Ärzte Zeitung, 14.06.2005

Kombibehandlung ist häufig schon bei Therapiestart nötig

Sequentielle Monotherapie bei Hypertonie oft obsolet

WIESBADEN (ner). "Die sequentielle Monotherapie bei Hypertonie ist eigentlich obsolet!" Mit diesem provokanten Satz hat sich der Berliner Pharmakologe Professor Reinhold Kreutz bei einer Fortbildungsveranstaltung in Wiesbaden für die Kombinationstherapie zur effektiven Blutdrucksenkung ausgesprochen.

Das Denken sei heute noch zu sehr von der Frage geprägt, was das beste Antihypertensivum im Lande sei, sagte Kreutz bei einer vom Unternehmen Berlin-Chemie unterstützen Veranstaltung. Entscheidend sei jedoch das Ausmaß der Blutdrucksenkung für die Reduktion der Mortalität und Morbidität. Die Zielblutdruckwerte seien in den großen Interventionsstudien stets durch ein strenges Protokoll mit zunehmender Therapie erreicht worden:

  • Beginn mit Antihypertensivum A,
  • Hinzufügen von Antihypertensivum B,
  • Dosisverdopplung,
  • Hinzufügen von Antihypertensivum C.

Mit einer Monotherapie sind maximale Ansprechraten von 50 bis 60 Prozent zu erwarten. Das Ausreizen der Dosis führt meist kaum zu mehr Wirksamkeit, dafür zur Zunahme unerwünschter Wirkungen. In der LIFE-Studie haben nur zehn Prozent der Patienten eine Monotherapie erhalten.

    Nur bei jedem zweiten Hypertoniker genügt einzelner Wirkstoff.
   

Alle anderen Studienteilnehmer brauchten zusätzlich zu den Vergleichspräparaten Losartan und Atenolol ein oder zwei Partner-Substanzen. Die Frage müsse daher heute lauten: Wie sieht die beste Kombination für den jeweiligen Patienten aus?

Fixkombinationen werden nach Ansicht von Kreutz daher nicht nur aus Compliance-Gründen vermehrt aktuell. Mit einer Kombinationstherapie zu beginnen, empfahl Kreutz bei Patienten mit mittelschwerer und schwerer Hypertonie sowie bei ausgeprägten Endorganschäden oder hohem kardiovaskulärem Risiko. Bei Patienten, deren Ausgangsblutdruck mehr als 20/10 mmHg über dem Zielblutdruckwert liegt, könne die Behandlung mit einer üblichen Zweierkombination eingeleitet werden.

Allerdings ist bei alten Patienten, bei Diabetikern und bei autonomer Dysfunktion des vegetativen Nervensystems wegen der Hypotonie-Gefahr zu Behandlungsbeginn Vorsicht geboten. Wichtig ist es nach Ansicht von Kreutz, die Pharmakotherapie bei Bluthochdruck prinzipiell als Kombitherapie zu verstehen. Im komplexen System von Regulation und Gegenregulation reiche es nicht, nur einen Schalter umzulegen.

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