Ärzte Zeitung, 29.11.2005

Arm-Blutdruck nicht repräsentativ für herznahen Blutdruck

Trotz gleicher Blutdruckwerte am Arm können Antihypertensiva zentralen Aortendruck unterschiedlich verändern / Vorteil für Amlodipin

DALLAS (ob). Der üblicherweise nach dem Riva-Rocci-Prinzip per Arm-Manschette gemessene Blutdruck verrät nicht alles über die Wirkung von Blutdrucksenkern. Unterschiedliche Antihypertensiva scheinen nämlich selbst bei nahezu gleichem Arm-Blutdruck den zentralen herznahen Blutdruck in sehr unterschiedlicher Weise beeinflussen zu können. Dies ist möglicherweise von klinischer Bedeutung.

Zu diesem Ergebnis kommen Untersucher bei einer neuen Analyse von Daten der ASCOT-Studie. In dieser mit knapp 20 000 beteiligten Hypertonikern größten europäischen Bluthochdruck-Studie konnte gezeigt werden, daß eine Amlodipin-gestützte Therapie (plus Perindopril bei Bedarf) einem Atenolol-basierten Regime (plus Diuretikum bei Bedarf) im Einfluß auf Mortalität und Morbidität signifikant überlegen war.

In ihrer neuen Substudie haben die ASCOT-Untersucher bei 2199 Teilnehmern den Blutdruck sowohl am Arm als auch zentral in der Aorta ascendens gemessen. Der zentrale Aortendruck ist ein genaueres Maß für die tatsächliche hämodynamische Belastung des Herzens. Gemessen wurde er nicht-invasiv mit Hilfe der Pulswellenanalyse. Aus der peripher über der Radialis-Arterie aufgezeichneten Pulsdruckkurve errechnet dabei ein Computerprogramm Pulswellenform und Blutdruck in der Aorta.

In beiden Behandlungsgruppen unterschieden sich die am Arm gemessenen Blutdruckwerte nicht wesentlich. Dieses Ergebnis täuscht über einen Unterschied hinweg, der erst bei der Analyse des zentralen Aortendruck zum Vorschein kam. Nach dieser Analyse hatte Amlodipin nämlich trotz gleichen Arm-Blutdrucks die klar günstigere Wirkung auf den herznahen Blutdruck in der Aorta.

In der Amlodipin-Gruppe war der zentrale systolische Aortendruck um 4,3 mmHg und der zentrale Pulsdruck (= Blutdruckamplitude) um 3,0 mmHg niedriger als in der Atenolol-Gruppe, berichtete Studienleiter Professor Bryan Williams jüngst auf einem Kardiologenkongreß in Dallas im US-Staat Texas.

Weitere Analysen ergaben, daß der zentrale Aortendruck in signifikanter Beziehung zur Häufigkeit von kardiovaskulären und renalen Ereignissen im untersuchten Studienkollektiv stand. Williams hält es deshalb für plausibel, daß die höhere klinische Effizienz des Amlodipin-basierten Therapieregimes in ASCOT zumindest partiell auf die günstigere Veränderung des zentralen Blutdrucks zurückzuführen ist.

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