Folgenschwerer Babywunsch

Fruchtbarkeitstherapie schadet dem Herzen

Frauen nach erfolgloser Fruchtbarkeitstherapie haben wohl ein erhöhtes Langzeitrisiko für schwere kardiovaskuläre Ereignisse.

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TORONTO. Eine Fertilitätsbehandlung ist für viele Frauen die letzte Chance für eine lang ersehnte Mutterschaft. In einer kanadischen Studie hat sich gezeigt, dass das Scheitern einer solchen Therapie ein früher Hinweis auf ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko sein kann. Jacob Udell von der Universität Toronto und Kollegen haben diesen Zusammenhang im Rahmen einer populationsbasierten Kohortenanalyse untersucht (CMAJ 2017; 189: E391-397).

In der "Investigation of Notable Failed Endeavours at Reproductive Treatment and Ischemic Long-term Events"-(INFERTILE-) Studie analysierten sie mit Hilfe von Patientendatenbanken die Behandlungserfolge von 28.442 Frauen unter 50 Jahren, die zwischen 1993 und 2011 gonadotropinbasierte Fertilitätstherapien erhalten hatten und verfolgten deren allgemeine Gesundheit.

32,9 Prozent der Frauen hatten nach durchschnittlich drei Behandlungen innerhalb eines Jahres ein Kind geboren. Während des Follow-up erkrankten insgesamt 2686 Frauen an einem schweren primären kardiovaskulären Ereignis (nicht tödliche koronare Ischämie, akuter Schlaganfall, transitorische ischämische Attacke (TIA), Herzinsuffizienz oder Thromboembolie).

Frauen, die nicht schwanger wurden, waren meist älter, sozial schlechter gestellt und hatten eine schlechtere medizinische Versorgung als diejenigen, deren Therapie erfolgreich war. Sie hatten häufiger eine Hypercholesterinämie, Asthma, Depressionen, Neoplasien und waren öfter Raucherinnen. Der Anteil an Diabetikerinnen und Hochdruckpatientinnen war in der Gruppe der erfolglos Behandelten allerdings niedriger als in der Gruppe derer, deren Familienplan aufging.

Nach misslungener Fertilitätsbehandlung waren innerhalb der mittleren Beobachtungszeit von durchschnittlich 8,4 Jahren jährlich 19 Prozent mehr Herz-Kreislauf-Erkrankungen aufgetreten als in der Gruppe der Frauen, die ein Kind geboren hatten (1,08 vs. 0,91 / 100 Patientenjahre).

In der multivariablen Analyse entsprach dies einem relativen Anstieg kardiovaskulärer Ereignisse von 21 Prozent. Dabei wurde kein Zusammenhang zwischen dem Herz-Kreislauf-Risiko und der Anzahl der Behandlungszyklen festgestellt. Besonders deutlich traten die Nachteile der kinderlosen Frauen bei der Herzinsuffizienz und den zerebrovaskulären Ereignissen in Erscheinung.

Gonadotropinbasierte Therapien bewirken Veränderungen im Stoffwechsel der Frauen, so auch im Renin-Angiotensin-System. Eine Fertilitätsbehandlung, so die Autoren, könne gewissermaßen einen kardiometabolischen Stresstest darstellen und deren Scheitern als früher Hinweis auf drohende kardiovaskuläre Erkrankungen gewertet werden.

Je mehr Frauen sich einer Fruchtbarkeitsbehandlung unterzögen, desto wichtiger werde dieser Aspekt, meinen Udell und Kollegen. Sie empfehlen, Herz und Gefäße von Betroffenen im Anschluss an die Therapie engmaschiger zu überwachen. (St)

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