkt und eingeschränkter Pumpfunktion unter 30 Prozent - im Mittel 26 Prozent. Jetzt hat man bei Patienten mit stabiler Herzinsuffizienz in EMPHASIS-HF herausgefunden, dass die Patienten bei der Krankenhaussterblichkeit, den Hospitalisierungen und auch bei der Gesamtsterblichkeit profitieren.

Die Substanz wurde mit einer Klasse I A-Empfehlung in die Leitlinien aufgenommen, das heißt, die Substanz ist in jedem Fall indiziert. Nach der RALES-Studie mit Spironolacton gibt es nun zwei Studien, die den günstigen Effekt der Mineralkortikoid-Rezeptorantagonisten auf das Überleben belegen. Die ESC hat sich entschlossen, eine Klassenempfehlung zu geben, also nicht eine einzelne Substanz empfohlen. Man sollte aber aus meiner Sicht die Substanz verwenden, bei der die Evidenz generiert wurde - und das ist das Eplerenon bei stabiler Herzinsuffizienz.

Die zweite neu in die Leitlinie aufgenommene Substanz ist das Ivabradin.

Die Substanz wurde in der SHIFT-Studie geprüft. Sie ist geeignet für Patienten mit einer relativ hohen Herzfrequenz, nämlich mehr als 70 Schlägen pro Minute. Dann ist auch das Herzfrequenz-assoziierte Risiko erhöht. Es wird mehr Sauerstoff verbraucht, und das Remodeling ist beschleunigt. SHIFT hat gezeigt: Wenn man nichts anderes macht als die Herzfrequenz zu reduzieren, kommt es zu einer 25-prozentigen Abnahme der Zahl der Klinikaufenthalte. Damit empfehlen die Leitlinien eine Ivabradin-Therapie von Patienten mit einer Herzfrequenz von mehr als 70 Schlägen pro Minute.

Die Zulassung ist erfolgt aufgrund der Auswertung einer Subgruppe, die nicht präspezifiziert war, die eine Herzfrequenz von größer 75 Schlägen pro Minute hatte. Die Botschaft ist: Patienten mit einer relativ hohen Herzfrequenz von 70 bis 75 Schlägen pro Minute sollten Ivabradin erhalten. Damit reduziert man etwa um ein Viertel die Zahl der Krankenhaus-Aufnahmen wegen einer Herzinsuffizienz.

Die Studie lief unter einer optimalen Hintergrundtherapie mit Betablockern. Ivabradin ist also nicht einfach ein Ersatz für eine nicht ausgereizte Betablocker-Therapie. Betablocker, ACE-Hemmer, Aldosteron-Antagonisten sind die Basistherapie. Und dazu nun die Therapie mit Ivabradin.

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