Ärzte Zeitung, 09.03.2004

Bei hohem kardiovaskulärem Risiko wird jetzt besser behandelt

Die meisten Patienten erhalten Betablocker und Statine / Aufnahme-Daten von 25 600 Patienten der ONTARGET-Studie ausgewertet

NEW ORLEANS (gwa). Kollegen berücksichtigen Therapien, die in großen Studien erfolgreich getestet worden sind, offenbar mehr und mehr in der täglichen Praxis. Das belegen etwa die Aufnahmedaten von mehr als 25 600 Patienten mit einem hohen kardiovaskulären Risiko in der ONTARGET-Studie. Diese Daten sind jetzt erstmals auf dem ACC-Kongreß in New Orleans vorgestellt worden.

Zur Erinnerung: In der etwa fünfeinhalb Jahre dauernden ONTARGET (ONgoing Telmisartan Alone and in combination with Ramipril Global Endpoint Trial)-Studie erhalten KHK-Risikopatienten randomisiert jeweils täglich entweder 80 mg des AT1-Blockers Telmisartan (Micardis®), 10 mg des ACE-Hemmers Ramipril oder 80 mg Telmisartan plus 10 mg Ramipril.

Primärer Endpunkt ist die Kombination aus kardiovaskulärer Sterblichkeit, Schlaganfall, Herzinfarkt und Krankenhauseinweisung wegen Herzinsuffizienz. Geprüft werden soll, ob sich die Wirkungen der beiden Substanzen ergänzen und sich so der Nutzen für die Patienten erhöht, und wie die beiden Substanzen im direkten Vergleich abschneiden (wir berichteten).

Professor emeritus Peter Sleight von der Universität in Oxford in Großbritannien, der die Studie mit betreut, hat auf einer von Boehringer Ingelheim unterstützten Veranstaltung die Daten von Patienten aus ONTARGET unter anderen mit denen von HOPE verglichen.

Diese Studie, in der mit dem ACE-Hemmer Ramipril eine Risikoreduktion für Herzinfarkt um 20 Prozent und für Schlaganfall um mehr als 30 Prozent erreicht werden konnte, gilt als Ausgangspunkt von ONTARGET. Ganz ähnlich in beiden Studien sind zum Beispiel Durchschnittsalter (etwa 66 Jahre), Geschlechterverteilung (etwa drei Viertel Männer), BMI der Probanden (etwa 28) sowie das hohe kardiovaskuläre Risiko.

Doch seit HOPE hat sich was getan in der Basistherapie solcher Patienten mit Hypertonie: Bei Aufnahme in ONTARGET nahmen zum Beispiel etwa 57 Prozent der Patienten Betablocker ein (versus 40 Prozent in HOPE), 60 Prozent Statine (versus 29 Prozent), 28 Prozent Diuretika (versus 15 Prozent), etwa neun Prozent Clopidogrel (versus null Prozent) und acht Prozent orale Antikoagulantien (versus vier Prozent).

"Sehr erfreulich", findet Sleight diesen Wandel in der Behandlung bei Hypertonie-Patienten. Und er hofft, daß die Ergebnisse von ONTARGET, die für 2007 erwartet werden, ebenfalls rasch in der Praxis umgesetzt werden.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Epidemiologische Kaffeesatzleserei?

Verursacht oder verhindert der Konsum von Kaffee Krankheiten? Die Klärung solcher Fragen zur Ernährung ist methodisch ein richtiges Problem. mehr »

Trotz Budgetierung gute Chancen auf Mehrumsatz

Seit vier Jahren steht das hausärztliche Gespräch als eigene Leistung im EBM (03230) . Immer wieder ist daran herumgeschraubt worden. mehr »

Erstmals bekommt ein Kind zwei Hände verpflanzt

Ein achtjähriger Junge mit einer tragischen Krankheitsgeschichte bekommt zwei neue Hände. Die Op ist ein voller Erfolg: Anderthalb Jahre später kann er schreiben, essen und sich selbstständig anziehen. mehr »