Ärzte Zeitung, 29.04.2004

Bei der Blutdrucksenkung zählt jeder mmHg

Nephrologe rät zu häufiger 24-h-Blutdruckmessung / Therapiekontrolle ist noch dürftig

MANNHEIM (sko). "Wenn es um die Blutdrucksenkung geht, zählt jeder Millimeter-Hg", meint Professor Roland E. Schmieder aus Erlangen. Um sich ein korrektes Bild von der hämodynamischen Situation zu machen, riet Schmieder beim Kardiologenkongreß in Mannheim, häufiger eine Langzeitblutdruckmessung vorzunehmen.

"Auch einer geringen Blutdruckerhöhung sollte man Achtsamkeit schenken", sagte Schmieder bei einem vom Unternehmen Boehringer Ingelheim unterstützten Symposium. Und das gelte auch für den hochnormalen Blutdruckbereich.

Studien hätten für einen systolischen Blutdruck unter 120 mmHg eine kumulative Inzidenz für kardiovaskuläre Ereignisse von sechs Prozent, für den Bereich 130 bis 139 mmHg jedoch von 12 Prozent ergeben, was immerhin einer Verdopplung der Inzidenz entspreche.

In der Realität sei man allerdings noch weit weg von jeglicher effektiven antihypertensiven Therapiekontrolle. Vor fünf Jahren wurden Werte von 160/95 mmHg etwa in den USA nur von 23 Prozent der behandelten Hypertoniker erreicht, "so daß man sagen kann: Etwa nur jeder Fünfte war bei diesem Kriterium effektiv eingestellt." In einer aktuellen Studie aus dem vergangenen Jahr hätten nur acht Prozent der Hypertoniker in Deutschland einen Blutdruck von 140/90 mmHg erreicht, berichtete Schmieder weiter.

Bei der Kontrolle des Blutdrucks hob der Mediziner noch einmal die Bedeutung der 24-h-Blutdruckmessung hervor. "Wir sollten die 24-Stunden-Blutdruckmessung viel häufiger einsetzen". Denn die Häufigkeit von kardiovaskulären Ereignissen sei nicht über 24 Stunden gleich verteilt. Als Beispiele, die vermehrt in den frühen Morgenstunden auftreten, nannte Schmieder den plötzlichen Herztod oder den ischämischen Schlaganfall.

Zudem sei nicht nur der morgendliche Blutdruckanstieg ein ursächlicher Mechanismus für die erhöhte kardiovaskuläre Mortalitätsrate. Die Werte für Kortison und Adrenalin sowie für Plasmarenin und schließlich auch Aldosteron stiegen in den Morgenstunden an.

Deshalb sollte eine entsprechende Therapie - etwa mit dem AT1-Rezeptorantagonisten Telmisartan, das vom Unternehmen als Micardis® angeboten wird - nicht nur den Blutdruck in den frühen Morgenstunden kontrollieren, sondern auch eine effektive Blockade des Renin-Angiotensin-Systems bewirken.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Gefahr im Vekehr oder alles im grünen Bereich?

Patienten, die Cannabispräparate in Dauermedikation haben, dürfen am Straßenverkehr teilnehmen. Eine wissenschaftliche Debatte über ein erhöhtes Verkehrssicherheitsrisiko wurde noch nicht geführt. mehr »

Frau hat keinen Anspruch auf Schmerzensgeld

Hat eine Frau Anspruch auf Schmerzensgeld, wenn ein Arztfehler zu Impotenz des Mannes führt? Das OLG Hamm verneint – und gibt eine Begründung. mehr »

Tausende Pfleger ergreifen die Flucht

Großbritannien gehen die Pflegekräfte aus: Zu groß ist die Unzufriedenheit mit dem System. Sie zeigt sich zunehmend auch bei Patienten. mehr »