Ärzte Zeitung, 06.07.2016

In vino sanitas

Weintrinker sind gesünder als Biertrinker

Weintrinker sind von den kardiometabolischen Parametern her betrachtet besser dran als Freunde des Gerstensaftes. Ob das tatsächlich am Getränk liegt, ist allerdings fraglich.

Von Robert Bublak

Weintrinker sind gesünder als Biertrinker

Wein oder Bier – Was ist gesünder? Studiendaten sprechen eher für Wein. Aber vielleicht haben Weintrinker ja nur einen gesünderen Lebensstil.

© fotek / fotolia.com

WAGENINGEN. Als große Weinnation sind die Niederlande bisher nicht aufgefallen. Doch nun kommt ausgerechnet von dort eine Kunde, welche die Gläser von Weinfreunden zum Klingen bringen dürfte: Wer Wein trinkt, so die Botschaft, steht im Hinblick auf Fettstoffwechsel und Adipositasmarker in günstigerem Licht da als Leute, die ihre Humpen lieber mit Bier volllaufen lassen.

 Herausgefunden hat das ein Forscherteam der Universität Wageningen, angeführt von der Ernährungswissenschaftlerin Dr. Diewertje Sluik (BMJ Open 2016; 6: e010437). Sponsor der Untersuchung war neben der Europäischen Stiftung für Alkoholforschung ausgerechnet das Holländische Bierinstitut.

Effekt nicht sonderlich ausgeprägt

Bevor nun die Korken knallen, sei darauf hingewiesen, dass die Nachricht zwar zuzutreffen, der Effekt des Weins aber nicht sonderlich ausgeprägt zu sein scheint. Die geschmacklichen Unterschiede zwischen Wein und Bier sind jedenfalls deutlich größer als die Differenzen in den metabolischen Parametern. So hatten männliche Weintrinker im Durchschnitt einen Body-Mass-Index von 25,9 kg/m2. Unter Biertrinkern lag der Wert bei 26,7.

Der Taillenumfang der Weinfreunde betrug 95,3 cm, die Biertrinken kamen immerhin auf 97,8 cm. Bei Frauen schließlich fanden sich gar keine signifikanten Unterschiede zwischen den verschiedenen Getränkegruppen mit Blick auf die Maßzahlen zur Adipositas. Ähnlich überschaubar, wiewohl signifikant waren die Unterschiede bei Messgrößen wie dem systolischen Blutdruck (125 vs. 128 mmHg zugunsten des Weins), dem HDL-Cholesterin (63 vs. 60 mg/dl) und den Triglyzeriden (102 vs. 122 mg/dl). Biertrinker hatten zudem etwas höhere Transaminasenwerte.

An der Studie von Sluik und Kollegen waren 1653 Personen beteiligt, die Auskunft über ihre Trink- und Lebensgewohnheiten gaben. 43 Prozent davon wurden als Weintrinker klassifiziert, das heißt, sie führten sich mindestens 70 Prozent des konsumierten Alkohols in Form von Wein zu. 13 Prozent waren Biertrinker, 29 Prozent bevorzugten Schnaps oder hatten keine Präferenz und 15 Prozent lebten alkoholabstinent.

Weintrinker sind eher Salatesser

Um Störgrößen zu eliminieren, die den Zusammenhang zwischen Getränken und Stoffwechselparametern verzerren könnten, betrieben die niederländischen Forscher einen erheblichen statistischen Aufwand. Sie glichen ihre Berechnungen unter anderem nach Alter, Geschlecht, Bildungsgrad, Beschäftigungsstatus und diversen Begleitkrankheiten ab.

 Auch Tabakkonsum, körperliche Aktivität und die bevorzugte Ernährungsweise flossen in die Kalkulation ein, änderten aber nichts an den Ergebnissen. Schon dies legt den Schluss nahe, dass die berichteten Effekte weniger auf den bevorzugten Alkohol als vielmehr insgesamt auf den Lebensstil zurückzuführen sind. So wurden Weintrinker häufiger den Salatessern zugerechnet, während die Mahlzeiten der Biertrinker mehr Fleisch und Brot umfassten.

Auch Sluik und Mitarbeiter gingen primär von der Vermutung aus, dass die Alkoholpräferenz keinen unabhängigen Faktor für den Gesundheitszustand darstellt. "Jedoch gibt es einige charakteristische Differenzen hinsichtlich kardiometabolischer Parameter, die nahelegen, dass Weintrinker etwas gesünder sind als Biertrinker", schreiben sie. Künftige Studien müssten klären, wozu die vorliegende Untersuchung angesichts ihres Querschnittsdesigns nicht in der Lage gewesen sei: Nämlich ob zwischen der Wahl des Getränks und dem Gesundheitszustand ein kausaler Zusammenhang bestehe oder ob die nun gefundenen Effekte auf nicht berücksichtigte Einflussgrößen zurückgingen.

