Ärzte Zeitung, 11.03.2004

Bei Hypertonikern mit KHK Blutdruck nicht unter 120/70 mmHg!

Neue Analyse aus INVEST-Daten zur Inzidenz von Herzinfarkten und Schlaganfällen

NEW ORLEANS (gwa). Je tiefer der Blutdruck, desto besser für Hypertoniker? Das trifft zumindest nicht ganz auf Hochrisiko-Patienten mit Hypertonie und KHK zu. Für sie gilt die Faustregel: Nicht unter 120 /70 mmHg! Denn sonst haben solche Patienten ein erhöhtes Risiko, etwa Schlaganfälle oder Herzinfarkte zu bekommen. Das hat eine Analyse von Daten der INVEST-Studie ergeben. Diese Analyse wurde jetzt auf dem ACC in New Orleans vorgestellt.

Zur Erinnerung: In der INVEST (International Verapamil SR-Trandolapril)-Studie bekamen mehr als 22 000 Hochrisikopatienten mit Hypertonie und KHK im Mittel 2,7 Jahre entweder zunächst den Betablocker Atenolol. Er konnte später mit einem Thiazid sowie dem ACE-Hemmer Trandolapril kombiniert werden.

Oder die Kardiologen verabreichten zunächst Verapamil retard, das bei Bedarf primär durch Trandolapril ergänzt wurde. Primärer kombinierter Endpunkt waren Tod jedweder Ursache sowie tödliche und nichttödliche Herz- und Hirninfarkte. Die Therapien waren ähnlich gut wirksam.

Professor Franz Messerli von der Ochsner Clinic Foundation in New Orleans und seine Kollegen haben sich nun die Daten aus INVEST sehr genau angeschaut, weil zwischen Nephrologen und Kardiologen diskutiert wird, wie tief der Blutdruck etwa bei Hochrisikopatienten gesenkt werden sollte.

Nephrologen wollen etwa bei hypertonen Diabetikern, auch wenn diese eine KHK haben, den Blutdruck soweit senken, daß eine Proteinurie gemindert wird. "Dafür würden sie auch Werte unter 120 / 70 akzeptieren", sagte Messerli zur "Ärzte Zeitung". "Doch Kardiologen warnen vor solch niedrigen Werten bei Hochrisikopatienten, weil sie um das Herz der Patienten fürchten."

Denn: Anders als andere Arterien werden die Herzarterien besonders in der Diastole gefüllt, wenn nämlich der Herzmuskel erschlafft ist. Ist der diastolische Druck zu gering, kommt es zur Hypoperfusion mit Herzmuskelschäden. Und ein zu niedriger systolischer Wert kann etwa das Gehirn gefährden, weil der Perfusionsdruck nicht mehr ausreichen könnte.

Die Datenanalyse ergab jedenfalls, daß bei einem diastolischen Wert zwischen 70 und 90 mmHg sowie einem systolischen Wert über 120 und unter 140 mmHg die Inzidenz von Herzinfarkten und Schlaganfällen am geringsten war, ober- und unterhalb dieser Werte dagegen zunahm.

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