Ärzte Zeitung, 05.11.2004

Sartane empfohlen bei Hypertonie plus Diabetes

BERLIN (grue). Die Angiotensin-Rezeptorblocker (ARB) werden von europäischen und amerikanischen Fachgesellschaften als Medikamente der ersten Wahl zur antihypertensiven Therapie bei Diabetes mellitus empfohlen, auch in Kombination mit anderen Blutdrucksenkern.

Auf den hohen Stellenwert der ARB, auch Sartane oder AT-1-Blocker genannt, hat Professor Hans-Willi Breuer aus Görlitz bei einer Veranstaltung des Unternehmens Bayer in Berlin hingewiesen. Er erinnerte daran, daß die Deutsche Hochdruckliga niedrige Blutdruckwerte bei Typ-2-Diabetikern empfiehlt: Sie sollen langfristig unter 135/85 mmHg liegen, falls toleriert, sogar unter 130/80 mmHg.

Gesellschaften raten zu früher Blutdrucksenkung bei Diabetes

Die amerikanische Diabetes-Association (ADA) habe in ihren kürzlich aktualisierten Empfehlungen den Beginn einer antihypertensiven Therapie bei Typ-2-Diabetes außerordentlich "streng" definiert, so Breuer. Demnach sollten diese Patienten bereits ab einem Blutdruck von 130/80 mmHg antihypertensiv behandelt werden, was nach hiesigem Verständnis einer präventiven Hochdrucktherapie nahe kommt.

Grund für die geforderte konsequente Blutdruckkontrolle seien unter anderem Ergebnisse der UKPD-Studie, sagte Breuer. Demnach lassen sich diabetesbedingte Komplikationen und Todesfälle durch eine normnahe Blutzucker- und Blutdruckeinstellung verhindern. "Wenn der systolische Blutdruck um 17,5 mmHg sinkt, werden damit ebenso viele Diabeteskomplikationen verhindert wie durch einen HbA1C-Abfall um ein Prozent", sagte Breuer. "Deswegen legen die Fachgesellschaften soviel Wert auf die Blutdrucksenkung".

Sartane wirken diabetischer Nephropathie entgegen

Die ADA, aber auch die europäische Hochdruck-Gesellschaft ESH haben sich "in Richtung Sartane positioniert". Diese Medikamente eigneten sich gut für Kombinationen, wirkten der diabetische Nephropathie entgegen und trügen zu einer Verbesserung der Stoffwechselparameter bei, so Breuer.

Auch die Blutgefäße blieben damit elastisch, was vermutlich kardiovaskulären Komplikationen vorbeuge. Das konnte zum Beispiel für den ARB Telmisartan (Kinzal®) belegt worden. Dieses Hochdruckmedikament habe außerdem günstige metabolische Wirkungen beim Typ-2-Diabetes, weil es gewichtsneutral ist und die Blutfettwerte senkt.

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