[06.07.2016, 14:11:39]
Wolfgang P. Bayerl 
Überschrift und Inhalt? nichts genaues weis man nicht!
".... So wurden Weintrinker häufiger den Salatessern zugerechnet, während die Mahlzeiten der Biertrinker mehr Fleisch und Brot umfassten. ... Künftige Studien müssten klären ..."

Es ist lange Tradition angeblich positive gesundheitliche Aspekte von Alkohol zu thematisieren, da tut sich nicht allzuviel zwischen "Bier und Wein". Man kann da immer etwas an sekundären Pflanzenstoffen (Polyphenole) oder Spurenelemente (Silizium) etc. finden, was jedoch immer durch die toxische Wirkung von Alkohol mehr als neutralisiert wird.
Deshalb halte ich "Alkoholreklame" und hochwillkommene Ausreden, für diejenigen, die davon zu viel konsumieren, das sind nicht wenige, für schädlich, wenn das unter "Wissenschaft" läuft, die ja heute alles behaupten darf.
Die Dosisbegrenzung ist daher aus ärztlicher Sicht (Leitlinien etc.) der wichtigste Punkt, beim Alkoholkranken die Abstinenz. Hier stehen wir international nicht besonders gut, beim entsprechenden "Jugendschutz" sogar fast als Schlusslicht da! zum Beitrag »
[06.07.2016, 13:39:49]
Karl-Otmar Stenger 
Bierbauch
Bevor ich auf historische und biochemische Aspekte eingehe möchte ich Fotos einer Printkampagne des Bergedorfer Biers der Werbeagentur Jung von Matt zeigen: http://www.wuv.de/kampagnen/kreation_des_tages/liebe_deinen_bierbauch .
Zur Historie: Gut untersucht ist der Unterschied in der Ernährungsweise von Mönchen. Während die Tappisten zu 35% fettleibig waren, waren die Benediktiner dies nur zu 17%, obwohl sie reichlicher Butter und Zucker konsumierten. Letztere tranken jedoch im Gegensatz zu den Tappisten kein Bier. Von den Tappisten ist auch bekannt, dass sie höhere Blutdruck- und Cholesterin-Werte als die Benediktiner hatten. Ausserdem weiß man, dass Biertrinker häufiger an Gicht leiden. Dieser Aspekt ist in der vorliegenden Studie nicht diskutiert worden, obwohl die erhöht gemessenen Harnsäurewerte hätten kommentiert werden müssen.
Zur Biochemie: Die Herstellung alkoholischer Getränke erfolgt mittels alkoholischer Gärung. Der Unterschied zwischen Bier und Wein ist dabei, dass im Bier viel mehr Rückstände von Hefe enthalten sind als im Wein. Das bedeutet, dass nicht der Alkoholgehalt in erster Linie für das Ausmaß der Fettsynthese verantwortlich ist, sondern der Gehalt an Nukleinsäuren. Die ganze Geschichte dazu ist nachzulesen im Buch "The Fat Switch" von Prof. Richard J. Johnson. Die deutsche Übersetzung ist bei Hachinger unter dem Titel "Der Fettschalter" erschienen (ISBN 9783871854972). Fazit: Die Harnsäure ist die entscheidende Substanz, die alle Symptome des metabolischen Syndroms zu einer Einheit zusammenfasst. Damit ist auch die Grundlage gelegt, um die Ursache weiterer, damit verwandter Krankheitsbilder aufzuklären. zum Beitrag »
[06.07.2016, 09:23:40]
Thomas Georg Schätzler 
Bierbauch vs. Weinseeligkeit?
Methodisch ist diese Studie gut gemacht.
http://bmjopen.bmj.com/content/6/6/e010437.full
Doch eine entscheidende Frage bleibt:

Weshalb wurden bei den insgesamt 1.653 Personen die 248 alkoholabstinent Lebenden (15%) nicht als Vergleichsgruppe herangezogen, sondern nur der Bier vs. Weinkonsum und deren Folgewirkungen analysiert.

Vermutlich ergaben sich Randomisierungsprobleme, da die Gruppe der Alkoholabstinenten wesentlich jünger und überwiegend weiblich war - ein unübersehbarer Gegensatz zu den älteren, eher männlichen niederländischen Bierbauchträgern und den wenigen Weinliebhabern in NL.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund zum Beitrag »

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