Forschung und Praxis, 22.05.2006

Neuer Renin-Hemmer beweist Wirksamkeit in der Hochdruck-Therapie

Die pathophysiologische Bedeutung, die das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (RAAS) bei Hypertonie oder Herzinsuffizienz hat, bildet die Grundlage dafür, daß ACE-Hemmer und AT1-Rezeptorblocker bei diesen Erkrankungen von therapeutischem Nutzen sind. Damit ist das Potential an möglichen Ansätzen zur pharmakologischen Blockade dieses Systems aber noch nicht erschöpft.

Der geschwindigkeitsbestimmende Schritt in der Bildung von Angiotensin II liegt am Anfang der Synthesekette, nämlich bei der durch Renin vermittelten Umwandlung von Angiotensinogen in Angiotensin I. Früher noch als das Angiotensin-Converting-Enzym oder den AT1-Rezeptor-Subtyp hatte die Hochdruck-Forscher Renin als Ansatzpunkt für die RAAS-Hemmung im Auge.

Mit der Renin-Hemmung hätte man ein Wirkprinzip, das reflektorische Anstiege von Plasmarenin-Aktivität, Angiotensin I und Angiotensin II vermeidet. Da Renin eine hohe Spezifität für Angiotensinogen besitzt, besteht zudem die Hoffnung, daß sich aufgrund der selektiven Hemmung die Häufigkeit von Nebenwirkungen verringern könnte.

Bisher entwickelte Renin-Hemmer hatten den Nachteil einer sehr geringen orale Bioverfügbarkeit, da sie schon vor der Resorption im Intestinaltrakt zerstört wurden. Mit Aliskiren befindet sich ein Renin-Hemmer in der klinischen Entwicklung, der resistent gegen den Abbau durch Peptidasen und für die orale Therapie geeignet ist.

Aliskiren senkt erhöhten Blutdruck dosisabhängig über 24 Stunden

Dr. Byung-Hee Oh aus Seoul hat in Atlanta Ergebnisse einer placebokontrollierten Doppelblindstudie zur antihypertensiven Wirksamkeit des neuen Renin-Hemmers vorgestellt. In dieser Studie sind 672 Hypertoniker (diastolischer Blutdruck: 95 - 110 mmHg) acht Wochen lang mit Aliskiren in drei Dosierungen (150 mg, 300 mg oder 600 mg einmal täglich) oder Placebo behandelt worden.

Nach acht Wochen hatte Aliskiren den systolischen und diastolischen Blutdruck dosisabhängig jeweils signifikant stärker gesenkt als Placebo, und zwar um 10,3 / 13,0 mmHg (150 mg) 11,1 / 14,7 mmHg (300 mg) und 12,5 / 15,8 mmHg (600 mg). Die Reduktion in der Placebo-Gruppe betrug 4,9 / 3,8  mmHg. Die Rate der Responder (Senkung des diastolischen Drucks um mehr als 10 mmHg und / oder unter 90 mmHg) war mit 59 Prozent (150 mg), 63 Prozent (300 mg) und 69 Prozent (600 mg) signifikant höher in der Placebo-Gruppe (36 Prozent).

Wie Byung-Hee Oh betonte, zeigte Aliskiren eine über 24 Stunden anhaltende und auch zum Ende des Dosisintervalls nicht schwächer werdende blutdrucksenkende Wirkung. In der Verträglichkeit unterschied sich die Substanz in der 150-mg- und 300-mg-Dosis nicht von Placebo. In der mit 600 mg Aliskiren behandelten Gruppe registrierten die Untersucher eine höhere Inzidenz von Diarrhöen. (ob)

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