Ärzte Zeitung online, 28.05.2014

Röntgenkongress

MRT klärt akuten Brustschmerz

Unauffälliger Katheter-Befund trotz Brustschmerz und Troponin-Erhöhung: Dann kann Ärzten eine Kardio-MRT weiter helfen. Das war heute auf dem Röntgenkongress zu hören.

MRT klärt akuten Brustschmerz

Tako-Tsubo-Kardiomyopathie mit apikaler Ballonierung.

© Unimedizin Mainz, Klinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie

HAMBURG. Was tun, wenn Patienten mit akuten Brustschmerzen und einer Troponin-Erhöhung eine völlig unauffällige Herzkatheter-Untersuchung haben? Diese Konstellation ist gar nicht so selten. Wie kommt man in der Diagnose dann rasch weiter, um zum Beispiel einen Herzinfarkt nachzuweisen oder auszuschließen?

Beim 95. Deutschen Röntgenkongress, der am Mittwoch in Hamburg eröffnet wurde, wurde gleich eine interessante Untersuchung präsentiert. Dr. Tilman Emrich von der Universitätsmedizin Mainz stellte die Studie bei der Pressekonferenz vor.

Emrich und seine Kollegen haben in ihre Kardio-MRT-Studie insgesamt 125 Patienten mit Brustschmerz und erhöhtem Troponin, aber unauffälliger Herzkatheter-Untersuchung aufgenommen. Emrich: "Wir wissen aus zahlreichen Studien, dass viele dieser Patienten trotz unauffälligem Herzkatheter eine Herzerkrankung haben. Wenn aber die Ultraschalluntersuchung des Herzens auch keinen eindeutigen Befund liefert, dann wird der Patient unter Umständen ohne Diagnose wieder nach Haus geschickt."

Die Untersuchungen bestanden aus einer funktionellen MRT (fMRT), um die Myokardfunktion zu beurteilen, sowie aus unterschiedlichen Sequenzen, um etwa Ödeme oder minderperfundierte Areale zu identifizieren.

Die radiologischen Diagnosen wurden dann mit der endgültigen klinischen Diagnose verglichen. Diese Referenzdiagnose wurde im Expertenkonsens mit den Kardiologen unter Berücksichtigung des weiteren klinischen Verlaufs gestellt.

Die fünf häufigsten Diagnosen in der Studie im Vergleich MRT versus Referenzdiagnose (Final):

- Myokarditis: MRT 52 vs. Final 48

- Dilatative Kardiomyopathie (DCM): MRT 25 vs. Final 23

- akuter Herzinfarkt (AMI): MRT 20 vs. Final 20

- Tako-Tsubo-Kardiomyopathie*: MRT 12 vs. Final 12

- Hypertensive Herzkrankheit: MRT 10 vs. Final 8

Insgesamt war die Treffsicherheit mittels Kardio-MRT in der Studie 90 Prozent, gemessen an der Referenzdiagnose. Natürlich ist und bleibt die Herzkatheteruntersuchung bei Verdacht auf Herzinfarkt der Goldstandard, wie Emrich sagte. Denn diese Methode bietet Diagnostik und bei Bedarf (Stenosen, Verschlüsse) auch gleich Therapiemöglichkeiten.

Aber bei unauffälligen Untersuchungen trotz typischer Symptome und Laborbefunde ist die Kardio-MRT eine wichtige Option, so Emrich. Denn: "Wir konnten zeigen, dass bei diesen Patienten trotz unauffälligem Herzkatheter eine Vielzahl von verschiedenen Erkrankungen des Herzmuskels vorliegt."

Dass mitunter in der Kardio-MRT ein Infarkt nachgewiesen wird, trotz unauffälligem Befund in der vorangegangenen Herzkatheteruntersuchung, erklärt Emrich so: "Grund kann ein vorübergehender Verschluss eines Herzkranzgefäßes durch einen Thrombembolus oder Gefäßspasmus sein, der zum Zeitpunkt der Katheteruntersuchung nicht mehr vorhanden war."

Besondere apparative Bedingungen sind für eine Kardio-MRT laut Emrich nicht notwendig. Jede Klinik mit MRT könne das im Prinzip machen. Voraussetzung sei die Expertise in kardiologischer Bildgebung.

Auf dem 95. Röntgenkongress, der zum siebten Mal zusammen mit der Österreichischen Röntgengesellschaft veranstaltet wird, diskutieren noch bis Samstag rund 7000 Experten über Neuerungen und Fortschritte in der Radiologie.

Schwerpunkte sind in diesem Jahr die Thoraxradiologie, onkologische Radiologie, interventionelle Radiologie und der Wert des konventionellen Röntgenbildes in der modernen Radiologie. Es gibt zudem spezielle Veranstaltungen für die rund 300 Medizinstudenten, die erwartet werden. (gwa)

*Tako-Tsubo-Kardiomyopathie, auch Stress-Kardiomyopathie oder "Broken-heart"-Syndrom genannt. Es handelt sich um eine transiente linksventrikuläre apikale Ballonierung. Oft sind ältere Frauen nach einem Schicksalsschlag oder akuter Stress-Situation betroffen.

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