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Ärzte Zeitung online, 13.05.2014

Prävention

Forscher zweifeln an Resveratrol

Lange Zeit galt ein Glas Rotwein am Tag als gesund - unter anderem wegen des Inhaltsstoffs Resveratrol. Doch nun kratzen Forscher am guten Image des Stoffs.

Forscher zweifeln an Resveratrol

Das Glas Rotwein am Abend soll nun doch keine lebensverlängernde Wirkung haben.

© Monkey Business / fotolia.com

BALTIMORE. Kann man die gesundheitsfördernde Wirkung eines Nahrungs- und Genussmittels wie Rotwein an einem einzigen Inhaltsstoff festmachen?

Wenn ja, müssen passionierte Rotweintrinker die gern gepflegte Sichtweise, mit dem Genuss des Rebensaftes etwas Gutes für Herz und Gefäße zu tun, womöglich korrigieren.

Zugeschrieben werden die vermeintlichen Schutzeffekte des Rotweins primär dem darin enthaltenen Polyphenol Resveratrol, das antioxidative und antiinflammatorische Wirkeigenschaften besitzt.

Wer bisher auf diesen Inhaltsstoff, der in konzentrierter Form auch als Nahrungsergänzungsmittel verfügbar gemacht wurde, geschworen hat, sieht sich nun mit ernüchternden Ergebnissen einer ausgerechnet in der Chianti-Region durchgeführten Studie konfrontiert (JAMA Intern Med, online 12. Mai 2014).

Die Autoren haben bei 783 älteren Einwohnern dieser Region die Konzentration von Resveratrol-Metaboliten im 24-Stunden-Urin gemessen und die Messergebnisse in Beziehung zur Mortalität in den folgenden neun Jahren gesetzt. Die Teilnehmer nahmen Resveratrol zum größten Teil über den Weinkonsum auf.

Eine Hoffnung bleibt Weintrinkern

Ergebnis: Nach neun Jahren war rund ein Drittel aller Teilnehmer gestorben. Die anfangs gemessene Konzentration der Resveratrol-Metabolite taugte allerdings nicht als Prädiktor, um irgendwelche Voraussagen zur Gesamt- oder kardiovaskulären Mortalität oder auch zur Häufigkeit von Krebserkrankungen zu machen.

Also nichts mit kardiovaskulärer Protektion? Eine Hoffnung bleibt Weintrinkern: Vielleicht ist Rotwein ja mehr als nur Resveratrol.

Auch Obst, das fraglos als gesund gilt, lässt sich nicht auf einzelne Inhaltsstoffe reduzieren, wie die oft belegte Wirkungslosigkeit der präventiven Supplementierung einzelner Vitamine zeigt. (ob)

[13.05.2014, 17:20:54]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Täglich Resveratrol, und Du fühlst Dich wohl?
Wirklich schlicht gestrickt wirkt diese Studie: Morbidität, Mortalität vs. Gewinn an Lebensqualität und Lebenszeit auf einen e i n z i g e n Rotwein-Bestandteil und Antioxidans, das Resveratrol, reduzieren zu wollen, ist lebenswirklichkeitsfernes, infantil-regressives, eindimensional-monokausal-naives Denken. K a u s a l i t ä t bei Morbidität und Mortalität ausgerechnet 'ex post' mittels 24-Stunden-Urinproben-Metaboliten, die in einer "Bio-Bank" eingelagert wurden, nachweisen zu wollen - ja, da müsste man vorher doch besser den "Tractatus logico-philosophicus" von Ludwig Wittgenstein (Translation C. K. Ogden: Tractatus Logico-Philosophicus, Rotledge and Kegan Paul, London 1922, ISBN 0710009623) gelesen u n d verstanden haben.

Ist es ist nicht geradezu lächerlich, dieser Hype ausgerechnet in den USA, mit einem einzigen Wirkstoff und o h n e je über die eigenen Lebensführungen und –Gewohnheiten (bzw. den vorschnellen Schusswaffengebrauch) nachgedacht zu haben, allen eigenen Krankheiten und Einschränkungen, dem Teilhabeverlust und dem (todsicheren) Lebensende entrinnen zu wollen ["Resveratrol Levels and All-Cause Mortality in Older Community-Dwelling Adults" von Richard D. Semba et al.]?

"Conclusions and Relevance - In older community-dwelling adults, total urinary resveratrol metabolite concentration was not associated with inflammatory markers, cardiovascular disease, or cancer or predictive of all-cause mortality. Resveratrol levels achieved with a Western diet did not have a substantial influence on health status and mortality risk of the population in this study."

Mit anderen Worten, Resveratrol zeigt weder Relevanz, Substanz, Koinzidenz, geschweige denn Kausalität - der Traum von ewiger Jugend im Jungbrunnen von Resveratrol ist aus geträumt. Aufwachen!!! Liebe Wissenschaftler, Medienmacher, Politiker, öffentliches Publikum, Kolleginnen und Kollegen.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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