Ärzte Zeitung, 04.05.2004

Kombitherapie und Strenge macht Hypertoniker compliant

Mehrfacher Therapiewechsel verschlechtert die Therapietreue / Strenge Erinnerung an Tabletteneinnahme bringt mehr als nette Aufforderung

WIESBADEN (grue). Mehrfache Therapieumstellungen innerhalb weniger Wochen gehen bei Hypertonikern zu Lasten der Compliance. Ein Ausweg kann es sein, gleich mit einer Kombinationstherapie anzufangen.

Hochdruck-Spezialisten sprechen von "Therapieturbulenz", wenn die Hochdruck-Medikamente mehrfach höherdosiert oder gewechselt werden, um die Blutdruckeinstellung zu verbessern. Die Compliance verschlechtert sich dadurch um mehr als 20 Prozent, wie eine Untersuchung ergeben hat.

"In der Hochdruckbehandlung sollten deshalb Patienten mit erhöhtem kardiovaskulärem Risiko oder sehr hohem Blutdruck von Anfang an eine Kombinationstherapie erhalten", sagte Professor Rainer Düsing aus Bonn beim Internistenkongreß in Wiesbaden.

Außerdem wirken sich Medikamente mit langer Halbwertszeit bei täglicher Einmalgabe günstig aus. Sie wirken auch dann noch, wenn mal eine Tablette vergessen wird. Dies sei bei der Behandlung von Patienten mit Bluthochdruck besonders wichtig. "Denn Vergeßlichkeit ist Hauptursache für schlechte Therapietreue", sagte Düsing bei einer Veranstaltung des Unternehmens Sankyo.

Ein weiterer Grund für das Absetzen einer verordneten Medikation ist deren mangelnde Verträglichkeit. Günstig ist dabei der AT-II-Antagonist Olmesartan (vom Unternehmen als Olmetec® angeboten). Er unterscheide sich in den unerwünschten Wirkungen nicht von Placebo, sagte Düsing. Olmesartan hat eine lange Halbwertszeit und wirkt stark antihypertensiv. Die in einer Studie ermittelte Therapietreue nach einem Jahr betrug für AT-II-Antagonisten 68 Prozent, für ACE-Hemmer 61, für Kalziumantagonisten 54, für Betablocker 46 und für Diuretika 21 Prozent.

Aber selbst wenn ein besonders verträgliches und langwirkendes Medikament verordnet wird, ist die Compliance in der Hochdrucktherapie schlecht, weil die Patienten meist keinen Leidensdruck haben.

An der Universität Bonn werden deshalb interaktive Medikamentenverpackungen geprüft, in die akustische Signalgeber eingebaut sind. Dabei hat sich gezeigt, daß eine freundliche Einnahmeaufforderung wenig nützt. "Nur wenn eine strenge Frauenstimme an die Tablette erinnert, verbessert sich die Compliance", sagte Düsing.

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