Ärzte Zeitung, 09.09.2004

Mit implantiertem Chip läßt sich ganz einfach der Blutdruck messen

Die gemessenen Werte können mit einem Gerät am Gürtel abgefragt werden

WIESBADEN (gwa). Ein Chip mit Antenne, die in einer 2,3 mm dünnen Silikonkapsel mit drei Ankerfüßen eingegossen sind, könnte möglicherweise in Zukunft eine Dauerkontrolle des Blutdrucks bei Hypertonie-Patienten ganz einfach machen. Die Aachener Kapsel soll etwa in einer Beckenarterie verankert werden. Die gemessenen Werte würden an einen Empfänger, der subkutan sitzt, übermittelt. Die Blutdruck- und Pulswerte könnten dann über etwa Handy-große Geräte, die die Patienten am Gürtel tragen würden, abgefragt werden.

Bauchaorten-Aneurysma, Y-Prothese wurde eingesetzt. Der Blutdruck-Wächter (Aachener Kapsel) sitzt links im Aneurysmasack. Foto: Schmitz-Rode, RWTH Aachen

Diese Neuheit, die sich noch in der Entwicklung befindet, wurde auf dem Erfinderforum des Deutschen Röntgenkongresses in Wiesbaden vorgestellt. Vorab erläuterte Professor Thomas Schmitz-Rode von der RWTH Aachen das Prinzip und weitere Optionen: Über einen Katheter in der Leiste kann der "dreibeinige Blutdruck-Wächter" in eine Arterie eingesetzt werden.

"Zielgefäß ist eine Aufzweigung der inneren Beckenarterie", so Schmitz-Rode zur "Ärzte Zeitung". Dort können sich die Ankerfüßchen verhaken. Die Kapsel könnte dann ständig und über lange Zeit den Blutdruck messen. Das sei wichtig bei der Medikamenten-Einstellung, aber auch zur Therapie-Kontrolle.

Im Tierversuch mit acht Schweinen, denen insgesamt 18 Kapseln eingesetzt wurden, konnte jedenfalls belegt werden, daß die Kapseln funktionierten und sicher verankert blieben. Allerdings entwickelten sich bei einigen Tieren Thromben. "Dieses Problem müssen wir noch lösen", sagte Schmitz-Rode.

Eine weitere Option für die Aachener Kapsel, die von der RWTH in Kooperation mit der Universitätsklinik Aachen und dem Duisburger Fraunhofer Institut IMS entwickelt wurde, könnte die eines Warnmelders etwa bei Bauchaorten-Aneurysmen sein.

Bei solchen Aneurysmen werden etwa Y-Prothesen in die Aorta eingesetzt, die von oberhalb des Aneurysmas bis in die Beckenarterien reichen. Dabei kann es zu einer Leckage mit einem Blutstrom in das Aneurysma kommen. Das könnte dann reißen. "Hier könnten wir eine solche Kapsel, die dann größer sein kann, in das Aneurysma zwischen Prothese und Wand legen. Bei Zunahme des Drucks wird die Kapsel dann einen Ton als Warnsignal aussenden."

Die Weiterentwicklung der Aachener Kapsel kann zu intelligenten Implantaten führen, die etwa den Blutzucker kontinuierlich messen. "Solche Chips könnten zum Beispiel eine integrierte Mini-Insulinpumpe steuern", sagte Schmitz-Rode.

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