Kardiologie

Sammeln Sie CME-Punkte - 30 Tage kostenlos mit e.Med
Modul: Diabetes und Herzinsuffizienz – Update 2017

Weitere Module zu anderen Themen auf der Startseite unserer Sommerakademie

Thrombose/Schlaganfall

Sammeln Sie CME-Punkte - 30 Tage kostenlos mit e.Med
Modul: Thromboembolische Ereignisse bei Adipositas – Leitsymptome schwerer erkennbar

Weitere Module zu anderen Themen auf der Startseite unserer Sommerakademie
Ärzte Zeitung, 19.07.2016

Vorsicht im Kaufhaus

Diebstahlschutz kann Herzschrittmacher stören

Von Philipp Grätzel von Grätz

Diebstahlschutz kann Herzschrittmacher stören

Sende-/Empfangseinheiten von EAS-Systemen werden oft von Werbetafeln verdeckt.

© Marc Müller dpa/lby

Auch neue Sicherungssysteme können Herzschrittmacher stören / Experimentelle Studie

Auch neuere elektronische Warensicherungssysteme können für Schrittmacher- und ICD-Patienten zum Risiko werden, wenn sie sich in deren unmittelbarer Nähe länger aufhalten. Darauf deutet eine neue experimentelle Studie hin.

NIZZA. Elektronische Warensicherungssysteme zum Diebstahlschutz (elektronische Artikelsicherung, EAS) können in seltenen Fällen dazu führen, dass Herzschrittmacher außer Takt geraten und einzelne Stimulationen oder ganze Serien von Stimulationen auslassen.

Auch eine Abgabe inadäquater Schocks durch ICD-Systeme ist beschrieben. Zulassungsbehörden wie die US-amerikanische FDA weisen deswegen schon seit vielen Jahren darauf hin, dass sich Patienten mit kardialen Implantaten nicht für längere Zeit in unmittelbarer Nähe von EAS-Konsolen aufhalten sollen und sich insbesondere nicht an diese Konsolen anlehnen sollten.

Wissenschaftler um Professor Robert Stevenson von Greatbatch Medical in Santa Clara, Kalifornien, haben jetzt in Kooperation mit Technikern vom Georgia Tech Research Institute in Atlanta untersucht, ob und wenn ja in welchen Situationen auch die neueren EAS-Systeme kardiale Implantate noch gefährden.

Sie unterschieden dabei klassische Systeme mit zwei Detektoren am Ausgang, außerdem in den Boden sowie in den Türrahmen oder die Wand eingelassene Systeme.

Die Testvorrichtung sah so aus, dass Schrittmacher und ICD-Systeme unterschiedlicher Hersteller in einen kleinen Tank platziert wurden, in dem sich Salzlösung befand. So sollte das elektrische Milieu des menschlichen Körpers simuliert werden, ohne dass Patienten einer Gefahr ausgesetzt wurden.

Die Ergebnisse der Studie hat Stevenson vor Kurzem beim Kongress CARDIOSTIM - EHRA EUROPACE in Nizza vorgestellt.

Ähnlich wie in früheren Untersuchungen zeigte sich, dass unabhängig vom Hersteller auch heute noch Störungen sowohl bei Schrittmachern als auch ICD-Geräten auftreten können, wenn diese zu nah an die Sende-/Empfangseinheiten des EAS-Systems kommen. Bei klassischen Detektor-EAS-Systemen machten vor allem unipolare Implantate Probleme: Es kam zu einer anhaltenden Hemmung des Pacings sowie bei ICD-Geräten zu inadäquaten Entladungen.

Auch bei bipolaren Systemen traten Probleme auf, insbesondere inadäquate Schocks und antitachykardes Pacing, nicht dagegen prolongierte Komplettausfälle von Schrittmachern. Im Zweifel raten die Wissenschaftler vor diesem Hintergrund zu bipolaren Systemen, wenn ein unipolares System nicht zwingend nötig ist.

Bei den in die Wand, Tür oder Boden eingelassenen Systemen konnten bisher keine Interferenzen festgestellt werden, allerdings laufen die Tests noch. Dass diese Systeme grundsätzlich sicher sind, glauben die Wissenschaftler nicht. Allerdings kommen Patienten an diese Systeme im Alltag in der Regel nicht so nah heran wie an EAS-Systeme mit klassischen Detektoren.

Problematisch bei in den Boden eingelassenen Systemen könne es werden, wenn Patienten in einem Sessel im Verkaufsraum mit leichter Rückenlage Platz nehmen. Denn dann nähern sie sich erstens dem Boden an, und zweitens werde der Winkel zwischen Implantat und Sende-/Empfangseinheit im Boden sehr ungünstig.

Die Experten kritisieren auch, dass EAS-Systeme zunehmend hinter Werbetafeln versteckt oder in Einrichtungsgegenstände integriert werden. Denn so können Patienten nicht mehr ohne weiteres erkennen, wo die Sende-/Empfangseinheiten sind.

Mehr Informationen zur Kardiologie unter

www.kardiologie.org

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Langes Arbeiten kann tödlich sein

Eine lange Wochenarbeitszeit erhöht das Risiko für Herzerkrankungen und Krebs. Forscher konnten die Stundenzahl sogar exakt angeben, ab der sich das Risiko stark erhöht. mehr »

Ausschuss reißt Frist des Gesetzgebers

Das neue Qualitätsmaß für Pflegeheime gerät in Verzug. Eine Studie bietet eine Alternative an. mehr »

Jeder dritte Demenz-Fall vermeidbar

Finge die Demenz-Prävention bereits in der Kindheit an, könne die Krankheit bei einem Drittel aller Erwachsenen verhindert werden – so eine Studie. mehr »