Forschung und Praxis, 25.10.2004

Organprotektion in allen Stadien kardiovaskulärer Erkrankungen

Studien mit Irbesartan belegen Schutz von Herz und Nieren

Immer mehr Erkenntnisse stützen die These, daß Angiotensin II für Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen eine Schlüsselrolle bei der Schädigung von Organen hat. Und umgekehrt mehren sich die Befunde, daß die Therapie mit einem Angiotensin-II-Antagonisten nicht nur effektiv den Blutdruck senkt, sondern auch die Organe der Patienten wie Herz, Nieren und Hirn vor Schäden schützen kann.

Angiotensin II wird heute eine Bedeutung beim fortschreitenden Prozeß der kardiovaskulären Erkrankungen von den Risikofaktoren bis zum Organversagen zugeschrieben, beim Herzen also von der Hypertonie über die linksventrikuläre Hypertrophie bis zur Herzinsuffizienz, bei der Niere von der Mikroalbuminurie über die Makroalbuminurie bis zum Organversagen. Entsprechend wird auch der Nutzen der Hemmung von Angiotensin II in allen Stadien der vaskulären Erkrankungen untersucht.

Nützt Irbesartan bei diastolischer Herzinsuffizienz?

Für einige Stadien dieser Erkrankungen und für einige Endorgane gibt es dazu schon positive Befunde. In weiteren Bereichen laufen noch Studien. Diskutiert haben Wissenschaftler dies am Beispiel von Irbesartan bei einem gemeinsamen Symposium der Unternehmen Sanofi-Synthelabo und Bristol-Myers Squibb. Sie haben den Angiotensin-II-Antagonisten als Aprovel® und als Karvea® im Programm.

IRMA 2: Irbesartan vermindert das Auftreten einer Makroalbuminurie
Dosisabhängig vermindert Irbesartan die Inzidenz von Nierenschäden bei Diabetikern.

Bereits bekannt ist, daß Irbesartan bei Hypertonikern mit linksventrikulärer Hypertrophie diese stärker reduziert als Atenolol. In der SILVHIA-Studie waren es 16 Prozent Rückgang im Vergleich zu neun Prozent bei dem Betablocker, hat Dr. Michel Komajda vom Hôpital Pitié Salpêtrière in Paris in seinem Vortrag erinnert.

Ein Beispiel für eine noch laufende Untersuchung ist die Therapie bei Patienten mit diastolischer Herzinsuffizienz. Diese Form betrifft etwa die Hälfte aller Herzinsuffizienz-Patienten. Bei ihnen ist die systolische Funktion intakt. Ob solchen Patienten gezielt geholfen werden kann, soll jetzt in der i-PRESERVE-Studie überprüft werden. In der Untersuchung mit über 3600 Patienten wird die Therapie mit dem Angiotensin-II-Hemmer mit der Placebobehandlung verglichen, hat Komajda berichtet.

Der erste Studienendpunkt ist die Kombination aus Tod und Verringerung der Zahl der Krankenhausbehandlungen. Ein weiterer Endpunkt ist Tod jeglicher Ursache oder Klinikbehandlung wegen kardiovaskulärer Komplikationen. Hintergrund der Studie ist eine Beobachtung aus der CHARM-Studie, wonach in dem Arm CHARM-Preserved die Therapie mit dem Angiotensin-II-Antagonisten Candesartan eine leichte Verringerung von kardiovaskulärer Morbidität und Mortalität bei den Teilnehmern ergeben hat, bei denen die linksventrikuläre Auswurffraktion über 40 Prozent lag.

Die i-PRESERVE-Studie soll eine Forschungslücke für den großen Teil der Patienten mit diastolischer Dysfunktion schließen.

50 Prozent aller Herzinsuffizienzen sind diastolisch

Denn nahezu jeder zweite Herzinsuffizienz-Patient hat eine erhaltene systolische Funktion. Diese Patienten sind meist älter, öfter Frauen. Sie haben häufig Hypertonie und einen Diabetes mellitus. Echokardiographisch oder hämodynamisch gibt es bei diesen Patienten Hinweise auf eine diastolische Herzinsuffizienz. Solche Patienten haben auch häufig eine Aktivierung des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems infolge einer Diuretika-Therapie.

Daß Irbesartan die Nieren von Typ-2-Diabetikern schützt, ist bereits aus der IRMA-2-Studie bekannt. Dort hatte der Angiotensin-II-Antagonist bei den Diabetikern mit Mikroalbuminurie über die blutdrucksenkende Wirkung hinaus die Rate klinischer Albuminurien vermindert und diabetischen Nephropathien vorgebeugt, hat Professor Luis Ruilope vom Octubre-Hospital in Madrid erinnert. Mikroalbuminurie ist auch ein Risikofaktor für Herzinfarkt und Schlaganfall. Die regelmäßige Messung des Albumins im Harn gehört daher nach den Leitlinien der Europäischen Fachgesellschaften für Hypertonie und Kardiologie zur Vorsorge bei Hypertonikern und Diabetikern. (Rö)

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