Ärzte Zeitung, 30.01.2004

Telemonitoring optimiert Blutdruckeinstellung

MÜNCHEN (wst). Die Blutdruckmessung in der Arztpraxis liefert immer nur punktuelle Werte. Und auch die 24-Stunden-Blutdruckmessung läßt offen, was vor und nach dieser Ausnahmesituation im Blutdruckverhalten des Patienten passiert. Die regelmäßige Selbstmessung scheitert wiederum erfahrungsgemäß oft an einer korrekten Dokumentation. Einen guten Ausweg könnte hier das Telemonitoring des Blutdrucks bieten.

Die Blutdruck-Selbstmessung gehört für viele Patienten zum Alltag. Häufig werden die gemessenen Werte aber nicht korrekt dokumentiert. Foto: Dr. Siegfried Eckert

Wie ein solches Konzept funktioniert, hat Privatdozent Thomas Mengden aus Bonn bei einer Veranstaltung des Unternehmens Sankyo am Münchener Flughafen erläutert. Basis des Systems ist ein oszillometrisches Oberarm-Blutdruckmeßgerät mit integriertem Modem.

Jeder zuhause gemessene Blutdruckwert wird automatisch und ohne daß sich der Patient jedes Mal neu einwählen muß via Festnetzanschluß an ein Kompetenzzentrum geleitet. Dort werden die Meßkurven erstellt, analysiert und fehlerbereinigt dem Patienten und seinem Arzt übermittelt.

Signal erinnert Patienten an Blutdruckmessung

Das Gerät kann so programmiert werden, daß ein Patient, der die Messung zum vorgegebenen Zeitpunkt vergißt, über die Telefonleitung mit einem Signal daran erinnert wird. Auf zur Sorge Anlaß gebende Meßwertverläufe kann zeitnah reagiert werden und rascher als bisher mit einer Dosisanpassung, einer Therapieumstellung oder einer intensivierten Compliancemotivation gegengesteuert werden.

Wenngleich ein solches Blutdruck-Telemonitoring viele Vorteile für die Patientenführung in der täglichen Praxis zu haben scheint, wird sich sein Einsatz vorerst wohl eher auf Studien beschränken, räumte Mengden ein. Aktuell genützt wird das Verfahren in der OLMETEL-Studie.

Studie zur Therapieverbesserung

Ziel dieser Studie soll die Optimierung der antihypertensiven Therapie mit Olmesartan - vom gastgebenden Unternehmen als Olmetec® angeboten - sein. So soll etwa herausgefunden werden, wie viele Tage nach Therapiebeginn sich Responder von Nonrespondern unterscheiden lassen und nach welcher Zeit der maximale Effekt der verordneten Dosis zu erwarten ist. Auch erhofft man sich durch die engmaschigen Blutdruckkontrollen neue Erkenntnisse zum Verlauf und zu Störungen der Compliance.

Inzwischen ist die Pilotphase der Studie mit 60 Patienten und 12 000 Blutdruckmessungen beendet. Erste Zwischenergebnisse von 49 Patienten belegen, daß ihre Blutdruckwerte bereits nach sieben Behandlungstagen mit täglich 20 mg Olmesartan signifikant von durchschnittlich 154/88 mmHg auf 144/80 mmHg gefallen waren. Nach 28 Tagen lagen die häuslich gemessenen Werte bei durchschnittlich 143/80 mmHg und nach 56 Tagen bei 140/79 mmHg.

STICHWORT

Weißkittelnormotonie

Bekanntlich gibt es nicht nur Patienten, bei denen beim Arztbesuch fälschlicherweise zu hohe Blutdruckwerte gemessen werden, sondern auch solche mit falsch zu niedrigen Werten. Beim Weißkittelhypertoniker treibt die Aufregung aufgrund des Arztbesuchs den Blutdruck in die Höhe. Die Weißkittelnormotonie beruhe häufig darauf, daß die Medikamenten-Compliance nur dann gut ist, wenn kontrolliert wird, so Privatdozent Dr. Thomas Mengden aus Bonn. So hätten Untersuchungen belegt, daß eine antihypertensive Therapie einige Tage vor dem geplanten Arztbesuch oft weitaus besser befolgt wird als in der übrigen Zeit des Jahres. Gerade auch bei derart kontrollabhängigen Patienten könne zum Beispiel mit einem kontinuierlichen Telemonitoring die Compliance vermutlich anhaltend verbessert werden. (wst)

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