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Ärzte Zeitung, 16.09.2015

US-Studie weckt Hoffnung

Kann sich ein schwaches Herz bald selbst regenerieren?

Neue Hoffnung für Patienten mit Herzschwäche: In einer US-Studie haben Forscher der Natur auf die Sprünge geholfen und es mithilfe von Injektionen geschafft, dass sich schwache Herzen zumindest etwas regeneriert haben.

Von Peter Overbeck

Kann sich ein schwaches Herz bald selbst regenerieren?

Bis zu drei Millionen Menschen in Deutschland haben Herzinsuffizienz. Über 50.000 pro Jahr sterben daran.

© Beawolf / fotolia.com

SEVILLA. Eine wirksame Therapie zur Regeneration des geschädigten Myokardgewebes wäre bei ischämisch bedingter Herzinsuffizienz höchst willkommen. Bisher gibt es sie nicht, aber die Forschung arbeitet daran.

Eine Forschergruppe um Dr. Marc Penn vom Summa Cardiovascular Institute in Akron (Ohio) hat dafür als möglichen Ansatzpunkt das Chemokin SDF-1 (Stromal cell-Derived Factor-1) entdeckt, von dem man sich eine positive Wirkung auf die Myokardregeneration bei Herzinsuffizienz erhofft.

Diese Hoffnung gründet auf der Beobachtung, dass SDF-1 etwa bei Verletzungen vom Körper exprimiert wird und dann als Signalmolekül dafür sorgt, dass Stammzellen aus dem Knochenmark mobilisiert und in das geschädigte Gewebe gelotst werden.

Der Natur auf die Sprünge helfen

Leider habe die Natur vergessen, diesen potenziellen Reparaturmechanismus lang genug zu aktivieren, glauben Penn und seine Mitarbeiter.

Nach ihrer Einschätzung muss die körpereigene SDF-1-Expression mindestens 14 Tage anhalten, um genug Stammzellen für eine Geweberegeneration zu rekrutieren. In Wirklichkeit ist sie aber viel kürzer.

Penns Arbeitsgruppe kam deshalb die Idee, der Natur auf die Sprünge zu helfen. Die Forscher entwickelten das Konzept, durch Injektion von Plasmid-SDF-1 in das Endomyokard eine kardiale SDF-1-Überexpression zu induzieren und auf diese Weise - so die Vorstellung - Geweberegeneration und Neoangiogenese im Myokard zu fördern.

Die Gruppe hat ihren Therapieansatz inzwischen auch in einer placebokontrollierten Phase-II-Studie getestet, deren Ergebnisse Penn in einer "Hotline"-Sitzung beim Kongress der Heart Failure Association (HFA) der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) in Sevilla vorgestellt hat.

Beteiligt waren 93 Patienten mit fortgeschrittener ischämischer Herzinsuffizienz (NYHA III/IV, Auswurffraktion kleiner 40 Prozent), die via endomyokardialer Injektion entweder SDF-1 oder Placebo erhielten.

Primärer Studienendpunkt war ein kombinierter Score, der auf Ergebnissen des 6-Minuten-Gehtests und eines Fragebogens zur Lebensqualität basierte. In beiden Gruppen war nach 12 Monaten eine Verbesserung dieses Scores zu verzeichnen, ein signifikanter Unterschied zwischen den Gruppen ergab sich dadurch nicht.

In der Gruppe mit SDF-1-Injektion zeigten sich die linksventrikuläre Auswurffraktion und das linksventrikuläre endsystolische Volumen (LVESV) tendenziell verbessert, der Unterschied war aber nicht signifikant.

Potenzielle klinische Effekte

In einer präspezifizierten Analyse ist die Wirkung der SDF-1-Behandlung in der Subgruppe mit der relativ schlechtesten Herzfunktion (Auswurffraktion kleiner 26 Prozent) untersucht worden.

In dieser Gruppe war nach SDF-1-Gabe eine signifikante Verbesserung der Auswurffraktion zu verzeichnen (um 7 Prozent), verglichen mit einer weiteren Abnahme in der Placebo-Gruppe (um 4 Prozent), bei zugleich tendenzieller LVESVAbnahme. Schwere Nebenwirkungen traten nicht auf.

Für Aussagen zur Wirkung auf klinische Ereignisse ist die Studie viel zu klein. Auf Basis von wissenschaftlichen Literaturdaten transformierte Penn allerdings die sich etwa im LVESV widerspiegelnden günstigen Effekte auf die Herzstruktur (Remodeling) in potenzielle Effekte auf klinischer Ebene.

Danach lässt die gezeigte Remodeling-Verbesserung eine Reduktion der 2-Jahres-Mortalität um 20 Prozent in der Subgruppe mit den am schlechtesten pumpenden Herzen erwarten.

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