Ärzte Zeitung, 04.05.2005

Bluthochdruck schädigt das Gehirn auf mehrfache Weise

Frühe blutdrucksenkende Therapie ist für den Erhalt geistiger Fähigkeiten wichtig / Neuroprotektive Effekte von Sartan werden derzeit erforscht

MÜNCHEN (wst). Der Schlaganfall ist wahrscheinlich die bekannteste zerebrale Komplikation des Bluthochdruckes. Aber nicht die einzige Komplikation: Eine langjährige Hypertonie ist auch die Ursache für stumme, die geistige Leistungsfähigkeit beeinträchtigende Hirnschädigungen mit Lakunen, Marklagerdystrophie, Mikroblutungen und Hirnatrophie. Eine frühe blutdrucksenkende Therapie ist deshalb für den Erhalt der geistigen Leistungsfähigkeit sehr wichtig.

Dies hat Professor Peter Berlit vom Alfred Krupp-Krankenhaus in Essen bei dem vom Unternehmen MSD organisierten Interaktiven Herz-Kreislauf-Forum 2005 in München betont.

Wie er erinnert hat, gilt beim frischen Hirninfarkt "Time is Brain". Damit die Zeit für eine optimale Akutintervention von nur drei Stunden ab Symptombeginn eingehalten werden kann, sollten Patienten mit inzwischen meist zuverlässig erhobenem Eigenverdacht auf einen Schlaganfall vom Notarzt sofort in ein Schlaganfall-Zentrum gebracht werden, betonte Berlit.

Weit besser als Patienten wegen eines Hirninfarktes zu behandeln ist allerdings, den Schlaganfall zu verhüten. Eine große Zahl von Interventionsstudien hat schon lange belegt, daß eine suffiziente antihypertensive Therapie in der Primärprävention und auch nach einem Schlaganfall die Wahrscheinlichkeit künftiger Hirninfarkte deutlich reduziert.

Neuer ist die Erkenntnis, daß eine Sartan-Therapie offensichtlich hirnprotektive Effekte hat, die nicht allein mit der erreichten Blutdrucksenkung zu erklären sind. So wurde etwa in der großen doppelblinden LIFE-Studie über vier Jahre belegt, daß Losartan (Lorzaar®) und der Betablocker Atenolol den Blutdruck der über 9000 aufgenommenen Hypertoniker mit linksventrikulärer Hypertrophie (LVH) gleich gut senkten.

Dennoch war die Schlaganfallinzidenz in der Losartan-Gruppe um etwa 25 Prozent niedriger als bei Atenolol. Zudem schnitten in einer Subanalyse der Studie Patienten mit Losartan in kognitiven Leistungstests besser ab als mit Atenolol. Wie im Detail pleiotrope Sartan-Effekte über die bloße Drucksenkung hinaus zur Hirnprotektion beitragen, wird derzeit erforscht.

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