Forschung und Praxis, 16.06.2006

Bei Alten kommt’s auf die Blutdruck-Amplitude an

Bei der Beurteilung der Blutdruckwerte von Patienten sollte auch auf die Blutdruckamplitude geachtet werden, also die Differenz zwischen systolischem und diastolischem Blutdruck, sagte Dr. Dietmar Trenk vom Herz-Zentrum Bad Krozingen.

Denn je größer die Blutdruckamplitude ist, desto höher sei das Risiko, an einer kardiovaskulären Erkrankung oder einer Apoplexie zu sterben. Durch altersbedingte Umbauprozesse im Bereich der Media der großen Blutgefäße geht die Elastizität zurück, und die Gefäßkapazität wird reduziert.

Die dadurch verursachte Zunahme der Pulswellengeschwindigkeit - sie verdoppelt sich in 50 bis 60 Lebensjahren von fünf Metern pro Sekunde auf zehn, bei starker Hypertonie bis auf 15 Meter pro Sekunde - führe dazu, daß die in der Peripherie reflektierte Pulswelle in der Aorta eher in der Systole als in der Diastole einfalle. Diese Veränderungen erhöhten den systolischen Blutdruck und erniedrigten den diastolischen in der Aorta.

Antihypertonika besserten die Elastizität der Aorta und senkten die Krankheits- und Sterberate, erinnerte Trenk bei einer Veranstaltung von Merckle Recordati. Geeignet seien unter anderen Kalziumantagonisten der dritten Generation, eventuell kombiniert mit einem ACE-Hemmer oder einem Thiazid-Diuretikum.

Einer Metaanalyse zufolge wird durch Blutdrucksenkung die Sterberate um 13 Prozent, die kardiovaskuläre Sterberate um 18 Prozent, die Schlaganfallrate um 30 Prozent und die Rate koronarer Symptome um 23 Prozent reduziert.

Der langwirksame Kalziumantagonist Lercanidipin (vom Unternehmen als Corifeo® angeboten) habe eine günstige Pharamakokinetik und sei gut verträglich. Darauf hat Professor Heyo Kroemer von der Uni Greifswald hingewiesen. Das Präparat senke den systolischen Blutdruck um bis zu 29 mmHg und den diastolischen um bis zu 14 mmHg. (nsi)

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