Ärzte Zeitung, 06.07.2004

Fernüberwachung hält Patienten bei der Stange

Studie mit Hypertonie-Patienten zeigt verbesserte Compliance / Therapiekosten sinken leicht bei Telemonitoring

PARIS (gvg). Die Benutzung eines kommerziell erhältlichen Fernüberwachungssystems verbessert bei Hypertonie-Patienten die Blutdruckeinstellung. Auch scheint es die Neigung von Patienten zu verringern, das vom Arzt gewählte Therapieschema auf eigene Faust zu ändern.

Eine Studie, aus der sich diese Schlüsse ziehen lassen, wurde von Dr. Gianfranco Parati aus Mailand auf dem Europäischen Hypertoniekongreß in Paris vorgestellt.

Insgesamt 329 Patienten mit Bluthochdruck wurden randomisiert und erhielten entweder eine Standardbetreuung, bei der sie sich alle zwei bis drei Monate bei ihrem betreuenden Hausarzt vorstellten, oder eine telemedizinische Fernbetreuung. Bei der telemedizinischen Betreuung wurden die Hausärzte über ein zwischengeschaltetes Callcenter regelmäßig mit Auswertungen des individuellen Blutdruckverlaufs versorgt. Nur bei Bedarf vereinbarten die Ärzte Termine in der Praxis mit den Patienten.

Für die Fernbetreuung benutzt wurde das auch in Deutschland erhältliche System Tensiophone, für das zur Übertragung der Daten nicht mehr als eine herkömmliche Telefonleitung benötigt wird.

Insgesamt zwölf Hausärzte beteiligten sich an der sechsmonatigen Studie. Teilgenommen haben medikamentös behandelte Hypertoniker, bei denen der durchschnittliche Blutdruck einer 24-Stunden-Blutdruckmessung zu Studienbeginn erhöht war (>135/85 mmHg).

"Im Studienzeitraum konnte in der Kontrollgruppe bei exakt der Hälfte der Patienten der Blutdruck normalisiert werden. In der Gruppe mit Fernüberwachung gelang das dagegen bei knapp zwei Dritteln", so Parati. Der Unterschied war statistisch signifikant. Ebenfalls signifikant seltener waren in der Tele-Gruppe von den Patienten zugegebene Abweichungen vom festgelegten Medikationsschema.

Keinen Einfluß hatte dagegen die zusätzliche Verwendung einer automatischen Erinnerungsfunktion für die Tabletteneinnahme, die bei einem Teil der fernbetreuten Patienten in das Überwachungsgerät integriert worden war.

"Die engere Interaktion zwischen Ärzten und Patienten war wahrscheinlich der Schlüssel zum Erfolg", glaubt Parati. Dadurch, daß die Patienten sich beobachtet fühlten, habe sich möglicherweise die Compliance erhöht.

Die Analyse der Gesamtbehandlungskosten bei den Patienten der Studie ergab einen Trend zugunsten der Fernüberwachung. Dieser Kostenvorteil, der allerdings statistisch nicht signifikant war, stellte sich bei der Untersuchung dann ein, wenn nicht die Anschaffungskosten, sondern die Mietkosten für die Geräte berechnet wurden.

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