Badeunfall

Kleinkinder haben eine schlechte Prognose

Müssen ertrinkende Kinder von Notärzten wiederbelebt werden, überleben zunächst die meisten, aber nur wenige überstehen den Unfall ohne bleibende Hirnschäden.

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Rettungseinsatz nach einem Badeunfall: Nach der Wiederbelebung bleiben meist Schäden.

Rettungseinsatz nach einem Badeunfall: Nach der Wiederbelebung bleiben meist Schäden.

© Philipp Schulze / dpa

OSAKA. Kinder haben generell bessere Chancen als Erwachsene, einen Herzstillstand zu überleben und ohne bleibende Schäden davonzukommen. Daran erinnern Notfallmediziner um Masahiko Nitta von der Universität in Osaka.

In einer Untersuchung wollten die japanischen Ärzte nun klären, ob dies auch für ertrinkende Kinder gilt, die nach einem Herzstillstand gerettet werden konnten.

Hier liegt in der Regel keine kardiale Ursache für den Herzstillstand vor, meist ist er eine Folge des Ertrinkens, sodass sich möglicherweise andere Konsequenzen ergeben.

Für ihre Studie haben die Ärzte das Schicksal von 68 Kindern und knapp 1700 Erwachsenen analysiert, die nach einem Herzstillstand aufgrund eines Badeunfalls notfallmedizinisch versorgt und von einem Notfallteam wiederbelebt wurden.

Die Kinder teilten sie in zwei Gruppen ein: solche bis vier Jahre (36 Kinder) und solche von 5 bis 18 Jahre (32 Kinder) (Resuscitation 2013; online 8. Juli).

Nur ein geringer Teil überlebt den ersten Monat

Insgesamt überlebte mehr als die Hälfte (53%) der jüngeren Kinder zunächst den Unfall - sie konnten erfolgreich wiederbelebt werden. Dies war nur bei 28% der älteren Kinder und 12,5% der Erwachsenen der Fall.

Einen Monat nach dem Unfall waren jedoch nur noch 28% der jüngeren Kinder sowie 9,4% der älteren Kinder und 1,7% der Erwachsenen am Leben.

Noch schlechter sah es bei den neurologischen Defiziten aus: Nur 5,6% der jüngeren Kinder und 3,1% der älteren Kinder überlebten ohne bleibende Hirnschäden, bei den Erwachsenen lag der Anteil sogar unter einem Prozent.

Die Unterschiede zwischen Kindern und Erwachsenen waren mit einer Fehlerwahrscheinlichkeit von weniger als 0,1% statistisch hochsignifikant, die Differenzen zwischen jüngeren und älteren Kindern waren mit einer Fehlerwahrscheinlichkeit von 3 bis 5,4% dagegen kaum bis gar nicht signifikant.

Insgesamt lässt sich also sagen, dass Kinder deutlich bessere Chancen als Erwachsene haben, einen Badeunfall mit Herzstillstand überhaupt zu überleben und dann auch noch ohne bleibende neurologische Schäden davonzukommen. Trotzdem ist die Prognose auch bei ihnen äußerst schlecht.

Allerdings muss beachtet werden, dass die Studienautoren nur Patienten berücksichtigten, die von Notärzten wiederbelebt wurden.

Gelingt die Wiederbelebung bereits durch eine Erste-Hilfe-Maßnahme, sind die Aussichten für das Unfallopfer weitaus besser, schreiben Nitta und Mitarbeiter.

Schutz durch Tauchreflex?

Ein möglicher Grund für die bessere Prognose bei Kindern könnte sein, dass ihr Ertrinken schneller bemerkt wird als bei Erwachsenen - schließlich sind die Eltern gerade bei Kleinkindern in der Regel nicht weit weg.

Zumindest bei den Kleinkindern mit Herzstillstand war das aber wohl nicht der Fall: Ähnlich wie bei Erwachsenen war der Unfall hier bei weniger als 10% beobachtet worden.

Da aber nur wenige Kinder in diese missliche Lage kamen, darf man wohl davon ausgehen, dass viele andere durch das beherzte Eingreifen von Eltern oder anderen Badegästen lange vor dem Herzstillstand gerettet werden konnten.

Möglicherweise war dagegen das hohe Alter der ertrinkenden Erwachsenen von im Schnitt 77 Jahren ein Grund für ihre schlechteren Überlebenschancen - in Japan nehmen viele ältere Menschen täglich alleine ein heißes Bad, was zu Badesynkopen führen kann, berichten die Ärzte um Nitta.

Auf der anderen Seite sind Kinder durch altersabhängige physiologische Mechanismen wie den Tauchreflex vielleicht etwas besser vor dem Ertrinken geschützt als Erwachsene. (mut)

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