Ärzte Zeitung, 17.04.2013

Angeborene Herzfehler

Wenn Arzneien nicht mehr helfen

Letzte Option Herztransplantation - für herzinsuffiziente Patienten mit angeborenen Herzfehlern oft schon in jungen Jahren Realität. Technisch ist die Transplantation bei diesen Patienten eine besondere Herausforderung.

Von Veronika Schlimpert

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Beispiel für ein sehr kleines implantierbares Linksherzunterstützungssystem.

© Heartware

MANNHEIM. Auf ein neues Herz sind Menschen mit angeborenen Herzfehlern (AHF) oft schon in jungen Jahren angewiesen, nämlich dann, wenn ihr eigenes Herz zu schwach geworden ist. Eine Herzinsuffizienz - daran leiden normalerweise eher ältere Menschen - entwickelt sich bei ihnen oft schon früh.

"Irgendwann kommt dann der Punkt, dass Medikamente allein nicht mehr ausreichen, ihre Symptomatik zu behandeln", sagte Professor Felix Berger, Direktor der DHZB-Klinik für Angeborene Herzfehler/Kinderkardiologie und der Klinik für Pädiatrie, Charité Campus Virchow Klinik in Berlin bei der DGK-Jahrestagung in Mannheim.

Eine Herztransplantation wird unumgänglich. "Das Problem ist die Warteliste. Und die wird länger und länger und länger…", so Berger. Die Überbrückungslösung: eine mechanische Kreislaufunterstützung.

"Bei Patienten mit AHF werden wir hier mit ganz spezifischen Problemen konfrontiert", betonte Berger. Die Herzen liegen nicht in der richtigen Position, sie sind strukturell verändert, wie auch häufig die Gefäße, und oft bestehen schwere Begleiterkrankungen.

Anpassung an individuelle Situation

Der Markt der künstlichen Herzersatzsysteme sei auf die Besonderheiten von Patienten mit AHF noch nicht ausgerichtet, so Berger.

Um sie bei ihnen einsetzen zu können, bedürfe es einer großen Modifikationsvariabilität - sprich: Man müsse gerade bei falsch gelagerten Herzen oder veränderten Gefäßen die Anwendbarkeit dieser Herzpumpen an die individuelle Situation anpassen.

Lösungen hat man aber für fast alle Herzfehler parat, sodass solche Systeme zumindest bei Patienten mit biventrikulären Anomalien angewendet werden können.

Und die Prognose für diese Systeme ist gut: Die Überlebensraten lägen für Patienten mit einer künstlichen Herzunterstützung bei etwa 80 Prozent nach einem Jahr, berichtete Berger über die Situation am DHZB.

Nach zwei Jahren lägen sie bei 70 Prozent. Hauptrisikofaktoren sind Schlaganfall, Blutungen und Infektionen. Zum Systemversagen kommt es selten.

"Wir sind bestrebt, die Überlebenszeiten deutlich zu verlängern", so Berger. Das frühe Erkrankungsalter bringt aber noch eine besondere Herausforderung mit sich: Die mechanischen Unterstützungssysteme sollten möglichst lange halten.

Neue Systeme demnächst verfügbar

Neue Systeme müssen entwickelt werden. "Solche neuen Systeme werden demnächst in der Klinik eingesetzt werden können", berichtete Berger.

Kleine axiale Pumpsysteme etwa, deren Größe sich auf ein Drittel bis ein Viertel einer Handfläche beschränkt oder Rotationspumpsysteme, die das gesamte Herz oder zumindest eine Pumpkammer vollständig ersetzen können.

Als dauerhafte Lösung bleibt aber nur die Herztransplantation. Die stellt aber insbesondere bei Patienten mit AHF eine technische Herausforderung dar. Sie sind oft mehrfach voroperiert und ihre Herzen sind strukturell verändert.

Organentnahme und Transplantationstechnik müssen also individuell auf den Patienten abgestimmt werden.

Trotzdem heimst die Transplantation hier Erfolge ein, wie die neusten Statistiken des Registry of the International Society for Heart and Lung Transplantation zeigen: "Trotz initial höherer Mortalität ist die Langzeitprognose für Patienten mit AHF sogar deutlich und signifikant besser als für jene Patienten, die an einer Herzinsuffizienz anderer Genese erkrankt waren", sagte Berger.

60 Prozent der Patienten leben noch nach 10 Jahren, 40 Prozent nach 20 Jahren. Das liege wahrscheinlich auch daran, dass Patienten mit AHF jünger sind.

Der Einsatz von mechanischen Unterstützungssystemen vor der Transplantation wirkt sich offenbar nicht negativ auf die Prognose aus. Sie sind mit einem guten Langzeiterfolg assoziiert.

Doch eine Sorge bleibt: "Die Anzahl der Patienten, die ein mechanisches Unterstützungssystem benötigen, steigt massiv, die Anzahl an transplantierten Patienten bleibt aber aufgrund des Organspendermangels konstant - ein großes Problem, dem wir uns in Deutschland auch politisch widmen müssen", so Berger.

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